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Exponat der Woche: Die Wallberg-Wanderkarte

"Quälix" und die Trainingslager

Schön ist er, der Wallberg. Die frische Luft auf 1.722 Meter Höhe, die Aussicht über den Tegernsee, die umliegenden Berge. "Es macht Spaß, das ist mein Ernst", sagte etwa Hasan Salihamidzic einst auf dem wohl prominentesten Münchner Hausberg. Allerdings wählte er diese Worte, nachdem er den zweieinhalbstündigen Aufstieg bewältigt hatte…

Die Anekdote ist bis heute eine der schönsten aus zahlreichen Trainingslagern des FC Bayern München: In aller Hergottsfrühe hatte Felix Magath seine Bayern-Mannschaft vor rund neun Jahren im Mannschaftshotel in Rottach-Egern aus den Betten und im strömenden Regen auf den Wallberg gescheucht. Kein Spieler wusste bei der Abfahrt so genau, was der damals neue Trainer des deutschen Rekordmeisters vorhatte. Nur der eingeweihte Uli Hoeneß – damals noch Sportdirektor – schmunzelte über die harte Trainingsmaßnahme: „Es ist wunderbar, wenn die Spieler Dinge erleben, die sie noch nicht erlebt haben.“

Wunderbar war es – vor allem aber wunderbar anstrengend. Immerhin haftete Magath nicht umsonst der Beiname „Quälix“ an. Auch in der FC Bayern Erlebniswelt sind die harten Trainingsmethoden des ehemaligen Bayern-Coaches (2004 bis 2007) dokumentiert: Und darum sind die in der Zeitkoje 2000 bis 2009 ausgestellte Wanderkarte vom Wallberg und der von Magath so gerne eingesetzte Medizinball pünktlich zur Vorbereitungs-Zeit unsere „Exponate der Woche“. Sie stehen stellvertretend für zahlreiche Trainingslager, die die Bayern schon seit den siebziger Jahren an diversen Orten absolviert haben.

Rottach-Egern als "Klassiker"

Bereits vor vierzig Jahren begann der Verein als einer der ersten mit der Vorbereitung fern des eigenen Trainingsplatzes. Der „Klassiker“ unter den Trainingslagern war bis ins neue Jahrtausend die Reise nach Rottach-Egern am Tegernsee. Regelmäßig nutze das Bayern-Team die guten Bedingungen an der Winkelmoos, um fit für die Saison zu werden. Gebrochen mit dieser Tradition wurde erstmals, als Jürgen Klinsmann das Sommertrainingslager ganz abschaffte und die Mannschaft im Juli an der Säbener Straße trainieren ließ.

Exotische Reiseziele gab es meist im Winter. Schon in den achtziger Jahren zog es die Mannschaft vereinzelt die die Arabischen Emirate, auch eine Reise in die USA stand einst auf dem Programm. Unter Klinsmann ging es nach Dubai, zuletzt immer wieder nach Doha (Katar). Ein sehr ungewöhnliches Sommertrainingslager erlebte die Mannschaft 1995 unter Otto Rehhagel: In Meisdorf im Ostharz wurden die Einheiten der Bayern von Fans regelrecht überrannt. „Daran musste man sich gewöhnen“, gab Rehhagel nachher zu.

Schon im zweiten Jahr fiel die Wanderung aus

Die neue Konstante unter den Trainingslagern ist inzwischen das italienische Trentino geworden. Bereits zum vierten Mal in Folge weilt das Team dieser Tage am Gardasee, der Vertrag mit dem Partner läuft noch mindestens bis 2015. Von „perfekten Bedingungen“ sprachen sowohl Jupp Heynckes als auch sein Vorgänger Louis van Gaal. Auch Pep Guardiola findet auf dem Trainingsplatz in Arco die besten Voraussetzungen, um die Grundlagen für eine weitere erfolgreiche Saison zu legen.

Auf den Wallberg stapfen müssen die Spieler am Gardasee sicher nicht. Allerdings wiederholte sich die Anekdote auch zu den Zeiten in Rottach-Egern nicht jedes Jahr: Bereits im zweiten Trainingslager unter Magath entfiel die Wanderung wegen schlechter Wetterverhältnisse…

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