präsentiert von
Menü
Das Jugendhaus

'Fast wie Zuhause' - die Heimat von 15 FCB-Talenten

Der Blick aus dem Fenster könnte motivierender nicht sein. Nur wenige Meter hinter der Glasscheibe sprinten, passen und dribbeln Thomas Müller, Arjen Robben und Co. Aus dem Gemeinschaftsraum des FC Bayern Jugendhauses beobachten Niklas Dorsch (18) und Christian Früchtl (15), der gerade von der Schule heimgekommen ist, den Rucksack noch über der Schulter, ihre Vorbilder beim Nachmittagstraining an der Säbener Straße.

Doch seit ein paar Wochen sind die beiden Talente dabei nicht mehr nur Zuschauer, sie sind mittendrin. Gemeinsam mit drei weiteren Nachwuchskickern des Rekordmeisters (Milos Pantovic, Fabian Benko & Marco Friedl) absolvierten sie zuletzt das Wintertrainingslager mit den Profis in Doha.

„Das war natürlich eine super Erfahrung für uns“, beschreibt Dorsch, „das Training ist auf einem komplett anderen Niveau, sowohl vom Tempo als auch vom Fußballerischen. Man lernt einfach in jedem Training sehr viel dazu.“ Auch neben dem Platz hat der 18-Jährige jede Menge mitgenommen: „Wir haben viele neue Eindrücke sammeln dürfen, auch mit dem großen Medien- und Fanaufkommen.“

15 Talente wohnen im Jugendhaus

In München wohnen Dorsch und Früchtl Tür an Tür im Erdgeschoss des Jugendhauses. Jeder von ihnen hat hier ein kleines Zimmer mit eigenem Bad. Poster und Trikots an den Wänden, Bilder von Freunden und der Familie – ein ganz normales Jugendzimmer eben. Früchtl, der seit seinem Wechsel von der SpVgg GW Deggendorf zum FCB im Sommer 2014 hier wohnt: „Am Anfang war die Umstellung, weg von der Familie zu sein, nicht immer leicht.“

Inzwischen habe er sich aber „gut eingelebt. Ich fühle mich hier sehr wohl, es ist fast wie Zuhause.“ Besonders seinem Vorbild Manuel Neuer bei den tagtäglichen Einheiten zusehen und hin und wieder mit ihm trainieren zu können, sei „eine große Ehre und riesige Motivation.“

Insgesamt 15 Talente des Rekordmeisters im Alter von 14 bis 18 Jahren wohnen in dieser Saison im Jugendhaus. Ob David Alaba, Holger Badstuber, Toni Kroos, Owen Hargreaves oder Sammy Kuffour, für viele Eigengewächse des FC Bayern war das Gebäude, das neben dem Bürokomplex und den Trainingsplätzen an der Säbener Straße steht, über mehrere Jahre ihr Zuhause.

Pauken am Nachmittag

Einige weitere Nachwuchskicker kommen in den Gemeinschaftsraum im zweiten Stock – die Studierzeit geht los, eine Mischung aus Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe. Diese ist für alle schulpflichtigen Bewohner des Jugendhauses verpflichtend. Zwei bis drei voll ausgebildete Gymnasiallehrer stehen dabei jeweils am Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr für die Kernfächer zur Verfügung.

„Wir unterstützen die Jungs bei der Bearbeitung der Hausaufgaben und dem Aufholen von Stoffrückständen, die beispielsweise durch Abwesenheit wegen DFB-Lehrgängen oder der UEFA Youth League der U19 entstanden sind“, zeigt Florian Cichlar, Schulbeauftragter des junior teams, auf. Auch für Früchtl steht Pauken auf dem Plan: Mathe.

Dorsch, der im Sommer die Fachoberschule beendet hat, um sich voll und ganz auf seinen großen Traum zu konzentrieren, braucht bei der Studierzeit nicht anwesend sein und hat somit noch etwas Zeit bis die nächste Trainingseinheit ansteht. Er nutzt sie, um Wäsche zu waschen.

Ersatz-Mutter Gertrud Wanke

Auf dem Weg zum Waschraum trifft er Gertrud Wanke, wechselt ein paar Worte mit ihr, das Verhältnis zwischen den beiden wirkt vertraut. Die Jugendhaus-Betreuerin ist so etwas wie die Ersatz-Mutter für die Talente, die schon in jungen Jahren den großen Schritt wagen, ihr gewohntes, familiäres Umfeld verlassen und sich ganz ihrem großen Traum widmen. „Frau Wanke hat mir gerade in der etwas schwierigen Anfangszeit sehr viel geholfen. Sie ist immer für uns da, wenn wir etwas brauchen“, erzählt Dorsch.

Seit über acht Jahren ist Wanke die gute Seele im Jugendhaus. Sie umsorgt die 14- bis 18-Jährigen, unterstützt diese bei alltäglichen Dingen, bereitet das Frühstück vor, fährt die Spieler zum Arzt und sorgt auch dafür, dass Ordnung in den Zimmern der Bewohner herrscht. „Mit jungen Menschen zu arbeiten und sie auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten, das macht mir unheimlich Spaß“, beschreibt sie.

Udo Bassemir, der Vertraute neben dem Platz

Neben Wanke ist auch Udo Bassemir, pädagogischer Leiter des Jugendhauses, eine wichtige Bezugsperson für die 15 Nachwuchskicker. Mit ihm können die Talente des FC Bayern über alles reden, ohne dass sie fürchten müssen, der Inhalt habe Auswirkungen auf die sportliche Situation in der Mannschaft. Bassemir ist das Bindeglied zwischen den Spielern, ihren Eltern und den Jugendtrainern des FCB.

Für ihn ist die Zusammenarbeit mit den Eltern der Bewohner von elementarer Bedeutung: „Der Austausch mit den Eltern der Jungs wird immer mehr intensiviert. Mehrmals im Jahr statten wir ihnen einen Besuch ab, um sie zu informieren, aber auch um viele Dinge in Erfahrung zu bringen.“ Neben der Elternarbeit ist Bassemir vor allem auch die Vertrauensbasis zu den Spielern enorm wichtig. Dabei setzt er besonders auf Kommunikation und die Vermittlung von Werten wie Respekt, Selbstständigkeit und Verantwortung.

17 Uhr, für die Bewohner des Jugendhauses geht es raus auf den Platz zu den Trainingseinheiten mit ihren jeweiligen Teams. Am Abend treffen sie sich wieder im Gemeinschaftsraum, spielen Playstation, unterhalten sich. Um zehn Uhr ist Bettruhe, die Jungs gehen auf ihre Zimmer. Gertrud Wanke dreht ihre letzte Runde und wünscht eine gute Nacht. Morgen wartet ein neuer Tag, das nächste Training, der nächste Schritt auf dem Weg zum großen Traum vom Profifußball.

Weitere Inhalte