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Interview zum 60. Geburtstag

Augenthaler: „Dann habe ich 'Crocodiles' gerufen“

Er war eine der prägenden Figuren des FC Bayern in den 1980ern und 90ern. Mit seinem starken Stellungsspiel hielt Klaus Augenthaler die Defensive des Rekordmeisters dicht und sorgte mit präzisen langen Bällen in die Gegenrichtung für viel Gefahr in der Offensive. Den Spitznamen Auge verdiente er sich dadurch zurecht.

17 Jahre lang trug er das FCB-Trikot (545 Spiele, 52 Tore) und führte das Team sogar sieben Spielzeiten als Kapitän an (1984 - 1991). Dabei gewann er sieben Mal die Deutsche Meisterschaft und triumphierte drei Mal im DFB-Pokal. Am Dienstag feiert Augenthaler, der als Profi nur für den FCB spielte, seinen 60 Geburtstag.

Rechnet man noch die fünf Jahre als Co-Trainer der Münchner hinzu so verbrachte der ehemalige Libero über ein Drittel seines Lebens an der Säbener Straße. „Ich habe immer rot-weiß gedacht“, fasst der Weltmeister von 1990 seine Beziehung zum FCB in Worte. Mittlerweile ist er als Experte bei FC Bayern.tv live wieder zu seiner „Familie“ zurückgekehrt.

Seinen Geburtstag wird Augenthaler im kleinen Kreis in Graz feiern. Wenige Tage zuvor traf sich der gebürtige Niederbayer mit fcbayern.com, um über seine Karriere und den FC Bayern zu sprechen.

Das Interview mit Klaus Augenthaler

Hallo Herr Augenthaler. Am Dienstag feiern Sie einen runden Geburtstag. Wie stehen Sie diesem besonderen Datum gegenüber?
Augenthaler: „Mit der Sechs davor tu ich mich schon etwas schwerer als beim 50. Aber mein Gott, es ist immer entscheidend, wie man sich fühlt. Man muss froh sein, wenn man abends ins Bett geht und morgens gesund aufsteht.“

Also haben Sie keine gesundheitlichen Probleme?
Augenthaler: „Eigentlich habe ich gar keine Probleme. Ich habe vor eineinhalb Jahren eine neue Hüfte bekommen. Das habe ich zwei oder drei Jahre hinausgezögert. Jetzt fühle ich mich wie ein neuer Mensch und kann wieder Fußballspielen. Ich kann wieder aktiv sein. Das macht Spaß.“

Wie blicken Sie zurück auf die bisherigen 60 Jahre?
Augenthaler: „Man fragt sich immer wieder, wo ist die Zeit geblieben. Wenn ich ein Training leite oder auf dem Platz stehe, wie letztes Jahr noch in Donaustauf, dann fühle ich mich vom Kopf her jung. Da meint man, man ist noch 30. Aber die Knochen sagen dann doch etwas anderes. Da merkte ich das doppelte Alter schon.“

Klaus Augenthaler
Das war immer mein Verein und meine Familie.

Würden Sie rückblickend in Ihrem Leben etwas anders machen?
Augenthaler: „Ich denke, ich habe alles richtig gemacht. Ich hatte als Spieler einen Verein, den FC Bayern. 17 Jahre als Spieler, dann noch fünf Jahre als Co-Trainer. Klar denke ich im Nachhinein, dass mich England vielleicht einmal interessiert hätte. Die Spielweise hat mir schon immer gefallen, auch wenn es damals nicht so modern war. Oder es gab Spieler, die nach Italien gegangen sind, wie Brehme, Klinsmann oder auch Matthäus. Das wäre vielleicht mal eine Erfahrung gewesen. Aber ich glaube, ich habe nichts falsch gemacht.“

Sie haben es gerade selbst gesagt: Über 20 Jahre waren Sie beim FCB aktiv. Welchen Stellenwert hat dieser Verein für Sie?
Augenthaler: „Ich habe immer – und tu das auch jetzt noch – rot-weiß gedacht. Das war immer mein Verein und meine Familie.“

In dieser Zeit haben Sie sieben Mal die Meisterschaft gewonnen, fünf Mal sogar als Kapitän. Gibt es eine Meisterschaft die einen besonderen Platz hat?
Augenthaler: „Klar war der erste Meistertitel etwas Besonderes. Außerdem noch der Titel 1986, als wir am letzten Spieltag Meister wurden (punktgleich mit Werder, nur dank des besseren Torverhältnisses, Anm. d. Red.). Bremen war unser Konkurrent und war uns immer voraus. Das war ein spezielles Jahr. Im November beim Heimspiel passierte mir das Foul an Rudi Völler, nach dem er fünf Monate ausfiel – bis zum Rückspiel. Das war dein sein Comeback und er holte einen Elfmeter raus. Wenn (Michael) Kutzop den rein gemacht hätte, wären wir Zweiter geworden. Deswegen bleibt diese Meisterschaft schon am meisten in Erinnerung.“

In dieser langen Karriere ist sicher einiges Kurioses passiert. Haben Sie eine gute Geschichte für uns?
Augenthaler: „Es gab so viele Geschichten. Zum Beispiel damals, als Bernardo zum FC Bayern kam. Es war Anfang der Saison, wir haben gerade eine Floßfahrt gemacht und er wurde mittags erst vom Flughafen abgeholt. Als wir beim Mittagessen waren, ist Bernardo dazu gestiegen. Uli Hoeneß meinte, er wisse nicht, ob er schwimmen kann. Wir sollten also vorsichtig sein und ihn ja nicht reinwerfen. Jeder hatte schon ein paar Bier und dann dauerte es nicht lange, bis er im Wasser lag. Dann habe ich 'Crocodiles' gerufen. Ich habe noch nie jemanden so schnell schwimmen sehen, obwohl das Wasser eh nur bis zur Hüfte ging (lacht).“

Jetzt hat es Sie wieder zum FC Bayern verschlagen. Als Experte analysieren Sie in der Nachspielzeit auf FC Bayern.tv live die Spiele des Rekordmeisters. Wie viel Spaß macht Ihnen diese Arbeit?
Augenthaler: „Das macht mir unheimlich viel Spaß. Ich bin wieder zurück in der Bayern-Familie. Ich treffe ja nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Spieler am Trainingsplatz. Das ist das Schöne, das mir hier wieder Tür und Tor offen sind.“

Ist im Hinterkopf noch der Plan, irgendwann erneut als Trainer zu arbeiten?
Augenthaler: „Wenn man einmal in der Mühle drin war, kommt man nie ganz los. Ich habe eine Auszeit gemacht und gesagt, ich mach nur noch, was mir Spaß macht und bin fischen gegangen. Aber irgendwann kannst du keine Angel mehr sehen. Irgendwo juckt es schon noch. Aber ich muss nicht unbedingt. Wenn eine Anfrage kommt, kann man sich alles anhören. Die letzten Anfragen kamen nur aus dem Ausland und das wollte ich nicht. Ich war ja schon im Ausland: in Graz, in Leverkusen und in Wolfsburg (lacht).“

Als Spieler waren Sie bekannt für Ihr gutes Auge und perfekte lange Bälle. Gibt es in der aktuellen Bayern-Mannschaft auch einen Typ Klaus Augenthaler?
Augenthaler: „Mats Hummels oder Jérôme Boateng vielleicht, wobei die viel athletischer oder auch größer sind. Aber für meine Figur habe ich doch sehr viel rausgeholt.“

Zum Abschluss müssen Sie uns noch eine kuriose Szene ihrer Trainerlaufbahn aufklären. 1996 beim Spiel gegen den KSC hat so ausgesehen, als wären Sie auf der Bank eingeschlafen…
Augenthaler: „Es hat so ausgesehen! Es war wirklich ein furchtbares Spiel. Wir haben 1:0 geführt gegen den KSC und es war eiskalt. Ich habe immer wieder auf meine Uhr geschaut und wurde dann in Zeitlupe gefilmt, da hat es so ausgeschaut, als hätte ich meine Augen zu gemacht. Aber ich habe wirklich nur auf die Uhr geschaut. Ich glaube es war die 78. Minute und ich habe gehofft, dass die letzten Minuten schnell vergehen.“

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