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Exponat der Woche

"Vier Minuten im Mai"

"Noch ganz schön kalt ist es zum Feiern“, sagte Manuel Neuer, als er die Katakomben des Berliner Olympiastadions betrat. Im roten Meister-T-Shirt, die Nummer „24“ auf dem Rücken geschrieben, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. So ist das eben, wenn man am 25. März 2014, weit vor Ostern, schon Meister wird. Temperaturen im einstelligen Plusbereich, kalte Hände – aber trotzdem unendliche Freude.

Was Pep Guardiola mit seiner Mannschaft in diesem Jahr geschafft hat, ist schon beeindruckend. Gleich in seinem ersten Jahr beim deutschen Rekordmeister feiert der Spanier die früheste Meisterschaft aller Zeiten. Am 27. Spieltag war alles klar, sieben Partien vor Saisonende. Nichts ist in dieser Spielzeit mit Zittern bis zum Schluss – im Gegenteil. Aber jeder Bayern-Fan weiß, dass es auch anders laufen kann.

Zwei Schauplätze: Gelsenkirchen und Hamburg

Rückblick ins Jahr 2001. Am 19. Mai geht es in Hamburg um Alles oder nichts. Nach dem Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern am 33. Spieltag waren die Bayern vor dem Saisonfinale zurück an der Tabellenspitze. Drei Punkte Vorsprung vor dem FC Schalke 04. Die Partien am letzten Spieltag: Schalke 04 - SpVgg Unterhaching, Hamburger SV – FC Bayern.

In Gelsenkirchen überschlagen sich die Ereignisse: Nachdem Schalke mit 0:2 zurücklag und Unterhaching nach zwischenzeitlichem Ausgleich der Schalker in der 69. Minute wieder mit 2:3 in Führung ging, siegten die Schalker noch mit 5:3. In Hamburg passiert lange nichts – bis Sergej Barbarez in der 90. Minute das 1:0 für die Gastgeber schießt. Stand jetzt ist Bayern geschlagen – und Schalke Meister. Schalke feiert seinen vermeintlich achten nationalen Titel. Aber nicht lange.

Als der vom FC Schalke 04 an den Hamburger SV ausgeliehene Torwart Mathias Schober eine Rückgabe regelwidrig mit der Hand aufnimmt, haben die Bayern die allerletzte Chance. In der vierten Minute der Nachspielzeit schießt Patrick Andersson den von Stefan Effenberg vorgelegten Ball ins Tor. 1:1, das rettende Unentschieden – die 17. Meisterschaft.

Schalke wird "Meister der Herzen"

„Mehmet Scholl war bereits ausgewechselt, Michael Tarnat saß auf der Bank und Stefan Effenberg hatte in diesem Match mit Freistößen kein Glück – also habe ich es gemacht“, sagte Andersson danach grinsend. Für den Schweden, der von 1999 bis 2001 das Bayern-Trikot trug, war es übrigens das erste und einzige Bundesliga-Tor für den Rekordmeister. Und dann gleich so eines!

Noch heute erzählen sich Bayern-Fans diese Geschichte der „vier Minuten im Mai“, in denen Schalke 04 als „Meister der Herzen“ in die Fußball-Historie einging, gerne. Auch in der FC Bayern Erlebniswelt ist sie natürlich ein Highlight – das Trikot von Andersson ist daher pünktlich zur schnellsten Meisterschaft aller Zeiten unser Exponat der Woche.

Übrigens: Vier Tage nach dieser dramatischen Meisterschafts-Entscheidung gewannen die Bayern in Mailand die Champions League Hinweis an Manuel Neuer: Am 24. Mai 2014 in Lissabon wird es ganz bestimmt nicht zu kalt zum Feiern sein…

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