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Exponat der Woche

Breitners kleiner WM-Pokal

Bundesliga-Pause – WM-Zeit: Auch die Exponate der Woche der FC Bayern Erlebniswelt drehen sich in den kommenden Wochen um das Großereignis in Brasilien. Besondere Geschichten um besondere Nationalspieler aus den Reihen des FC Bayern werden erzählt. Teil II: Paul Breitner (*5. September 1951).

 

Paul Breitner ist es bis heute unerklärlich, wie das alles passieren konnte. Wie er am 7. Juli 1974 um kurz vor halb fünf Uhr nachmittags zu diesem Elfmeterpunkt marschieren konnte und diesen Schuss verwandeln konnte. „Was damals passiert ist, kann ich nur nachvollziehen durch das, was ich später im Fernsehen gesehen habe. Ich habe einen Filmriss“, sagt der heutige Markenbotschafter des FC Bayern München, wenn er auf diesen Moment angesprochen wird. Was er aber noch weiß: Knapp eineinhalb Stunden später war er – wie noch sechs weitere Spieler des Rekordmeisters – Weltmeister.

Was war passiert? Deutschland stand im Finale um die Fußball-WM 1974 in München. Trainer Helmut Schön hatte wie vor jedem Spiel gefragt, wer im Finale im Falle eines Elfmeters schießen wolle. Keiner meldete sich, es gab keine Entscheidung. „Es heißt immer, dass Gerd Müller als Schütze eingeteilt war, aber das stimmt nicht“, sagt Breitner. Er selbst war ein Spieler, der am liebsten pro Spiel „fünf oder sechs Elfmeter“ zugesprochen bekommen hätte: „Denn ich wollte ja gewinnen.“ Also schnappte er sich wie in Trance den Ball, sagte zu seinem Mitspieler Wolfgang Overath noch schnell „schleich dich, ich hau den jetzt rein!“ – und traf. Das 1:1 in der 25. Minute ebnete den Weg zum zweiten WM-Triumph nach 1954, den Müller noch vor der Halbzeit mit den Siegtreffer perfekt machte.

„Dieses Tor hat mein Leben beeinflusst“

Heute sagt der 62-Jährige: „Dieses Tor hat in ganz erheblichem Maß mein Leben und auch das Leben meiner Familie beeinflusst. Ohne dieses Tor wären wir nicht Weltmeister geworden, und ohne dieses Tor hätte Real Madrid mich 1974 vermutlich nicht verpflichtet.“ Ohnehin hat Breitner eine starke WM gespielt. Schon im ersten Gruppenspiel gegen Chile sorgte er für den Siegtreffer, in der Zwischenrunde gelang ihm gegen Jugoslawien sein zweites Turniertor. Breitner war neben Kapitän Franz Beckenbauer eine leitende Figur im Team, dem auch Uli Hoeneß, Jupp Kapellmann, Sepp Maier, Gerd Müller und „Katsche“ Schwarzenbeck angehörten.

Mit dem FC Bayern holte er fünf Mal die Meisterschaft, zwei Mal den Pokal und wenige Wochen vor dem WM-Triumph den Europapokal der Landesmeister. An all diese Erfolge kann Breitner sich noch besser erinnern als an den vom 7. Juli 1974 in München. Erst, als er nach den Feierlichkeiten gegen halb acht Uhr morgens mit seiner Frau auf dem Sofa Platz nahm, realisierte er, was da eigentlich passiert war. „Das ist ja ein Wahnsinn“, sagte er, als er sich die Wiederholung des Spiels im österreichischen Fernsehen noch einmal ansah. „Was wäre denn los gewesen, hätte ich den nicht rein gemacht?“, fragte er sich. Zum Glück war es gut gegangen.

Die Miniatur des Pokals steht in der Erlebniswelt

Die Geschichte von Breitner ist tatsächlich kurios – aber so ist eben der Fußball. In der FC Bayern Erlebniswelt erinnert seine Miniatur des WM-Pokals – jeder der Weltmeister bekam damals eine solche -  an diesen Tag. Breitner selbst hat sie dem Vereinsmuseum für seinen Platz in der „Hall of Fame“ zur Verfügung gestellt. Und wenn er seine schwache Erinnerung auffrischen will, kommt er einfach in der Erlebniswelt vorbei. Das macht er übrigens gerne und regelmäßig.

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