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Exponat der Woche

Das zweitälteste Exponat

In der FC Bayern Erlebniswelt treffen Woche für Woche tolle Exponate ein. Sammler, Fans, Mitglieder, ehemalige Spieler: Sie alle denken häufig daran, dass ihre Schätze im Vereinsmuseum des Doublesiegers wohl am besten aufgehoben sind. Zahlreiche Stücke rufen Erinnerungen an bestimmte Ereignisse wach, einige lassen ein besonderes Spiel noch einmal im Kopf abspielen – aber einige wenige sind vor so langer Zeit entstanden, dass sie auch für das Team der FC Bayern Erlebniswelt Neuigkeitswert haben. So geschehen bei einer Postkarte, beschrieben und verschickt am 17. Juni 1900. Nach der Gründungsurkunde das  zweitältesten Dokument in Deutschlands größtem Vereinsmuseum – und unser Exponat der Woche.

„Gruß vom FC Bayern“

„Gruß vom FC Bayern“ steht auf der in schwarz-weiß gehaltenen Karte, die von Gründungsmitglied Otto Naegele verschickt wurde. Eine Torszene ist auf der Karte illustriert, künstlerisch wertvoll und signiert mit den Initialen P. F. – das passte zum FC Bayern München dieser Zeit. Unter den 17 Fußballern, die Ende Februar 1900, also nur knapp vier Monate vor dem Versand der Postkarte, den Verein gründeten, waren zahlreiche Künstler. Naegele etwa hatte – bevor er schon vor der Bayern-Zeit in der ersten Münchner Fußballmannschaft „Terra Pila“ spielte – an der Kunstakademie in München und Düsseldorf studiert. 1905 gewann er einen Preis für das Entwerfen von Reklame. Er war einer der gefragtesten Werbegrafiker vor dem ersten Weltkrieg und entwarf für zahlreiche Münchner Unternehmen seiner Zeit Plakate.

Die wunderbar gestaltete Karte passt gut ins das Bild, das der FC Bayern damals vermittelte. Ähnlich tolle Illustrationen konnte man auch in Vereinsdokumenten wieder finden. Das Titelblatt zur Jubiläumszeitschrift zwei Jahre nach der Gründung des heutigen deutschen Rekordmeisters hat auch Naegele entworfen. Natürlich ist es auch in der Ausstellung im Herzen der Allianz Arena zu sehen.

Drei Jahre lang Stammtorhüter

Sportlich war Naegele aber nicht minder talentiert als künstlerisch. Bis 1903 war er Stammtorwart der Bayern. In der Schwabinger Künstler- und Studentenszene, die den MTV verließen und ihren eigenen Verein gründeten, fühlte er sich wohl. Die Karte, die er damals, vor exakt 114 Jahren schrieb, war adressiert an „Maria Lehrmann“. Sie konnte sich glücklich schätzen.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1952 verfolgte Naegele den Verein und besuchte, obwohl am Ammersee lebend, im hohen Alter mit seiner Frau noch Heimspiele.. „Er konnte sich sehr aufregen, wenn auf dem Spielfeld nicht alles nach seinem Wunsch ging. Doch ,seine‘ Bayern haben ihn auch oft erfreut und seine Sportbegeisterung hat ihn äußerlich und innerlich jünger erscheinen lassen, als seine Kalenderjahre zählten“, schrieb die Witwe nach seinem Tod an die Redaktion der Clubzeitung. Er scheint ein besonderer Mann gewesen zu sein – und das besondere Exponat dazu, ein Faksimile der Postkarte, kann in der Vitrine der Jahre 1900-1933 bewundert werden.

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