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Exponat der Woche: Hoeneß‘ Titel-Schuhe

Isaak Cissé: „Was für Latschn“

So schnell wie Isaak Cissé in die FC Bayern Erlebniswelt stürmte, konnte man ihm gar nicht folgen. Bekleidet im roten Bayern-Dress wühlte sich der Münchner Kult-Taxifahrer durch die Zeitkojen. „Schauen Sie mal hier“ sagte er an dieser Ecke, „ach, das war schön, ich kann mich noch genau erinnern“ an jener. Seine Augen funkelten beim Anblick der zahlreichen Erinnerungsstücke seines Lieblingsklubs, ein Exponat aber hatte es Cissé besonders angetan: Die Schuhe, in denen Uli Hoeneß 1974 seinen ersten Titel im Europapokal der Landesmeister gewann – unser „Exponat der Woche“.

„Ja schaut’s Euch mal die Latschn an“, sagte Cissé lachend über die schwarzen Adidas-Schuhe, die der heutige Präsident des FC Bayern München in den Jahren 1973 und 1974 bei Spielen in der Bundesliga und im Europapokal der Landesmeister getragen hat. Irgendwie müssen sie Glücksbringer gewesen sein, denn immerhin gewann Hoeneß als damals 22-Jähriger beide Titel. Im dritten Wettbewerb aber, daran erinnert sich Cissé genau, lief es damals nicht so gut.

2:3 verloren die Bayern im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den späteren Sieger Eintracht Frankfurt. Aus dem erhofften Triple wurde 1974 nichts – und Cissé weiß auch genau, warum. „Ist doch ganz logisch. Das hat nicht geklappt, weil der Uli die Latschn nicht anhatte“, sagte der kultige Senegalese. „Hätte er die mal auch im DFB-Pokal getragen, hätte es sicher geklappt“…

"Die Latschn schaug i mir no genauer o…“

Natürlich sind Cissés Aussagen mit einem zwinkernden Auge zu betrachten. Bei seinem Besuch in der FC Bayern Erlebniswelt gab sich der aus dem Bayrischen Fernsehen bekannte Taxifahrer genau so, wie seine Fans ihn lieben. Ein flotter Spruch nach dem anderen kam ihm in einem für Senegalesen eigentlich untypischen Urbayrisch über die Lippen. Cissé hatte sich mit dem Team von „Blickpunkt Sport“ vor dem DFB-Pokalfinale auf Spurensuche gegeben, warum der FC Bayern bis 2013 noch nie das Triple gewonnen hatte.

Über Hoeneß‘ Ära sprach Cissé, dem in der Sendung „Blickpunkt Sport“ stets das Schlusswort gebührt, besonders gerne. Immerhin war der Bayern-Präsident Teil der Mannschaft, die ihn 1977 überzeugt hat, aus Senegal in die bayrische Landeshauptstadt zu ziehen. „Ich habe die drei Endspiele gesehen, dann bin ich wegen dem FC Bayern nach München gekommen“, sagte er. Jedes Spiel von damals – und natürlich auch die Schuhe von Hoeneß – hat er noch in Erinnerung.

Cissé, den dunkelhäutigen Urbayern, muss man einfach lieben. Natürlich dauerte es auch nicht lange, bis sich der Schnauzbartträger in die Herzen der Erlebniswelt-Besucher gequatscht hatte. Große Menschentrauben bildeten sich, immer wieder gab es Szenenapplaus. Dass es Cissé auch gut gefallen hat, bewiesen seine Abschlussworte: „I kimm noch amoi. Die Latschn schaug i mir no genauer o…“

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