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Zum 70. Geburtstag von Gerd Müller

Titel, Tore, Tennis – ein bewegtes Leben

Man merkt es auch heute noch, wenn man Besuchern der FC Bayern Erlebniswelt zuhört. Ob Oma, Opa oder Enkel, ob Papa, Mama, Tochter oder Sohn – jeder kennt Gerd Müller. „Er ist der wichtigste und größte Fußballer, den Deutschland nach 1954 gehabt hat“, sagt Paul Breitner, der Markenbotschafter des FC Bayern, über seinen ehemaligen Mitspieler. Kein Wunder, dass er bis heute omnipräsent ist. In der FC Bayern Erlebniswelt – und der Sonderausstellung „Kaiser. Kalle. Bomber.“ – sowieso. Aber auch in den Köpfen der Menschen. Gerd Müller, der am vergangenen Dienstag 70 Jahre alt geworden ist, ist eine lebende Legende.

Was für ein außergewöhnlicher Fußballer er war, sieht man natürlich bei der Betrachtung seiner Treffer, die er stets in unvergleichlicher Weise ins Tor „müllerte“. Aber auch die Zahlen rund um die Karriere des gebürtigen Nördlingers sprechen für sich: 40 Tore in einer Bundesligasaison – diesen bis heute unerreichten Rekord hat der „Bomber“ 1972 aufgestellt. Insgesamt gewann er sage und schreibe sieben Mal die Torjägerkrone: 1967, 1969, 1970, 1972, 1973, 1974 und 1978. Zweimal war er Europas bester Torjäger (1970, 1972), zweimal deutscher Fußballer des Jahres (1967, 1969) und einmal sogar Europas Fußballer des Jahres (1970).  Von 1964 bis 1979 erzielte er  in 585 Einsätzen insgesamt 533 Tore im Trikot des FC Bayern, er wurde Europa- und Weltmeister mit Deutschland und holte 13 Titel mit den Bayern.

Sein Wissen, seine Erfahrung, sein Können hat Gerd Müller bis vor kurzem an junge Spieler weitergegeben. Unter anderem die Weltmeister Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller hat er als Jugendtrainer geprägt. Aufgrund einer schweren Erkrankung hat er sich in den letzten Jahren zurückgezogen. Die Glückwünsche zu seinem Geburtstag haben ihn dennoch aus allen Ecken der Welt erreicht. Die Wertschätzung für den Mann, den Karl-Heinz Rummenigge als Torjäger bezeichnet, „wie es ihn vermutlich nicht mehr geben wird“, ist enorm. Das Team der FC Bayern Erlebniswelt nimmt den Jubeltag als Anlass, drei wichtige und aussagekräftige Exponate aus 70 Jahren Gerd Müller vorzustellen.

  • Goldener Schuh der WM 1970: Zehn Tore in einem Turnier? Das geht. Wenn man Gerd Müller heißt. In der FC Bayern Erlebniswelt erinnert der „Goldene Schuh“, den Müller als bester Torschütze der WM 1970 bekam, an den ersten Höhepunkt seiner Nationalmannschaftskarriere. Schon in der Qualifikation hatte Müller seine Qualität bewiesen, die deutsche Mannschaft  nahezu im Alleingang nach Mexiko geschossen. Im Turnier traf er dann schon in der Vorrunde stolze sieben Mal. Im „Jahrhundertspiel“, dem Halbfinale gegen Italien, erzielte er zwei Tore in der Verlängerung (Endstand 3:4). Als Müller sich bei einem scheinbar schon geklärten Eckball zwischen einen italienischen Verteidiger und den Torwart drängte und den Ball ins Tor spitzelte, kommentierte Fernsehreporter Ernst Huberty mit den Worten: „Wenn Sie jemals ein echtes Müller-Tor gesehen haben, dann jetzt.“ Der goldene Schuh ist in der „Hall of Fame“ des Vereinsmuseums zu sehen, er ist aber auch das Leitmotiv der Sonderausstellung „Kaiser. Kalle. Bomber“, die anlässlich der runden Geburtstage von Müller (70), Karl-Heinz Rummenigge (60) und Franz Beckenbauer (70) noch bis Ende des Jahres läuft.
  • Tennisschläger: Die Kollegen von Gerd Müller mussten oft daran glauben. Die Mittagspause fiel gerne mal aus, wenn Gerd Müller seinen Tennisschläger dabei hatte. Gleich neben den Trainingsplätzen forderte der „Bomber“ gerne zu einer Partie in seiner zweiten Leidenschaft auf. Ein schnelles Tennis-Match, dann am besten noch in die Sauna: Das war der perfekte Tag für Gerd Müller. Schon während seiner Zeit in den USA, wo Müller seine Karriere 1982 beendete, hatte er gerne Racquetball gespielt; die Liebe zum Sport mit dem Schläger begleitete ihn seitdem. Als „wieselflink“ bezeichnete Sepp Maier seinen Spezl. Und es stimmt: Er war nicht nur mit dem Fuß talentiert.
  • Trainingsanzug: Trainingsklamotten mit FC Bayern-Logo hat Gerd Müller in den 70 Jahren, die sein Leben nun zählt, viel getragen. Der Anzug, der in der Sonderausstellung zu betrachten ist, steht aber nicht für seine aktive Karriere, sondern die danach. Denn Anfang der neunziger Jahre, nachdem er die A-Trainerlizenz erworben hatte, kehrte Müller zurück zum FC Bayern. Als Nachwuchstrainer und Co-Coach der zweiten Mannschaft arbeitete er bis zuletzt akribisch. Den Satz „er war, der Erste, der da war, und der Letzte, der abends ging“, hat man an der Säbener Straße nicht nur einmal gehört. Den ausgestellten Trainingsanzug hat er noch vor zwei Jahren selbst getragen. Er steht für Vereinstreue – und die besondere Beziehung des FC Bayern und Gerd Müller.

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