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Interview mit Til Schweiger

„Ich kann mir Ancelotti gut auf der Leinwand vorstellen“

Auch die Ehrengäste blickten am Samstag erstaunt auf, wer da in die Allianz Arena gekommen war. Til Schweiger besuchte zusammen mit seiner Tochter Luna das Heimspiel gegen Darmstadt. Nach einem Plausch mit Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner nahm sich der 53 Jahre alte Schauspieler, Produzent und Film-Tausendsassa Zeit für ein Gespräch mit fcbayern.com. Über sein Bayern-Herz, die Allianz Arena, die zu Ende gehende Saison und natürlich über seine Stiftung, die an diesem Spieltag den Ärmel der FCB-Trikots zierte. Luna hört aufmerksam zu.

Das Interview mit Til Schweiger:

Herr Schweiger, Ihre erste große Hauptrolle war Bertie in „Manta, Manta“ – ein BVB-Fan... Wie konnte das passieren?
Schweiger: „Das stand leider so im Drehbuch und da hatte ich keine Chance. (schmunzelt) Der Film spielt ja auch im Ruhrpott und es wäre komisch gewesen, wenn Bertie Bayern-Fan gewesen wäre. Ich selbst bin aber schon seit Kindertagen Bayern-Fan. Ich muss aber sagen, dass ich auch den BVB mag. Dort wird auch toller Fußball gespielt.“

Sie sind in Gießen aufgewachsen. Wie wird man dort Bayern-Fan?
Schweiger:
„Als Kind war ich ein paar Mal im Stadion bei der Eintracht und bei Kickers Offenbach, als die Anfang der 70er noch Bundesliga gespielt haben. Aber Bayern – damals mit Gerd Müller, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Hoeneß, Breitner - war immer meine Mannschaft. Das war einfach so.“

Hatten Sie Bayern-Poster an der Wand Ihres Kinderzimmers?
Schweiger:
„Klar hatte ich Poster. Auch die Klebebildchen habe ich gesammelt. Aber ich habe nicht wie im Film Männerherzen in Bayern-Bettwäsche geschlafen.“

Sie haben auch selbst Fußball gespielt. Wer war Ihr Vorbild?
Schweiger: „Bis zur B-Jugend war ich Linksaußen, danach linker Verteidiger. Mein fußballerisches Vorbild war Karl-Heinz Förster, weil er so zweikampfstark war. Bei Bayern fand ich damals Gerd Müller am besten.“

An welches Ihrer Kinder haben Sie denn Ihr fußballerisches Talent weitergegeben?
Schweiger:
„Ich leide bis heute darunter, dass mein Sohn nie Fußball gespielt hat. Luna hat während unserer Zeit in den USA mit dem Fußballspielen angefangen, danach hat sie noch in Hamburg gespielt. Ich bin immer megastolz am Spielfeldrand gestanden.“

Und wie oft trifft man Sie in der Allianz Arena oder generell in einem Fußballstadion?
Schweiger:
„Nicht so oft, weil ich leider sehr wenig Zeit habe. Dabei gehe ich eigentlich sehr gerne ins Stadion, besonders hier in die Allianz Arena. Das ist so ein geiles Stadion. Allein wenn man daran vorbeifährt... Diese Fassade ist zeitlos. Die wird in 30 Jahren noch modern aussehen.“

Verbinden Sie ein besonderes Erlebnis mit der Allianz Arena?
Schweiger:
„Leider das Finale dahoam 2012. Basti (Schweinsteiger, Anm. d. Red.) hatte mich dazu in die Arena eingeladen und ich wollte unbedingt kommen, weil ich ganz sicher war, dass wir gewinnen. Aber am Ende war ich froh, dass ich doch nicht kommen konnte und nach so einer Niederlage nicht im Stadion mit fast 80.000 Leuten in der kollektiven Trauer steckte. Es war besser, dass ich meine Trauer alleine mit mir zuhause ausmachen konnte.“

Aber heute erleben Sie einen Höhepunkt als Fan: Die Bayern tragen auf dem Trikot-Ärmel den Namen Ihrer Stiftung.
Schweiger:
„Ich freue mich sehr, dass Bayern als mein Lieblingsklub und als bester Klub in Deutschland bei dieser Aktion mitmacht. Deswegen bin ich auch extra nach München gekommen, obwohl ich eigentlich gar keine Zeit habe. Aber ich habe mir gesagt: Das ist eine einmalige Sache und dann will ich auch live dabei sein.“

Wofür engagiert sich die Til Schweiger Foundation?
Schweiger:
„Ich habe die Stiftung vor zwei Jahren gegründet, um Kindern in Not zu helfen. Eine Zeit lang wurde sie als reine Flüchtlingskinder-Stiftung wahrgenommen, aber das ist sie nicht. Ziel ist es, allen Kindern zu helfen, völlig egal, ob ein Kind aus Syrien, Italien oder Magdeburg kommt. Ein Kind ist ein Kind. Inzwischen haben wir über zwei Millionen Euro gesammelt. Damit unterstützen wir viele Projekte, darunter zum Beispiel die Arche, aber auch einige Fußballprojekte. Hauptziel ist es, Bildung zu schaffen.“

Kommen wir zurück zum FC Bayern. In zwei Wochen wird Philipp Lahm seine Karriere beenden. Wie sehr blutet Ihr Bayern-Herz?
Schweiger:
„Sehr. Ich habe ja bis zum Schluss gehofft, dass man ihn noch umstimmen kann. Was ich so überragend an Philipp finde, ist seine Konstanz. Über eine so lange Zeit eine derartige Weltklasseleistung abzurufen... Als ehemaliger linker Verteidiger kann ich das beurteilen, glaube ich. (lacht) Er ist einer der wertvollsten Spieler, die jemals für den FC Bayern aufgelaufen sind.“

Wie zufrieden sind Sie mit der zu Ende gehenden Bayern-Saison?
Schweiger:
„Es ist eine Mega-Saison! Wir haben in der Bundesliga souverän aufgespielt, sind zum fünften Mal in Folge Meister geworden. In der Champions League haben wir Arsenal zerlegt. Zerlegt! Natürlich war ich auch traurig, dass es dann nicht mit dem Halbfinale geklappt hat. Aber gegen Real Madrid kann man verlieren. Das ist zurzeit vielleicht die beste Mannschaft der Welt. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir es irgendwie hätten packen können. Und im Pokal-Halbfinale gegen Dortmund waren wir lange Zeit die bessere Mannschaft. Jetzt heißt es überall, dass Bayern ‚nur‘ Meister ist und das eine verkorkste Saison wäre. Das finde ich schade und irgendwie absurd.“

Zum Schluss noch ein Angebot: Carlo Ancelotti war schon in kleinen Nebenrollen auf der Leinwand zu sehen. Interessiert an einer Zusammenarbeit?
Schweiger:
(schmunzelt) „Ich finde ihn total sympathisch und kann ihn mir gut auf der Leinwand vorstellen. Er ist ja ein ganz knuffiger Typ mit seinem zerknautschten, liebenswerten Gesicht. Mal schaun...“