präsentiert von
Menü
Liebenswert gefährlich

'Krieger' Vidal reißt die Bayern mit

Nach 90 aufreibenden Minuten im Hexenkessel Estadio da Luz nahmen es die Bayern in den Stadion-Katakomben auch noch mit dem Krieger auf. Während Arturo Vidal in die Mikrofone der Reporter sprach, näherte sich von hinten Thomas Müller und brabbelte schelmisch ein paar Brocken Spanisch dazwischen. Dann kam Juan Bernat und schnippte Vidal am Ohr. Der Mann mit der Irokesen-Frisur und Tattoos bis unters Kinn blickte den davoneilenden Teamkollegen hinterher, lächelte und sprach sanft: „Ich bin glücklich.“

„Arturo sieht oftmals ein bisschen gefährlich aus, aber er ist harmlos. Ein total liebenswerter Junge“, sagte Matthias Sammer über den 28-jährigen Chilenen, der sich in den letzten Wochen zu einem entscheidenden Faktor beim FC Bayern entwickelt hat. In Lissabon brachte er die Bayern mit seinem wuchtigen Schuss zum 1:1, seinem Einsatz- und Siegeswellen auf Halbfinal-Kurs. Schon im Hinspiel hatte er den 1:0-Siegtreffer erzielt.

„Vielleicht merkt man ihm an, dass er die Champions League noch nicht gewonnen hat. Er lässt alle seine Qualitäten einfließen. Läuferisch arbeitet er extrem, geht in alle Zweikämpfe“, lobte Kapitän Lahm den Chilenen, der in der letzten Saison mit Juventus Turin das Champions-League-Finale verloren hat. „Er steckt sehr viel Energie in diese Spiele und reißt die Mannschaft so auch mit.“

'Ein Stück weit irrational'

„Der pure Wille“ (Joshua Kimmich), „Wahnsinn“ (Pep Guardiola) - so lauteten die Kommentare zu Vidals Tor in Lissabon, als er den Ball mit links volley ins Tor drosch. „Arturo ist extrem wichtig, insbesondere in solch großen Spielen“, würdigte Guardiola den erneut starken Auftritt seines Mittelfeldspielers, der schon in der Hinrunde fast immer zum Einsatz gekommen war (26 Einsätze in 27 Pflichtspielen), jetzt aber unverzichtbar geworden ist.

„Am Anfang musste ich mich an alles erst mal gewöhnen, aber inzwischen habe ich gezeigt, dass mir die Spiele Spaß machen und ich Lust am Gewinnen habe“, sagte Vidal, der vergangenen Sommer wegen der Copa-America-Teilnahme erst verspätet in die Vorbereitung eingestiegen war. „Arturo hat sich toll entwickelt. Er ist in einer Superform“, sagte Sammer, „er schießt entscheidende Tore, ist fleißig, zweikampfstark, unberechenbar, weil er ein Stück weit irrational spielt. Diese Irrationalität tut uns gut.“

Da staunen auch die Kollegen. „Sein absoluter Siegeswille zeichnet ihn aus. Wie er voran geht, wie er jeden Zweikampf spielt, als wäre es sein letzter“, sagte Kimmich. Dass Vidal dabei auch selbst einiges abbekommt, konnte man in den letzten Wochen zur Genüge beobachten. Doch ein Krieger beißt natürlich auf die Zähne. „Arturo will immer spielen“, sagte Sammer und scherzte: „Ich glaube, da müsste mal ein offener Schienbeinbruch kommen, dass er nicht mehr spielen möchte.“

Weitere Inhalte