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Exponat der Woche

Maiers wiedergefundener Schuh

Erwin Schambeck war ein guter Torhüter, damals, in den achtziger Jahren. Die Spielvereinigung Straubing war froh, ihn im Tor stehe zu haben, in der B-Klasse vollbrachte er einige Rettungstaten, hielt seinen Kasten oft sauber. Seine wohl beste Parade aber machte Schambeck nicht auf dem Fußballplatz der Gäubodenmetropole, sondern im Münchner Olympiastadion. Am 3. Juli 1980.

Beim Abschiedsspiel von Sepp Maier hatte Schambeck auf der Tribüne Platz genommen. Spitzenspiele in der Bundesliga und Europacuppartien ließ sich der damals 31-Jährige nie entgehen. Und auch beim letzten Auftritt des großen Maiers wollte Schambeck natürlich dabei sein. In Block A, Reihe 7, Platz 7 war sein Sitzplatz: „Gleich zwei Glückszahlen auf einmal“, stellte er fest.

Tatsächlich war an diesem Tag das Glück auf der Seite des Brauers aus Straubing. Als Maier nach seinem 20-minütigen Einsatz im Spiel des FC Bayern gegen die deutsche Nationalmannschaft noch eine Ehrenrunde drehte und sich dazu entschloss, seinen Schuh ins Publikum zu werfen, war Schambeck zur Stelle. „Mit einer waghalsigen Parade fischte er sich den linken Fußballschuh von Maier“, schrieb die ortsansässige Zeitung zwei Tage nach seiner Glanztat und bezeichnete Schambeck als „erfolgreichsten Keeper an diesem Tag neben Sepp Maier“.

"Unter der Käseglocke muss er nicht stehen"

„World Cup 78“ stand auf dem adidas-Schuh geschrieben. Er war gut erhalten, aber Schambeck dachte nicht daran, ihn selbst anzuziehen. Einen würdigen Platz in seinem Wohnzimmer sollte seine persönliche Erinnerung an Idol Maier bekommen. „Unter der Käseglocke muss er nicht stehen“, wurde Schambeck damals zitiert. Maier hatte den Schuh ja auch tatsächlich nur 20 Minuten lang getragen.

Freunde und Bekannte der Schambecks erfreuten sich schon oft an der netten Geschichte – nun aber können es auch die Besucher der FC Bayern Erlebniswelt. In der Sonderausstellung „Torwart, Tüftler, Tausendsassa“, die zu Ehren des 70. Geburtstags von Maier noch bis zum 30. September geöffnet ist, kann man den Original-Schuh des Abschiedsspiels bewundern. „Ich erinnere mich noch genau an den Moment, an dem ich den Schuh geworfen habe“, sagte Maier beim Treffen mit Schambeck lachend: „Wahnsinn, dass er nun meine Ausstellung schmückt.“

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