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Interview

Wörle: „Kein Grund, sich auszuruhen. Im Gegenteil!“

Erster gegen Zweiter - am Sonntag (13 Uhr) kommt es im Grünwalder Stadion zum Topspiel der Allianz Frauen-Bundesliga zwischen Bayern und Turbine Potsdam. Über dieses Gipfeltreffen, aber auch über seine Vertragsverlängerung und die Hinrunde sprach FCB-Chefcoach Thomas Wörle im Interview mit dem BAYERN-Magazin.

Glückwunsch zur Vertragsverlängerung, Tom! Was reizt Sie nach mehr als sechs Jahren und mehreren Titeln noch an Ihrer Aufgabe?
Wörle: „Ich bin noch immer hochmotiviert und spüre, dass meine Arbeit noch nicht ausgereizt ist. Natürlich will ich mich persönlich auch weiterentwickeln und die nächsten Herausforderungen angehen. Aber all das sehe ich hier beim FC Bayern gegeben. Ich schätze Kontinuität und Beständigkeit. Der Erfolg der letzten beiden Jahre spornt mich an, obwohl ich weiß, dass der Erfolg auch gewisse Probleme mit sich bringt. Es wird alles andere als leicht, das Level zu halten oder gar auszubauen. Aber genau diese Herausforderung reizt mich. Ich möchte mit meinem Trainerteam und meiner Mannschaft weiter daran arbeiten, die Bayern-Frauen in der nationalen Spitze zu etablieren und den Namen FC Bayern auch international im Frauenfußball weiter voranzubringen.“

Ihr Ehrgeiz ist ungebrochen, das erzählen auch die Spielerinnen immer wieder...
Wörle: „Ja das stimmt. Es gibt keinen Grund, sich auszuruhen oder nachzulassen. Im Gegenteil! Wir sind mit viel Aufwand, harter Arbeit und großem Willen nach oben gekommen. Unsere Mädels wissen, wo sie herkommen. Sie sind sehr bescheiden, fleißig und haben sich auch von den beiden Meisterschaften nicht blenden lassen. Sie bleiben ihrer Linie treu. Diese bodenständige Mentalität ist eine sehr wichtige Voraussetzung für die zukünftigen Aufgaben.“

Wie fällt Ihr Fazit der zu Ende gehenden Halbserie aus?
Wörle: „Nach den Olympischen Spielen hatten wir erwartungsgemäß keinen idealen Saisonstart. Wir mussten uns in die neue Saison reinkämpfen, von Spiel zu Spiel steigern. Wir haben uns auf unsere Tugenden besonnen, die uns in den vergangenen Jahren ausgezeichnet haben. Nach der Niederlage gegen Wolfsburg am dritten Spieltag hat die Mannschaft bis jetzt zwölf Pflichtspiele in Folge gewonnen und überwintert in allen drei Wettbewerben - das ist, finde ich, eine herausragende Leistung. Gerade angesichts der erheblichen Verletzungsprobleme, die wir hatten und noch immer haben.“

Wie schwer lastete das olympische Turnier auf euren Schultern?
Wörle: „Erst einmal ist es toll, dass wir fünf Olympiasiegerinnen in unseren Reihen haben. Aber das hat uns auch vor enorme Probleme gestellt. In der Saisonvorbereitung hatten wir nur neun Tage, um mit der kompletten Mannschaft zu trainieren. So konnten wir uns nicht wirklich einspielen. Die Mädels, alles zentrale Figuren bei uns, sind körperlich hochbelastet und teilweise verletzt zurückgekommen. Dazu kommt, dass es für sie nach dem Olympiasieg verständlicherweise nicht einfach war, den Fokus auf die neue Saison zu richten.“

Phasenweise ist mehr als ein halbes Dutzend Spielerinnen verletzt ausgefallen. Warum hat auch das nicht aus der Spur geworfen?
Wörle: „Weil die Mannschaft großartig auf diese Misere reagiert hat. Hier waren wieder die außergewöhnliche Mentalität, der besondere Zusammenhalt und natürlich auch die Qualität unseres Teams zu sehen. Anstatt sich von den schwierigen Umständen beherrschen zu lassen, haben wir diese Herausforderung als Chance gesehen. Wir sind noch enger zusammengerückt und jede Einzelne hat noch mehr Verantwortung übernommen. Es waren zwar einige hart umkämpfte, enge Spiele dabei, die die Mannschaft aber allesamt gewonnen hat."

In bis jetzt neun Bundesligaspielen habt ihr nur elf Tore erzielt. Was sagt das über Ihre Mannschaft?
Wörle: „Zum einen zeigt es, dass unser starkes Fundament die gemeinsame Defensivarbeit ist und wir darauf vertrauen können. Wir wissen, dass wir nicht viele Tore benötigen, um ein Spiel zu gewinnen. Aber es zeigt auch, dass wir vor dem gegnerischen Tor effizienter werden müssen. In nahezu allen Spielen haben wir uns eine vernünftige Anzahl an Chancen erspielt, allerdings nur einen kleinen Bruchteil davon in Tore umgemünzt. Da wollen wir uns steigern.“

Zum ersten Mal überwintert ihr in der Champions League. Was bedeutet euch das?
Wörle: „Das erstmalige Erreichen des Viertelfinales in der Klubgeschichte war ein großes Ziel von uns allen. Wir wollten zeigen, dass wir aus der vergangenen Champions-League-Saison gelernt haben. Das war wichtig für unser Selbstverständnis. Die Erfahrungen gegen Edinburgh und Rossiyanka, erst recht das Viertelfinale gegen Paris im nächsten Jahr, lassen uns weiter wachsen. Unsere Mannschaft braucht diese Erfahrungswerte in der Champions League.“

Wie blicken Sie dem Viertelfinal-Duell mit Paris Saint-Germain entgegen?
Wörle: „Mit großer Vorfreude. Natürlich ist der Gegner sehr anspruchsvoll. Paris gehört aktuell zu den drei besten Teams in Europa. Aber das ist nun mal Königsklasse, Viertelfinale. Jeder Sportler will sich mit den Besten messen, um die eigene Leistungsfähigkeit auszuloten. Und das ist im Viertelfinale gegen Paris gegeben.“

Vor der Winterpause warten in der Bundesliga noch Potsdam und Essen auf euch. Wie schwer wird dieser Endspurt?
Wörle: „Das sind zwei sehr interessante und schwere Aufgaben. Potsdam ist mit 7 Siegen aus 8 Spielen extrem stark gestartet und hat zuletzt auch das Wolfsburger Topteam besiegt. Danach geht es nach Essen, die ebenfalls eine sehr gute Saison spielen und ganz vorne dabei sind. Wir müssen nochmals alle Kräfte bündeln, um unsere aktuelle Position zu behaupten und festigen zu können.“

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