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Fluch hin, Fluch her

Benfica voller 'Entschlossenheit und Enthusiasmus'

Mai 1962. Benfica Lissabon gewinnt zum zweiten Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister. Direkt im Anschluss an den 5:3-Finalsieg gegen Real Madrid kommt es zum Streit zwischen der Vereinsführung und Coach Belá Guttmann. Es geht ums Geld und mündet in der Trennung vom Trainer, der vor seinem Abgang seiner Wut mit folgenden Worten Ausdruck verlieh: „Ihr sollt die nächsten 100 Jahre keinen Europacup mehr gewinnen!“ Soweit die Überlieferung.

56 Jahre später hängt der sogenannte Guttmann-Fluch noch immer über Benfica Lissabon. Acht Mal erreichte der Klub seitdem ein Europacup-Finale, acht Mal gab es eine Niederlage. Da half es auch nicht, dass Klub-Legende Eusebio persönlich am Grab Guttmanns um die Aufhebung des Fluchs bat. Oder dass im Estádio da Luz eine Bronzestatue des ungarischen Trainers aufgestellt wurde. Fluch bleibt Fluch.

National allerdings sind die Adler als Rekordmeister (34 Titel) und Rekordpokalsieger (25) das Maß aller Dinge. Aktuell führen sie die portugiesische Liga mit fünf Punkten Vorsprung an. Erstmals seit vier Jahren (2011/12) hat der Klub das Champions-League-Viertelfinale erreicht. 17 der letzten 19 Pflichtspiele wurden gewonnen (1 Niederlage, 1 Remis), wettbewerbsübergreifend schon 101 Tore erzielt.

'Kämpfen bis zum Ende'

Von Guttmanns Fluch ist vor dem Viertelfinale in der Champions League gegen den FC Bayern nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Die Benfica-Brust ist breit wie schon lange nicht mehr. Und das hört man dann auch in den Aussagen vor dem Spiel. „Wir werden nicht zurückschrecken. Wir haben keine Angst vor dem Spiel“, sagte etwa Rui Vitória, der seit vergangenem Sommer auf der Trainerbank der Adler sitzt. Der 45-Jährige kickte früher selbst in der dritten und vierten Liga, als Trainer führte er 2013 Guimarães zum Pokalsieg. Jetzt setzt er alles daran, dass Benfica erstmals das Halbfinale der Champions League erreicht.

„Wir werden mit großer Entschlossenheit, mit dem Glauben an uns, mit Enthusiasmus und Freude ins Spiel gehen“, kündigte Vitória an. Natürlich, Bayern sei „eine der stärksten Mannschaften der Welt, ein Favorit auf den Titel. Wir wissen, was auf uns zukommt. Wir werden wahrscheinlich viel leiden. Aber wir glauben, dass wir eine Chance haben, und werden kämpfen bis zum Ende.“

Europas Toptorjäger

„Eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel“ gab Vitória als Minimalziel aus. „Dass wir hier sind, zeigt, dass wir bisher gute Arbeit geleistet haben“, meinte Außenverteidiger André Almeida und kündigte an: „Wir werden spielen wie immer.“ Die Hoffnungen Benficas, das sich im Achtelfinale mit zwei Siegen gegen Zenit St. Petersburg durchsetzte, ruhen dabei vor allem auf Stürmer Jonas. Der 32 Jahre alte Brasilianer hat in den 16 Pflichtspielen dieses Jahres 18 Tore erzielt und führt mit 30 Treffern das Rennen um den Goldenen Schuh für Europas besten Torjäger an.

Aber auch seinen Sturmpartner Konstantinos Mitroglou, den 18-jährigen Renato Sanches (Guardiola: „einer der besten jungen Spieler in Europa“) und Benficas aktuellen CL-Toptorschützen Nicolás Gaitán (4 Treffer) gilt es im Auge zu behalten. Ihre Stärke, das betonten die Portugiesen am Vorabend des Spiels in München einhellig, liege jedoch in der mannschaftlichen Geschlossenheit. „Zusammen sind wir zu allem fähig“, sagte der argentinische Außenstürmer Eduardo Salvio, „wir haben schon mehrfach gezeigt, dass wir das vermeintlich Unmögliche schaffen können.“ Manuel Neuer hat also allen Grund, mit „zwei schweren Spielen“ gegen die Adler zu rechnen. Fluch hin, Fluch her.

Das Aufgebot von Benfica Lissabon für das Spiel in München:
Torhüter: Ederson, Paulo Lopes, André Ferreira
Abwehr: André Almeida, Nélson Semedo, Jardel, Lisandro, Lindelöf, Eliseu 
Mittelfeld: Pizzi, Carcela, Talisca, Salvio, Fejsa, Gonçalo Guedes, Renato Sanches, Samaris, Gaitán
Sturm: Raúl, Jonas, Mitroglou

Es fehlen:
Torwart Julio Cesar, Abwehr-Routinier und Kapitän Luisão, Rechtsverteidiger Silvio, Nachwuchsstürmer Nuno Santos (alle verletzt)

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