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'Auf Bulle war immer Verlass'

Happy Birthday! Franz Roth wird 70

Seinen festen Platz in der Vereinsgeschichte des FC Bayern sicherte sich Franz Roth bereits in seiner Premierensaison. Im Finale des Europapokals der Pokalsieger 1967 gegen die Glasgow Rangers traf der damals 21-Jährige in der Verlängerung zum 1:0 – und schoss die Münchner so zu ihrem ersten internationalen Triumph überhaupt. Heute, fast 49 Jahre später, feiert der Bulle seinen 70. Geburtstag!

„Lieber Bulle, im Namen des gesamten FC Bayern wünsche ich dir alles Gute zu deinem Ehrentag“, wandte sich Karl-Heinz Rummenigge in einer Videobotschaft an den Jubilar. „Du warst ein großer, wichtiger Spieler für Bayern München, auf den immer Verlass war – ganz speziell in den Europapokal-Finals der Landesmeister“, erinnerte der Vorstandschef an die Verdienste des gebürtigen Memmingers. „Vielen Dank für alles, was du für den FC Bayern getan hast!“

Ins kollektive Bayern-Gedächtnis schoss sich Roth vor allem in den Endspielen des Europapokals der Landesmeister 1975 und 1976. Gegen Leeds United (2:0) führte der Bulle die Münchner mit dem 1:0 ebenso auf die Siegerstraße wie im Jahr darauf, als ihm gegen Saint-Étienne (1:0) per Freistoß der einzige Treffer des Spiels gelang. „Diese wichtigen Tore zu erzielen, war natürlich wunderschön“, erinnerte sich Roth, der ein wichtiger Bestandteil der goldenen Elf um Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier war. „Es war eine wunderbare Zeit mit einer tollen Mannschaft.“

Der bodenständige Allgäuer, der mit seinem Sohn in Bad Wörishofen und Marktoberdorf zwei Sportgeschäfte betreibt, ist ein freundlicher Mensch. Fast jeder seiner Sätze wird von einem Lachen begleitet. Auf dem Platz hingegen war Bulle Roth eisenhart. Auch seine Mitspieler mussten sich dann und wann in Acht nehmen. „Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wusste: Wenn der Franz sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn“, erzählte Uli Hoeneß mal. „Das Training war für mich Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt.“

Von Roths Schussstärke sind vor allem zwei Geschichten überliefert. Zum einen die vom Spiel bei Rapid Wien, als er ein Loch ins Tornetz schoss. „Der Ball war im Winkel, doch der Schiedsrichter hat kein Tor gegeben“, erinnert er sich, „wir sind dann zum Tor und haben gesehen, dass das Netz zerrissen war. Dann hat der Schiri den Treffer auch anerkannt.“ Zum anderen die vom Grünwalder Stadion, wo Bulle Roth die Stadionuhr herunterschoss. „Runtergeholt habe ich sie nicht“, schränkt er ein, „ich habe die Tafel getroffen, an der der Spielstand aufgehängt wird. Die Uhr ist darüber. Es hat ein wenig gescheppert.“

'Hier wusste ich: Es ist alles in Ordnung'

Mächtig Eindruck hinterließ der Sohn eines Landwirts schon in seiner ersten Vorbereitung bei den Bayern im Jahre 1966 vor 50 Jahren. „Da ist einer, der hat Kraft wie Muh“, erklärte der damalige Bayern-Trainer Tschik Cajkovski den frisch von der Weltmeisterschaft in England heimgekehrten Nationalspielern. „Bei uns heißt das Tier Bulle und nicht Muh“, korrigierte Ur-Bayer Sepp Maier. Der Spitzname, der Roth bis heute begleitet, war geboren.

In 322 Bundesligaspielen rannte, kämpfte, grätschte und schoss Roth für den FC Bayern. Obwohl seine primäre Aufgabe darin bestand, den gegnerischen Spielmacher auszuschalten, erzielte der viermalige Nationalspieler auch 72 Tore. In der ewigen Bestenliste des FC Bayern liegt er somit auf dem zwölften Rang.

Zwölf Jahre (1966-1978) blieb Roth dem Rekordmeister treu, dabei war er auch im Ausland begehrt und hatte Angebote vom AC Mailand oder den Grashoppers Zürich. „Es gab ja europaweit nichts Besseres. Warum soll man da wechseln?“, sagte er mal, „es gibt immer Spieler, die für etwas mehr Geld den Verein wechseln und dann nicht glücklich werden. Hier bei Bayern wusste ich, es ist alles in Ordnung.“

Mit der Enkelin in der Arena

Erst mit 32 Jahren verließ er den FC Bayern, kickte noch ein Jahr bei Casino Salzburg in Österreich und ließ seine erfolgreiche Karriere schließlich beim SV Sandhausen in der Amateur-Oberliga ausklingen. Dann kehrte er ins Allgäu zurück. Bis heute ist Roth dem FCB eng verbunden und besucht die Heimspiele in der Allianz Arena - so zuletzt auch beim Pokal-Halbfinale gegen Bremen (2:0), als Enkelin Fina an der Hand von Kapitän Philipp Lahm einlief.

Spricht Bulle über den Rekordmeister, sagt er „wir“ und „uns“. Er leidet mit, wenn die Ziele in Gefahr geraten und feiert mit, wenn ein Titel eingefahren wird. Angestoßen wird auch heute – und das aus gutem Grund. Alles Gute zum Geburtstag, Bulle Roth!

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