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Exponat der Woche

Der Ball von Bulle Roth

Es ist immer wieder schön, wie die FC Bayern Erlebniswelt auch alte Bekannte anlockt. Ob ehemalige Spieler, Funktionäre oder langjährige Mitglieder: Woche für Woche statten große FC Bayern-Persönlichkeiten Deutschlands größtem Vereinsmuseum einen Besuch ab. Zuletzt fand Franz „Bulle“ Roth mal wieder den Weg in das Vereinsmuseum im Herzen der Allianz Arena – und hatte eine Menge zu erzählen.

Jeder Satz des bodenständigen Allgäuers, der von 1966 bis 1978 das Trikot des FC Bayern trug, ist von einem Lachen begleitet. Es macht einfach Spaß, ihm zuzuhören. Zu vielen Ecken der FC Bayern Erlebniswelt hat der heute 67-Jährige Anekdoten parat. Am liebsten erzählt er die des Finals im Europapokal der Pokalsieger 1967. Auch dieses Mal stürmte er in die Ecke, in die der von ihm zur Verfügung gestellte Ball von damals ausgestellt ist – unser Exponat der Woche.

Vor 70.000 Zuschauern erzielte Roth in Nürnberg den Siegtreffer für den FC Bayern. 108 Minuten hatten die Bayern-Fans warten müssen, ehe der Mittelfeldspieler sie gegen die Glasgow Rangers erlöste. Roth war neu bei den Bayern, er krönte mit dem Tor seine erste Profi-Saison. Klar, dass er sich den Ball, der ihn bis heute an den 31. Mai 1967 erinnert, haben wollte. Nur wie?

Lo Bello gab schließlich nach

„Das war gar nicht so einfach“, erzählte Roth in der Ecke der internationalen Erfolge. Denn der italienische Schiedsrichter Concetto Lo Bello hatte den Ball nach Spielschluss längst mit in seine Kabine genommen. So gehört es sich bei großen Endspielen, das wusste auch Neuling Roth. Aber er versuchte es, obwohl Manager Robert Schwan zu ihm gesagt hatte: „Den kriegst du nie.“

„Dann bin ich in die Kabine zum Schiedsrichter rein, sehr aufgelöst, mit Tränen, und habe gesagt: Bitte, das ist das wichtigste Tor, und ich habe gerade angefangen beim FC Bayern, das erste Jahr, ich hätte halt gerne den Ball“, erzählte Roth. Er bekniete Lo Bello regelrecht. „Ich habe gesagt, dass das eine tolle Erinnerung wäre. Und dass er ja sicher noch etliche Endspiele pfeifen wird und etliche Bälle schon zuhause hat.“ Roths Plan ging auf: „Er hat gesagt: ‚Okay, den kriegst du.`“ Roth sammelte schnell Unterschriften seiner Teammitglieder – unter anderem von Sepp Maier, Werner Olk, Franz Beckenbauer und Gerd Müller – und nahm den Ball mit nach München. „Heute ist er bei Euch in der Erlebniswelt. Das ist doch ein Traum“, sagte er beim Anblick seines „Schatzes“.

"Muh" heißt bei uns "Bulle"

Franz Roth, der in seiner Heimat zwei Sportgeschäfte betreibt, stöbert immer wieder gerne in der Vereinsgeschichte. Der FC Bayern gehört zu seinem Leben, genauso wie Roth in die Historie des Triple-Siegers 2013 gehört. Unvergessen die Anekdote, der der 322-malige Bundesligaspieler seinen Spitznamen verdankt. „Da ist einer, der hat Kraft wie Muh“, hatte der jugoslawische Bayern-Trainer Tschik Cajkovski damals den von der Weltmeisterschaft in England heimkehrenden Nationalspielern erklärt, als Roth von der SpVgg Kaufbeuren nach München kam. „Bei uns heißt das Tier Bulle und nicht Muh“, korrigierte Ur-Bayer Sepp Maier.

Roth war auf dem Platz tatsächlich ein Bulle. Auch Mitspieler, wie der heutige Präsident Uli Hoeneß, mussten sich dann und wann in Acht nehmen. „Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wusste: Wenn der Franz sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt“, verriet er einmal.  Obwohl Roths primäre Aufgabe darin bestand, den gegnerischen Spielmacher auszuschalten, erzielte der viermalige Nationalspieler auch 72 Tore für den FC Bayern. Das am 31. Mai 1967 bleibt unvergessen…

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