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Im Gedenken an Pál Csernai

Exponat der Woche: Die Meisterschale von 1980

Der FC Bayern München ist deutscher Rekordmeister, Titel gibt es in regelmäßigen Abständen… oder?

Seit dem Gewinn der zweiten Deutschen Meisterschaft des FC Bayern im Jahre 1969 folgten bis heute – 44 Jahre später – noch weitere 21 Titelgewinne. Fast jedes zweite Jahr einer. Eine sehr lange Durststrecke mussten die Fans allerdings in der Zeit zwischen 1974 und 1980 hinnehmen. In diesen Jahren - nach den drei Meisterschaften in Folge 1972, 1973 und 1974 - errang man zwar noch zweimal den Europapokal der Landesmeister, in der Bundeliga jedoch, belegten die Bayern bis 1979 lediglich die Tabellenplätze 10, 3, 7, 12 und 4. Sechs Jahre sollte es dauern, ehe 1980 die sechste Meisterschaft folgen sollte. Trainer Pál Csernai gelang es, die Bayern zurück in die nationale Erfolgsspur zu führen.

Von der großen Elf der 70er Jahre waren lediglich noch Breitner, Dürnberger und Karl-Heinz Rummenigge übrig geblieben. Im Dezember 1978 beerbte Csernai, der zuvor Co-Trainer war, seinen ungarischen Landsmann Gyula Lóránt. Entgegen den sehr autoritären Strukturen  seines Vorgängers, setzte der damals 46-Jährige auf die Mitsprache der Spieler. Ansonsten ließ sich der in sich gekehrte Trainer allerdings kaum reinreden. Auch zu den Medienvertretern pflegte er stets ein sehr unterkühltes Verhältnis.  So weigerte er sich über Jahre, dem ZDF-Sportstudio als Gast zur Verfügung zu stehen. Selbst beschrieb sich der introvertierte Csernai einmal wie folgt: „Als junger Mensch habe ich oft emotional gehandelt. Dinge, die mir als Trainer nie mehr passiert sind. Das ist ein Reifeprozess, den ich durchgemacht habe.“

Das Pál-System zieht Zuschauer an

Fachlich aber gehörte Csernai allerdings zu den ganz Großen seiner Zunft und Generation.  Mit dem sogenannten ´Pál-System´ wurde nach ihm gar ein taktisches Spielsystem benannt, das er in Deutschland mit als Erster etablierte.  Hierbei handelte es sich um eine Kombination aus Raum- und Manndeckung. Lediglich im eigenen Strafraum wurden die Gegenspieler manngedeckt, auf dem Rest des Spielfeldes übergab man sie im Raum. „Wichtig ist,“ sagte Csernai damals, „dass der Spieler nie in seiner Abwehrreaktion alleine gelassen wird. Wenn wir am Ball sind, ist die Koordination zwischen den Mannschaftsteilen ziemlich leger. Hier darf, soll sich sogar jeder Spieler in den Angriff einschalten.“

Auch bei den Bayern-Fans kam das Pál-System an. Mit einem Zuschauerschnitt von 38.000 besuchten so viele wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte die Heimspiele im Olympiastadion. Am Ende der Saison 1979/80 konnte Kapitän Paul Breitner nach einem 2:1-Heimspielsieg gegen Eintracht Braunschweig vor ausverkauftem Hause erstmals nach sechs Jahren wieder die DFB-Meisterschale in den weiß-blauen Münchner Himmel strecken. Zu sehen ist das Replikat dieser Schale – wie das der anderen 22 – natürlich in der FC Bayern Erlebniswelt.

Hoffmann adelt Csernai

In den Clubnachrichten würdigte Präsident Willi O. Hoffmann nochmals die Verdienste des Meistertrainers wie folgt: „Ich glaube hier ist der richtige Augenblick, noch einmal die Arbeit unseres Trainers Pál Csernai hervorzuheben, der unsere Mannschaft mit seinem vielzitierten ´Pál-System´ und, vereint mit der großartigen Einstellung jedes einzelnen Spielers, unseren Club den Erfolg brachte.“

Am 1. September verstarb der Trainer-Viosionär im Alter von 80 Jahren in Budapest. Im Gedenken an seine Verdienste um FC Bayern widmet die FC Bayern Erlebniswelt Pál Csernai das Exponat der Woche. Die Meisterschale aus dem Jahre 1980.

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