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Exponat der Woche

Reals Ehrengabe von 1976

Die Europapokal-Geschichte des FC Bayern München hat viele Kapitel. Da wären drei Titel im Europapokal der Landesmeister in den Jahren 1974 bis 1976, zwei Champions-League-Triumphe (2001, 2013), ein UEFA-Cup-Sieg 1996 und ein Erfolg im Europapokal der Pokalsieger im Jahr 1967. Und da wären zahlreiche Partien, die keine Endspiele waren, aber dennoch in Erinnerung bleiben – unter anderem das, das sich am 31. März 1976 ereignete. Gegner im Halbfinale genau wie in diesem Jahr: Real Madrid.

Als Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker nach der Partie zum gemeinsamen Umtrunk lud, rief er zur Mannschaft: „Trinken wir auf unseren Sieg – fast möchte ich es so sagen.“ Zwar hatte die Partie „nur“ 1:1 geendet – für ein Auswärts-Hinspiel in der Königsklasse ein dennoch ein passables Ergebnis –, aber es waren zahlreiche andere Dinge auf dem Platz vorgefallen, die die Bayern als Sieger da stehen ließen. Oder andersrum: Real als schlechten Verlierer.

Das Spiel, das 120.000 Zuschauer im Bernabeu-Stadion von Madrid verfolgten, sollte ein Triumphzug der Gastgeber werden. Der Plan des spanischen Meisters: Dem Titelverteidiger schon im Hinspiel zeigen, wer das bessere Team ist. Es ging gut los, Juan Roberto Martinez brachte Real gleich in der 8. Minute in Führung. „In der ersten Halbzeit hätten wir verlieren können, in der zweiten aber gewinnen“, fasste Bayern-Trainer Dettmar Cramer zusammen.

"In die Falle gegangen"

Denn es dauerte nicht lange, bis der Spieß sich drehte. Real, das ohne seine beiden Stars Paul Breitner und Pirri spielte, nutzte seine Chancen nicht, die Bayern um Sepp Maier, Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und dem überragenden Franz Beckenbauer legten ihre Nervosität ab und trafen zum Ausgleich. Wer sonst außer Gerd Müller sollte dieses Tor schießen? Nach einem langen Ball von Maier und einer Verlängerung von „Bulle“ Roth schob er die Kugel ins Netz. Auch wenn die Bayern weiter am Zug waren: Ein zweiter Treffer wollte nicht gelingen.

Madrid aber war auch so bedient – und die spanische Sportpresse schimpfte: „Madrid ist den Bayern in die Falle gegangen. Das Unentschieden öffnet Bayern das Tor zum Finale.“ Das war die Sicht aufs Sportliche. Was allerdings noch etwas mehr interessierte, war der Zwischenfall, der sich nach dem Schlusspfiff ereignet hatte: Ein Real-Fan war kurz nach dem Spielende über die nicht einmal ein Meter hohe Balustrade auf das Spielfeld gesprungen, schlug Torschützen Müller ins Gesicht, ehe er sich den österreichischen Schiedsrichter Erich Linemayr vornahm. Maier und Hoeneß schritten ein und übergaben den nach eigenen Angaben betrunkenen Schläger an den Ordnungsdienst.

Müller war angestachelt

Müller war angestachelt und drehte nach der Partie so richtig auf: „Wir packen Real“, „wir werden wieder Europacup-Sieger“, „ich will mein 50. Europacup-Tor schießen“ posaunte der „Bomber“ noch in Madrid. Und was passierte im Rückspiel? Richtig! Müller traf zwei Mal, Bayern gewann mit 2:0.

„Müller war der Henker von Real Madrid“ schrieb „El Mundo Deportivo“ in großen Lettern. Eine Zeile, die wir gerne in diesem Jahr wieder lesen würden… Deshalb unser Exponat der Woche: Die Ehrengabe – ein Messingpokal – von diesem kuriosen Abend in Madrid.

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