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Exponat der Woche

Maiers ungebrauchter Handschuh

Bundesliga-Pause – WM-Zeit: Auch die Exponate der Woche der FC Bayern Erlebniswelt drehen sich in den kommenden Wochen um das Großereignis in Brasilien. Besondere Geschichten um besondere Nationalspieler aus den Reihen des FC Bayern werden erzählt. Teil IV: Sepp Maier (*28. Februar 1944).

Innen Frottee, außen Gumminoppen: Dieser Handschuh, der in der Sonderausstellung „Sepp Maier“ der FC Bayern Erlebniswelt derzeit zu sehen ist, sieht aus wie neu. Alle verwendeten Materialien sind bestens erkennbar, keine Spuren von Rasen aus dem Münchner Olympiastadion oder gehaltenen Bällen. Und tatsächlich: Dieser gelbe Handschuh wurde nie getragen – aber er war dabei, als Deutschland 1974 Weltmeister wurde.

Rückblick: 7. Juli 1974. Strahlender Sonnenschein in München. Nationaltorhüter Sepp Maier nahm die normalen Handschuhe, die, die nicht extra für Regenwetter hergestellt wurden. Und er machte eines der besten Spiele seiner Karriere. Am zweiten WM-Titel einer DFB-Elf, der nach dem 2:1 gegen die Niederlande besiegelt war, hatte Maier maßgeblichen Anteil.

Die Nacht von Amsterdam machte ihn zum Tüftler

Der Handschuh lag 90 Minuten lang parat, wurde aber nicht gebraucht. Und dennoch erzählt er eine Geschichte über den Torhüter Sepp Maier. Sie beginnt genau 16 Monate zuvor, am Abend des 7. März 1973 in Amsterdam. Es regnete fürchterlich, als der FC Bayern 0:4 gegen Ajax verlor. Maier war der seifenglatte Ball mehrmals durch die Finger geflutscht, er war sauer. Genau an diesem Tag, im Regen von Amsterdam, wurde der „Tüftler“ Sepp Maier geboren.

Von da an experimentierte er mit den zahlreichen Materialien, später auch mit Schaumstoffen, um die Griffigkeit zu verbessern. Gemeinsam mit der Firma Reusch entwickelte Maier den bis heute gebräuchlichen Soft-Grip-Handschuh. Der eigentliche Erfinder des neuzeitlichen Torwart-Handschuhs, der bis heute gespielt wird, ist der Sepp Maier gewesen“, erzählt Reusch einmal. Ärgerlich für Sepp Maier war nur eins: „Genau genommen hätte er sich damals das Patent drauf sichern sollen.“ Denn: „Jeder Handschuh basiert noch heute auf dieser Idee mit der Latex-Mischung.“

In der Regenschlacht war der Handschuh Gold wert

Dass Maier ein guter Tüftler war, bewies er auch während der WM. Bei der legendären Regenschlacht von Frankfurt, dem letzten Spiel der Zwischenrunde, war ein Handschuh, der dem „Exponat der Woche“ baugleich ist, Gold wert. Maier mutierte regelrecht zur Krake mit 1.000 Fangarmen, machte das wohl beste Spiel seiner Karriere. Gut ein Dutzend Scharfschüsse der polnischen Angreifer entschärfte er - mit teils unglaublichen Paraden und Reflexen. Dass es ausgerechnet Maier war, den Deutschland zum Sieg über Polen führte, ließ auch seine Kritiker endlich verstummen. Auf dem Weg zum Mannschaftsbus skandieren Fans minutenlang seinen Namen. Ihm, dem Torhüter, Tüftler – und Weltmeister, dem in der FC Bayern Erlebniswelt eine ganze Sonderausstellung gewidmet ist.

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