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Fritz Scherer wird 75

Ein schwäbischer Glücksfall

Dass die Saison, in der Dr. Fritz Scherer als Vizepräsident abtrat, ausgerechnet die war, in der der FC Bayern das Triple gewann, war bezeichnend. Denn schaute man 33 Jahre zurück in das Jahr, in dem er anfing, sieht man doch ein anderes Bild. 1979 hatten andere Teams in Meisterschaft, DFB-Pokal und Europapokal triumphiert. Scherer wurde in der Zeit Schatzmeister, als die Bayern eine Zeit des Umbruchs erlebten. Auch dank ihm steht der Verein heute ganz anders da: Als deutscher Rekordmeister. Als größter Klub der Welt. Und zum 75. Geburtstag von Dr. Fritz Scherer an diesem Montag ist es an der Zeit, diese wunderbare Vita mal ausführlich zu würdigen.

Die Emotionen waren groß an diesem Tag im November 2012, als Scherer gemeinsam mit seinem langjährigen Gefährten Bernd Rauch das Amt des Vizepräsidenten niederlegte. „Es ist mir nicht leicht gefallen“, sagte Scherer unter tosendem Applaus der Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung. Man sah ihm an, dass diese Worte direkt aus seinem Herzen kamen. „Viele Schlachten“ habe man miteinander „geschlagen“, sagte der damalige Präsident Uli Hoeneß zum Abschied des langjährigen Präsidenten und Vizepräsidenten.

„Nie wieder Schulden machen“

Nach fünf Jahren als Schatzmeister wurde Scherer 1985 zum Präsidenten gewählt und führte den Verein neun Jahre lang, ehe er den Weg für Franz Beckenbauer frei machte. Seitdem war er bis 2012 1. Vizepräsident und seit Gründung der AG (2002) Aufsichtsratsmitglied. Zudem fungierte Scherer, der auch verschiedenen Gremien von DFB und UEFA angehörte, nach der Gründung der Allianz Arena München Stadion GmbH als einer von zwei Geschäftsführern (bis März 2004).

Der gebürtige Augsburger ist gleich in zweifacher Hinsicht einer vom  Fach. Zum einen ist er Professor der Betriebswirtschaftslehre, zum anderen spielte er einst selber Fußball beim BC Augsburg. Als er zu den Bayern kam, betrug der Etat 12 Millionen D-Mark. Sein Vorhaben gemeinsam mit Hoeneß: Nie wieder Schulden machen: „Das haben wir uns geschworen. Wir passten gut zusammen, er ist Schwabe, ich halber Schwabe.“

Im Präsidiumszimmer ging es heiß her

Scherer packte tatkräftig mit an. Es ist kein Zufall, dass der FC Bayern in seiner Amtszeit 1987 zum Rekordmeister aufstieg. Sein erster großer Transfer war der von Sören Lerby. „Zwei Millionen Mark. Mehr hätten wir nicht bezahlen können. Das war unser letztes Geld. Aber auch so war Lerby bis dahin der teuerste Einkauf in der Geschichte des Vereins“, sagt er über den Coup im Jahr 1983.

Wann immer man Scherer trifft, hat er viele Anekdoten zu erzählen. Auch die Besucher der FC Bayern Erlebniswelt können in diesen Genuss kommen. Im Original-Präsidiumszimmer inmitten der Ausstellung bekommt man ein Bild von dem Arbeitsplatz, von dem aus unter anderem Scherer den Verein leitete. Im Audiobeitrag erinnert sich Scherer an Verhandlungen, die in diesem Raum an der Säbener Straße geführt wurden. Und an die vielen Partien diverser Kartenspiele, die im Nachgang gespielt wurden. „Manchmal ging es härter zu als bei den Verhandlungen selbst“, sagt er lachend. Man sieht die Münzkratzer auf unserem Exponat der Woche noch auf dem Tisch.

Scherer konnte beides gut: Verhandeln und Karten spielen. Dass er heute Ehren-Vizepräsident des FC Bayern ist, spricht für seinen Stellenwert. Happy Birthday, Dr. Fritz Scherer!

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