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Ein Blick ins Archiv der FC Bayern Erlebniswelt...

Das kürzeste Elfmeterschießen der Bayern-Geschichte – gegen Barcelona

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Bisher stand für den FC Bayern im Fußballjahr 2018 noch kein K.o.-Spiel an, aber: Der Start in die Rückrunde ist auch traditionell der Start in die Phase der Saison, in der es in den Pokalwettbewerben um Alles oder Nichts geht. Verlängerung, Elfmeterschießen – all das ist möglich, wenn in DFB-Pokal und Champions League der heiße Frühling eingeläutet wird. Und die Erfahrung lehrt: In solchen Spielen kann immer alles passieren.

In der Geschichte des FC Bayern gab es zahlreiche Duelle, die vom Punkt aus entschieden werden mussten. Souveräne wie spannende Elfmeterschießen, erfolgreiche wie gescheiterte Schützen. Was im Archiv der FC Bayern Erlebniswelt allerdings bisher nur ein einziges Mal vermerkt ist: Ein Elfmeterschießen, das beim Stand von 1:1 abgebrochen wurde. Die Partie, die am 5. Juni 1979 in Toulouse gegen den FC Barcelona stattfand, ist als kürzestes Elfmeterschießen in die bewegte und bewegende Klubgeschichte eingegangen. Und ein Blick auf die Ereignisse von damals ist absolut lohnenswert.

Was am Ende stand: Ein Sieg gegen den damals amtierenden Europapokalsieger der Pokalsieger.  Was davor geschah: Ein Protest – und vieles mehr.

Bio verzögert – der Treffer zählt nicht

Rückblick: Der FC Bayern war inmitten des Saisonendspurts zu einem Freundschaftsturnier nach Frankreich eingeladen worden – und trat die Reise gerne an. Was von Liga-Konkurrenten gar nicht gerne gesehen wurde – Stuttgarts Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder legte wegen Wettbewerbsverzerrung Einspruch beim DFB ein – sollte sich für die Münchner als äußerst lukrativ erweisen. Vor dem Turniersieg, der 150.000 D-Mark einbrachte, lag allerdings ein harter Kampf. Er wurde im Halbfinale auf dem Platz ausgetragen und in der Folge daneben. Und von Zeitungs-Schlagzeilen begleitet wie: „Skandal! Spielabbruch – aber Bayern ist im Finale“ und „Barcelona vom Platz – Bayern wollen abreisen“.

Bis es zum tatsächlichen Eklat auf dem Platz kam, hatten sich die Bayern und Barca im Halbfinale eine gute Partie geliefert, waren über ein torloses Unentschieden aber nicht hinausgekommen. Die Entscheidung musste vom Punkt aus fallen. Die Spanier zuerst am Zug, Hans Krankl traf, Branko Oblak glich für Bayern aus. Dann war Barcelonas afrikanischer Spieler Bio dran, nahm Anlauf, verzögerte stark, traf ins Netz – und regte sich auf. Weil der französische Schiedsrichter Ballestracci den Treffer nicht zählen wollte, schoss Krankl einen Ball auf die Tribüne und der Rest seiner Mannschaft begab sich in die Kabine.

„Die Spanier attackierten den Pfeifenmann heftig“, hieß es am Tag darauf in der Zeitung. Es brachte nichts. Die Bayern-Spieler um Sepp Maier, Klaus Augenthaler, Hans Georg „Katsche“ Schwarzenbeck und Paul Breitner blieben zunächst verdutzt auf dem Feld zurück, gingen dann auch in die Kabine und wurden hinter den Kulissen zum Sieger erklärt. Der Finaleinzug war gesichert. Zumindest vorläufig.

Die Entscheidung fiel weit nach Mitternacht

Denn die Partie nahm erst ein wirkliches Ende, als - Zitat "Bild-Zeitung" - „ein paar Spieler schon schliefen und Sepp Maier bei einem guten Wein saß“. Bis dahin hatte es – weil Barcelonas Spieler nach 30-minütiger Bedenkzeit doch wieder auf dem Rasen erschienen waren – ein riesiges Durcheinander gegeben. Das Problem: „Die Bayern hatten schon geduscht“ und Trainer Pal Csernai forderte sowieso, dass endlich „Schluss mit dem Affentheater“ sein solle.

Sie ließen sich nicht überreden, weiterzuspielen. Um 00.17 Uhr schließlich sagte der damalige Manager und heutige Präsident Uli Hoeneß schmunzelnd: „Die wollten erproben, wie standfest wir sind. Aber wir haben uns nicht ins Bockshorn jagen lassen.“ Eine vorzeitige Abreise stand so lange im Raum, bis das offizielle Ergebnis da war. 1:1 im Elfmeterschießen - die Bayern im Finale, Barcelona nicht.

Am Ende durften die Münchner jubeln. Über den Sieg im Halbfinale und den späteren Gewinn des Turniers, der tags darauf mit einem 5:4 im Elfmeterschießen gegen den französischen Meister AS St. Etienne gelang. Als Fazit stand in den Zeitungen: „Die Bayern sind international wieder spitze.“ Sepp Maier allerdings sagte vor der Heimreise: „Ich brauche jetzt erst mal Urlaub.“ Der Kampf auf und neben dem Feld hatte Kraft gekostet, aber eine Anekdote geliefert, die bis heute absolut kurios ist. Wie viele weitere im Archiv der FC Bayern Erlebniswelt...