U23

U23-Handballer: Keine Spiele, kein Training,… kein Problem

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Oder: wie bringt man Spieler dazu, am Sonntagabend um 20h bei Dunkelheit und Schneefall noch zwei Stunden Rad zu fahren…

Zugegeben, „Kein Problem“ ist an dieser Stelle natürlich nicht ganz treffend formuliert, denn jeder Sportler, ob Profi oder Breitensportler, trainiert für den Wettkampf. Und ohne Wettkampf-Komponente fällt es deutlich schwerer, sich zum regelmäßigen Training zu motivieren. Wofür?

Vor diesem Hintergrund müssen wir uns eingestehen: ja, natürlich haben auch wir beim FC Bayern Handball ein Problem: auch wir vermissen die Wochenenden in der Halle. Den Nervenkitzel, wenn die letzten Sekunden von der Uhr ticken. Die Emotionen. Und die Zuschauer, die uns anfeuern.

Trotz aller Widrigkeiten haben wir aber in dieser außergewöhnlichen Zeit einen außergewöhnlichen Weg gefunden, zumindest kein Problem mit der Trainings-Motivation zu haben. Wie uns das gelingt, erzählen wir gerne. Und wir laden gerne auch interessierte Spieler ein, sich uns anzuschließen.

Unsere Ausgangssituation Ende 2020

Im Sommer 2020 startete unser „Projekt U23“. Eine engere Verzahnung des Jugendbereichs mit den Seniorenmannschaften mit dem Sinn und Zweck, talentierte Jugendspieler schneller und effizienter an den körperbetonten Seniorenhandball heranzuführen.

Die Folge war ein sehr großer Kader – Teilweise bis zu 30 Spieler, darunter A-Jugendtalente mit Doppelspielrecht, Nachwuchsspieler, erfahrenen Spieler aus der zweiten und dritten Mannschaft. Viele Spieler kannten sich untereinander nur flüchtig. Die Altersspanne reicht von 17 bis *hüstel*unddreißig Jahren. Und auch regional hat unser Kader ein deutlich größeres Einzugsgebiet als die durchschnittliche Mannschaft oder Teams aus dem Landkreis.

Was in einer normalen Saison schon eine Herausforderung gewesen wäre – all dies unter einen Hut zu bringen – wurde durch die Pandemie aber nochmals deutlich erschwert. Wie kann man virtuell 30 Spieler trainieren?

Frühjahr 2021

Die ersten Experimente im Winter zeigten: Athletiktraining oder virtuelle Athletikeinheiten waren für die meisten Spieler so attraktiv wie ein Sonnenbad bei Nieselregen. Mal waren vier Spieler beim Onlinetraining dabei, mal nur drei. In unserer Whatsapp-Gruppe hörte man maximal das Zirpen der Grillen…

Abhilfe schafft erst ein neues Trainingskonzept: die fünf erfahrensten Spieler wurden vom Trainerteam als „Teamkapitäne“ installiert. Im Rahmen eines „Draft-Day“ konnten die Kapitäne der Reihe nach Spieler in ihre Teams wählen. Diese fünf Teams haben dann in den folgenden 10 Wochen in unterschiedlichsten von den Trainern organisierten Challenges in verschiedenen Wertungskategorien Zeiten und Punkte sammeln können – zu gewinnen bzw. zu verlieren gab es Trainingsshirts, das Ausrichten eines Team-Events, oder die Organisation eines Kabinenfests (sobald wieder erlaubt).

Das Ergebnis

Teamsport kann auch ohne Ball Spaß machen: die 28 aktiven Teilnehmer haben in den 10 Wochen fast 70.000 Minuten Sport getrieben – zuhause, auf dem Fahrrad, durch Lauf- oder Fitnesseinheiten. Das Ziel waren 3 Stunden Sport pro Spieler und Woche – am Ende kamen die Spieler auf fast vier. Selbst beim Onlinetraining (mit anschließendem Feierabend-Kaltgetränk) waren nicht selten fast 20 Spieler die kompletten 90+ Minuten am Start. Waren die zu Beginn der Challenge festgelegten 180 Wochenminuten noch nicht erfüllt, setzten sich Spieler auch bei Schneetreiben am Sonntagabend nochmals ein Stündchen aufs Rad, um das Team nicht hängen zu lassen. Und auch zum Teambuilding leistete das Konzept einen wichtigen Beitrag, denn durch die gemischten Mannschaften hatten die Spieler die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen und verabredeten sich zu gemeinsamen Trainings. Dadurch entstand in allen Teams eine Eigendynamik. Jeder wollte aktiv zu sein und die anderen zu Aktivität zu animieren. Vor allem an den Montagen, wenn die neue Wochen-Challenge von den Trainern bekannt gegeben wurde, empfahl es sich, die fünf Whatsapp-Gruppen der Teams zu muten, da dort nicht selten im Sekundentakt kommuniziert, geplant, und gefachsimpelt wurde.

Wie geht es weiter?

Die 10 Challengewochen waren zweifelsfrei ein großer Erfolg. Nicht nur emotional, auch sportlich war eine klare Leistungssteigerung der Spieler zu verzeichnen, vor allem was Laufzeiten und Fitnesswerte in unterschiedlichsten Übungen betrifft. Da es im Moment nicht gerade nach Hallentraining oder ansatzweise normalem Trainingsbetrieb aussieht, wird die U23 Ende April in eine zweite Challenge-Runde starten – mit neuen Teams und sicherlich auch der einen oder anderen Überraschung seitens der Trainer was die Aufgaben und Leistungskategorien betrifft.

Interessierte Spieler sind herzlich eingeladen, sich unser Konzept anzusehen. Auch ein etwas späterer Einstieg ist natürlich durchaus noch möglich, da bereits in der ersten Runde durch berufliche Verpflichtungen, Verletzungen oder auch die Geburt von Kindern (2!) immer wieder zeitliche Engpässe bzw. Ausfälle kompensiert werden mussten.

Allen Handballer:innen wünschen wir eine weiterhin gesunde und verletzungsfreie Zeit. Haltet durch & bleibt am Ball!

Eure Trainer der U23