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Nie wieder!

Rund 200 Besucher gedenken am Erinnerungstag der Holocaust-Opfer

Eberhard Schulz von der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau war gekommen. Peter Guttmann, Präsident des jüdischen Sportverbandes Maccabi Deutschland lauschte interessiert. Und sogar Uri Siegel, der Neffe des ehemaligen Bayern-Präsidenten Kurt Landauer, hatte am vergangenen Sonntag den Weg in die FC Bayern Erlebniswelt gewählt. Zum Erinnerungstag gedachten mehr als 200 Besucher 68 Jahre nach der Befreiung der Häftlinge aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in Deutschlands größtem Vereinsmuseum der Opfer des Nazi-Regimes.

Die Botschaft war eindeutig: Nie wieder! hieß die Aufforderung, die am 27. Januar auf den Tribünen, dem Spielfeld und den Ersatzbänken der Fußball-Bundesliga galt. Das Programm in der Erlebniswelt wurde dem Motto gerecht. Neben zwei Sonderführungen zum Thema „Der FC Bayern und der Nationalsozialismus“ waren auch die Lesung des bekannten Fußballautoren und ausgewiesenen Bayern-Fachmann Dietrich Schulze-Marmeling sowie die beiden Vorführungen des Films „Kick it like Kurt“ gut besucht.

Kurt Landauer gilt als Pionier

Tosenden Applaus gab es von insgesamt knapp 200 Hörern für die rund einstündigen Führungen, die die Klubgeschichte zu dieser schweren Zeit bis ins Detail beleuchteten. Neben den in der Erlebniswelt ohnehin thematisierten Aspekten wurden auf Sondertafeln Exponate aus dem Archiv ausgestellt, die bisher die Wenigsten kannten. „Im Vergleich zu anderen Vereinen hat sich der FC Bayern im Nationalsozialismus recht sauber verhalten“, bilanzierte etwa Schulze-Marmeling vor rund 50 Besuchern seiner Lesung aus dem Buch „Der FC Bayern und seine Juden“.

Als Paradebeispiel wurde immer wieder Kurt Landauer thematisiert. „Kurt Landauer hat Pionierarbeit geleistet - und das in einer Zeit, die auch für den FC Bayern schwierig gewesen ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Der Kaufmann jüdischer Abstammung war am 23. März 1933 als Präsident des FC Bayern München „aus freien Stücken“ zurückgetreten. Ganz so freiwillig, wie es aus den historischen Dokumenten hervorgeht, war sein Abgang jedoch nicht. Landauer wollte den Nationalsozialisten zuvorkommen, die den FC Bayern später als „Judenclub“ verpönten. Denn im Gegensatz zu fast allen deutschen Sport- und Fußballvereinen war es dem FC Bayern noch 1934 per Satzung gelungen, einer Vielzahl seiner jüdischen Mitglieder bis ins Jahr 1938 die Mitgliedschaft im Club zu ermöglichen.

Rummenigge: "Sich zu erinnern, ist ein wichtiger Bestandteil"

Landauer emigrierte nach mehrwöchiger Haft im KZ Dachau 1939 in die Schweiz, kehrte aber 1947 zurück zu seiner großen Liebe FC Bayern. Noch einmal als Präsident und später als Privatinvestor brachte er seinen Klub zurück auf die Erfolgsspur: „Ohne Landauer stände der FC Bayern nicht da, wo er heute steht“, sagte Schulze-Marmeling.

Geschichten wie diese machten den Erinnerungstag in der FC Bayern Erlebniswelt zu einer dem traurigen Anlass entsprechenden Veranstaltung. Hintergründig, gut recherchiert und im richtigen Rahmen wurde der Opfer der Gräueltaten gedacht. „Wir müssen alles dafür tun, dass solche Zeiten nie wieder aufleben. Sich zu erinnern, ist da ein sehr wichtiger Bestandteil“, sagt Rummenigge. Nie wieder!

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