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Sportlicher Leiter U15-U9

„Die Spieler müssen sich entwickeln können" - Peter Wenninger im Interview

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Die Nachwuchsarbeit wird im Fußball immer wichtiger. Beim FC Bayern hat die Talentausbildung seit jeher einen sehr hohen Stellenwert. Der deutsche Rekordmeister arbeitet mit Hochdruck daran, dass schon bald wieder vermehrt Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung zum Profi-Team schaffen. Einer, dem dabei eine wichtige Rolle zukommt, ist Peter Wenninger. Seit knapp 17 Jahren ist der 44-Jährige beim deutschen Rekordmeister tätig und zeichnet aktuell als sportlicher Leiter für die U9 bis zur U15 verantwortlich und trainert zudem die U15. Im Interview mit FC Bayern.tv spricht Wenninger über die Spielphilosophie im Nachwuchs des FC Bayern, Straßenfußballer, die Talenteentwicklung und erklärt, warum die U9 und U10 abgeschafft werden.

Das Interview mit Peter Wenninger

Peter, Du bist seit fast 17 Jahren im Jugendbereich des FC Bayern tätig. Hattest du nie Ambitionen, auch mal den Sprung in den Männerfußball zu machen? 

Peter Wenninger: „Als ich hier angefangen habe, vielleicht. Es war sicherlich ein Traum, sich hochzuarbeiten. Ich habe aber nach einer gewissen Zeit für mich entschieden, dass der Altersbereich, in dem ich jetzt bin, einfach traumhaft schön ist. Ich brauche dieses große Geschäft nicht, ich will mit den Kindern arbeiten. Da kommt einfach so viel zurück, das ist meine Erfüllung.“ 

Du bist als sportlicher Leiter zuständig für den Bereich von U15 bis U9. Gibt es eine Philosophie oder Spielweisen, die vorgegeben sind? 

Wenninger: „Wir haben eine übergeordnete Spielidee, die zieht sich von der U9 bis ganz nach oben durch, wie ein roter Faden: Dominant sein, viel Ballbesitz haben, hoch verteidigen und sofortiges Pressing. Wir sind dabei sicherlich geprägt worden von Profi-Trainern wie Pep Guardiola und Louis van Gaal. Wenn jemand ein Spiel einer unserer Jugendmannschaften sieht, sollte nicht nur am Trikot erkennbar sein, dass da ein Team des FC Bayern spielt. Beim Spielsystem sind wir offen, da hat jeder Trainer seine Freiheiten. Wir wollen weder den Trainern noch den Spielern zu viel vorgeben. Die Spieler müssen sich entwickeln können, Kreativität an den Tag legen können. Und genauso müssen sich auch Trainer im Rahmen entfalten dürfen.“

Sieht den FC Bayern auch im Profi-Bereich mit Nachwuchs-Experten ausgestattet: Peter Wenninger.

In Deutschland gibt es die Diskussion, wir hätten Dribbler, Straßenfußballer, aktuell nicht mehr im Nachwuchs. Wie bewertest du diese Diskussion?  

Wenninger: „Ich sehe es ähnlich. Da haben wir sicherlich in ganz Deutschland in der Vergangenheit ein paar Fehler gemacht, haben zu viel über Mannschaftstaktik, Passen oder Verschieben gesprochen und zu wenig über individuelle Kreativität, über das Eins-gegen-eins. Wir haben hier in unserer Spielidee versucht, das aufzufangen, indem wir das Eins-gegen-eins als einen der Schwerpunkte in der kompletten Jugend setzen. Denn wir wollen diese Spieler. Sie machen auch häufig den Unterschied. Dafür gehen ganz viele Leute ins Stadion.“ 

Was muss ein Nachwuchsspieler mitbringen, um es zum FC Bayern zu schaffen? 

Wenninger: „Er muss natürlich Talent mitbringen, muss technisch und athletisch gut sein. Wir gucken uns aber auch das Umfeld an. Charaktereigenschaften und Tugenden sind sehr wichtig. Ich glaube, dass diese beiden Punkte auch immer entscheidender werden. Mentalität ist häufig das Zünglein an der Waage, ob man es nach oben schafft, oder nicht. Viele Spieler sind talentiert, aber es geht auch darum, eine Widerstandsfähigkeit zu besitzen, nicht alle Steine durch Berater oder Eltern aus dem Weg geräumt zu bekommen. Letzten Endes entscheiden neben dem Talent vor allem auch ein unbändiger Fleiß, unbändiger Wille, Unnachgiebigkeit und Widerstandsfähigkeit darüber, ob ein Spieler es nach oben schafft. Sicherlich spielt auch Glück eine Rolle, zum richtigen Zeitpunkt eine starke Leistung oder eine gute Phase zu haben und gesehen zu werden.“ 

Welche Rolle spielt es, dass man oben einen Trainer hat, der sagt: ‚Ja, ich gebe den Jungs mal eine Chance‘? 

Wenninger: „Das ist unfassbar wichtig. Aber wir haben jetzt mit dem Trio Hansi Flick, Hermann Gerland und künftig Miroslav Klose eine sensationelle Kombination, die auf die Jugend schaut, die Spielern eine Chance gibt. Ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg.“ 

Die U9 und U10 werden stufenweise abgeschafft. Warum macht der FC Bayern das? 

Wenninger: „Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst geht es darum, den Druck und den Stress von den Kindern zu nehmen. Das Bayern-Trikot ist sehr schwer auf diesen kleinen Schultern. Den Druck machen sie sich selbst, oder er kommt auch von außen, vom Umfeld. Der nächste Punkt ist die Zeit, die wir den Kindern nehmen, durch das viele Training, durch die Turniere und die Spiele. Ein weiterer Aspekt ist der polysportive Ansatz. Der Trend geht leider dahin, dass die Kinder ganz früh in die Fußballvereine gehen und keinen anderen Sport mehr machen. Wir wollen den Familien raten: ‚Macht andere Sportarten, probiert neben dem Fußball auch noch was aus, erwerbt zusätzliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Fußball. Das bringt dir sehr viel.‘ Und der letzte Grund ist der Relative-Age-Effekt. Wir haben gesehen, dass im U9/U10-Bereich die Spieler fast alle im ersten Quartal geboren sind. Das heißt: Das zweite, dritte und vierte Quartal sind völlig unterbesetzt. Dem wollen wir ein bisschen entgegenwirken mit unserem neuen Konzept. Wir wollen die Spieler länger begleiten und so Bewegungstalenten auch eine Chance geben – weil wir sie eben über einen längeren Zeitraum begleiten, beobachten und dann hoffentlich zur U11 für uns gewinnen können. Es soll nicht der physisch Stärkere bei uns spielen, sondern das Bewegungstalent.“

Weitere Aussagen von Wenninger aus dem Interview findet ihr oben im Video - viel Spaß dabei!

Die komplette U9/U10-Meldung nochmal zum Nachlesen: 

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