unterstützt durch
Menü
Exponat der Woche

Sonderstücke zu Kurt Landauer

Karl-Heinz Rummenigge brachte es in einem Trailer, der im Zuge des Holocaust-Erinnerungstages auf der Bühne der FC Bayern Erlebniswelt lief, auf den Punkt: „Als ich aktiver Spieler beim FC Bayern war, ist mir der Name Landauer nicht einmal über den Weg gelaufen“, sagte der heutige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München: „Es ist wichtig und richtig, dass er heut wieder einen Platz in den Geschichtsbüchern des FC Bayern München hat.“ Denn Landauer, der Kaufmann jüdischer Abstammung, hat Pionierarbeit geleistet, die  bis heute unvergessen bleibt.

Es war schön zu sehen, wie zahlreiche Erwachsene, aber auch Kinder am vergangenen Samstag im Zuge der Sonderveranstaltungen zum Erinnerungstag immer wieder vor dem Filmbeitrag stehen blieben. Wie gefesselt. Denn die Personalie Landauer ist eine, die fasziniert.  Drei Mal (1913 - 1914, 1919 - 1933 und 1947 – 1951) war der gebürtige Planegger Präsident des FC Bayern, kehrte sogar zurück, obwohl er während des Nazi-Regimes ins Schweizer Exil geflüchtet war. Es ist kein Zufall, dass der Bayrische Rundfunk im vergangenen Jahr einen Spielfilm über sein Leben gedreht hat. Wohl im Herbst soll das Werk auf der ARD ausgestrahlt werden. In der FC Bayern Erlebniswelt gibt es im Laufe dieser Woche zahlreiche Exponate zu bewundern, die an den Dreh, aber eben auch an die schwierigste Zeit des Vereins erinnern.

Noch eine Woche sind die Sondervitrinen, in denen unsere Exponate der Woche stehen, aufgebaut. Zu sehen gibt es interessante Details aus der Klubgeschichte, die auch den meisten Bayern-Kennern bisher verborgen waren. Aufrufe aus den Klubnachrichten in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, Karikaturen aus diesen Jahren: Zahlreiche Exponate beleuchten, dass sich der FC Bayern – wie Experten immer wieder bezeugen – zu Zeiten des Nazi-Regimes im Vergleich zu anderen Klubs „recht sauber“ verhalten hat.

Trikots und Bälle erinnern an den Fußball zur damaligen Zeit

Im Mittelpunkt allerdings steht Landauer, das Paradebeispiel für die Klub-Politik. Am 23. März 1933, ein knappes Jahr nach dem erstmaligen Gewinn der deutschen Meisterschaft, war er als Präsident des FC Bayern „aus freien Stücken“ zurückgetreten. Ganz so freiwillig, wie es aus den historischen Dokumenten hervorgeht, war sein Abgang jedoch nicht. Landauer wollte den Nationalsozialisten zuvorkommen, die den FC Bayern später als „Judenclub“ verpönten.

Landauer (im Film gespielt von Josef Bierbichler) begab sich nach mehrwöchiger Haft im KZ Dachau 1938 in die Emigration in die Schweiz, kehrte aber 1947 zurück zu seiner großen Liebe FC Bayern. Noch einmal als Präsident und später als Privatinvestor brachte er seinen Klub zurück auf die Erfolgsspur. Interessant sind neben den persönlichen Stücken des heutigen Ehrenpräsidenten auch die Requisiten aus dem Film, in dem es um sein Lebenswerk geht.

Unter anderem die Trikots und Bälle, die beim Dreh verwendet wurden, können in den kommenden Tagen in Deutschlands größtem Vereinsmuseum begutachtet werden. Künstlich auf alt getrimmt wurden die Baumwoll-Jerseys, mit einer dicken Naht versehen die harten Lederbälle. Zu sehen, wie Fußball damals funktioniert hat, ist einfach spannend. Und die Person Landauer noch ein bisschen besser kennenzulernen, sowieso.

Weitere Inhalte