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Abwehrchef und Vorbereiter

'Kaiser' Boateng kann's 'links wie rechts'

Über den früheren Bayern-Kapitän Lothar Matthäus soll FCB-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer einmal gesagt haben: „Ja gut, der Lothar Matthäus ist ja praktisch ein Weltstar, er kann links wie rechts, hinten wie vorne.“ Das war im Jahr 1990, Beckenbauer war damals noch Teamchef der Nationalmannschaft und Matthäus sein Kapitän und verlängerter Arm auf dem Spielfeld, der die DFB-Auswahl im Sommer zum Weltmeistertitel führte. 25 Jahre später bekommt diese Aussage neue Aktualität. Im Mittelpunkt diesmal: Jérôme Boateng.

Beim überraschend klaren 5:1-Erfolg des deutschen Rekordmeisters im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund überragte der Innenverteidiger als umsichtiger Abwehrchef mit den meisten Ballkontakten aller Spieler (94), den zweitbesten Zweikampfwerten (67 Prozent) und den meisten Ballgewinnen in der Defensive (7). Da Boateng aber - wie einst Matthäus - auch „vorne“ kann, leistete er in der Offensive die meisten Torschussvorlagen (3) und bereitete fast wie selbstverständlich zwei Treffer vor.

Außergwöhnliche Pässe

Beeindruckend dabei war die Art und Weise, wie der 27-Jährige die beiden Torschützen Thomas Müller und Robert Lewandowski in Szene setzte. Zunächst bediente er Müller in der 26. Minute mit einem mit rechts geschlagenen Pass aus der eigenen Hälfte über 50 Meter genau in den Lauf zur 1:0-Führung. Kurz nach der Halbzeitpause setzte er sogar noch einen drauf, dieses Mal schlug er den Ball mit links über 60 Meter punktgenau auf Lewandowski, der nur noch zum 3:1 einschieben musste.

„Er hat zwei super Pässe gespielt. Es ist schon einzigartig, als Innenverteidiger so eine Spieleröffnung zu haben“, lobte Müller nach dem Spiel seinen Mannschaftskollegen. Trainer Pep Guardiola sprach vor allem vor dem 3:1 von einem „Wahnsinnspass“, Boateng sei „im Aufbau einer der besten Spieler“. Für Boateng waren es die ersten Torvorlagen seit März 2014, erstmals seit 2008 waren es zwei in einem Spiel. „Er spielt auf einem unglaublichen Niveau. Jérôme hat sich enorm entwickelt in den letzten Jahren. Er ist eine große Stütze bei uns und in der Nationalmannschaft“, stimmte auch Kapitän Philipp Lahm in die Lobeshymnen mit ein.

Boateng gewohnt bescheiden

Doch nicht nur bei den beiden Torvorlagen stellte Boateng sein Können unter Beweis. Auch sonst glänzte er mit vielen genau geschlagenen Spielverlagerungen, egal ob mit dem linken oder rechten Fuß. „In den letzten zwei Jahren spielt Boateng auf absolutem Weltklasseniveau. Er ist einer der besten Innenverteidiger der Welt“, stimmte auch Beckenbauer selbst in die Lobeshymnen ein. Und um den Kreis dieser Geschichte zu schließen, verpasste Müller Boateng nach dem Spiel den passenden Spitznamen. „Der Kaiser Jérôme Boateng hat die Lücke gesehen. Ich hab einfach den Raum gesehen. Mich freut’s, ihn hat’s auch gefreut.“

Tatsächlich war Kaiser Boateng nach den beiden Vorlagen kaum zu halten vor Freude, fast schon, als hätte er die Treffer selbst erzielt. Nach dem Schlusspfiff jedoch war Boateng vor den Journalisten wieder gewohnt sachlich und bescheiden. „Es hat heute richtig gut geklappt“, meinte der Modellathlet. „Ich freue mich, dass es geklappt hat. Ich freue mich für Thomas und Lewy. Ich freue mich, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben“, sagte er, ehe er die Allianz Arena verließ.

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