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Exponat der Woche: Mit dem Rad zum Meistertitel

Die Reise zum Endspiel 1932

Bastian Schweinsteiger wollte neulich so gerne eines mitnehmen. Als der Nationalspieler vor wenigen Wochen zu Gast in der FC Bayern Erlebniswelt war, legte er beim Weg aus der Ausstellung kurzentschlossen seine Tasche auf dem Gepäckträger ab, deutete an, sich auf das Fahrrad schwingen zu wollen, und sagte mit einem kleinen ironischen Unterton: „Servus, Ciao, ich radel dann mal los.“

Natürlich war das nur ein Scherz, wie sollte Schweinsteiger auch mitten aus der Erlebniswelt – noch dazu war es draußen schon dunkel – nach Hause radeln. Man sah ihm aber durchaus an, dass er Lust gehabt hätte, einen der Drahtesel mitzunehmen. Schweinsteiger stand nämlich inmitten der Zeitkoje der Jahre 1900 bis 1932. Die Räder, die ihn so amüsierten, erinnern in Deutschlands größtem Vereinsmuseum an den deutschen Meistertitel 1932 – und sind pünktlich zum Spiel gegen den 1. FC Nürnberg unsere Exponate der Woche.

Das Meisterschaftsendspiel gegen Eintracht Frankfurt fand vor 81 Jahren in Nürnberg statt. Es war der 12. Juni 1932, im Frankenland warteten 30 Grad im Schatten und ein gewaltiger Zuschauerandrang. Zu tausenden reisten die Anhänger in Sonderzügen an – und 421 Bayern-Fans legten die rund 150 Kilometer nach Nürnberg eben tatsächlich auf dem Fahrrad zurück.

Verpflegung, Übernachtung, Tickets

Sie sahen ein Spiel, in dem zunächst die Frankfurter das Kommando übernahmen. Die Bayern von Trainer Richard Dombi befreiten sich aber nach 20 Minuten und kombinierten immer sicherer. Rohr per Strafstoß und schließlich – als verletzungsbedingt nur noch zehn Bayern-Spieler auf dem Platz waren – Krumm sorgten für die Entscheidung. 2:0, die erste deutsche Meisterschaft, die Viktoria als Trophäe: Tausende stürmten das Spielfeld, die Spieler wurden auf den Schultern der Fans vom Platz getragen. Am nächsten Tag ging es in Pferdedroschken durch München, vom Hauptbahnhof über den Stachus zum Marienplatz schließlich in den „Löwenbräukeller“ zur Meisterfeier.

Nun, mit Fahrrädern wird die Mannschaft des 1. FC Nürnberg am Wochenende nicht nach München reisen. Irgendwie ist diese Anekdote aber doch eine der schönsten, die die FC Bayern Erlebniswelt zu erzählen hat. Damit die zum Großteil arbeitslosen Fans beim Endspiel 1932 dabei sein konnten, hatte der FC Bayern sich solidarisch gezeigt und für die lange Radtour Verpflegung und Übernachtung sowie natürlich die Eintrittskarten gezahlt. So konnten die, denen kein Aufwand zu groß war, den großen Tag in der Geschichte des FC Bayern miterleben.

Schweinsteiger war damals natürlich noch nicht dabei. Die Geschichte, die hinter den Drahteseln aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts steht, fand aber auch er interessant. „Gut, dann lass ich das Rad doch hier“, sagte er lachend.

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