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Erinnerungen zum #VolleHütte

Frauenfußball beim FC Bayern – eine lange Tradition

Es war stets ein nettes Bild, das sich in den letzten Jahren auf dem Rathausbalkon bot. Hoch über dem Marienplatz standen sie, die Damen und Herren des FC Bayern, bekleidet in Dirndl und Lederhose, geschmückt mit ihren Meisterschalen. „Sie haben ein wunderbares Auftreten, sind sportlich elegant und erfolgreich“, sagt Präsident Uli Hoeneß über die Frauenmannschaft des FC Bayern. Zwei Mal in Folge haben sie zuletzt die Deutsche Meisterschaft gewonnen, die sympathische Truppe schwimmt auf einer Erfolgswelle, die an jene erinnert, die die Abteilung in ihren Anfangsjahren hatte. Ein Blick in das Archiv der FC Bayern Erlebniswelt beweist: Auch der Frauenfußball hat beim FC Bayern eine lange Tradition.

Begonnen hat alles am 7. Juni 1970. Unter der Notiz „Start im Damenfußball beim FC Bayern München eV“ wurde an jenem Tag die neue Abteilung gegründet – und damit war man früh dran. Denn erst mehr als drei Monate später hob der DFB das seit 1955 geltende Verbot für Frauenfußball auf. Der Bayerische Fußball-Verband war da schon weiter. Er hatte den Aufbau von Frauenabteilungen in den Monaten zuvor aktiv angeregt – und der FC Bayern machte natürlich gerne den Anfang.

Ab 1972 gab es offizielle Rundenspiele

Der erste Schritt war gemacht, eine Mannschaft wurde auf einem Sichtungslehrgang an der Säbener Straße zusammengestellt, und ein knappes Jahr später fieberten die Fußball-Damen, so hieß es in den Klubnachrichten, „der kommenden Saison entgegen“. Ab Mitte Mai 1972 gab es offizielle Rundenspiele, allerdings „nur alle 14 Tage, im Umkreis von höchstens 25 bis 20 Kilometer“. Die Zusatznotiz: „Wir wollen, dass sich alles in Ruhe entwickeln kann.“

Die Entwicklung bestimmte der FC Bayern von Beginn an mit. „Während sich die Experten noch darüber streiten, ob man Damen- oder Frauenfußball sagt, ist bereits die erste Meisterschaft über die Rasenbühne gegangen“, hieß es ein paar Monate später. Die Bilanz der Meistersaison im Großraum München: 28:0 Punkte, 114:2 Tore. Auch den Oberbayerischen Meistertitel holten sich die Bayern-Frauen: Damals beim 7:0 gegen den FC Ehekirchen lockten sie schon 1200 Zuschauer an. In den Zeitungen stehen danach Zitate von Zuschauern wie: „Schaugts es o, wia der Kaiser Franz!“

19 Mal in Folge Bayerische Meisterinnen

Ohne Stollenschuhe, mit Jugendbällen, zwei Mal 30 Minuten: Die Regeln waren damals für Frauen anders. Aber die Damen des FC Bayern ließen sich davon nicht aufhalten. Trainingslager wurden absolviert, internationale Freundschaftsspiele – unter anderem ein 2:1 gegen die italienische Nationalmannschaft – organisiert. Und bereits in der zweiten Saison gewannen sie den Bayerischen Meistertitel. „Sie traten gegen zwei Gegner an: Landshut und ihre Nervosität“, wurde geschrieben. Im Olympiastadion, vor einer Partie der Lizenzspielermannschaft, gewannen die Bayern-Frauen um Kapitänin Olga Schütz mit 4:2. Und Trainer Fritz Bank jubelte: „Mancher Fußballspieler könnte sich an meinen Amazonen ein Beispiel nehmen. Ihr Ehrgeiz ist erstaunlich.“

Neben Bank ebenso im Team der ersten Stunde war übrigens Maria Meissner († 2008), später Pokal-Putzerin beim FC Bayern und als „gute Seele des Klubs“ bekannt. „Lob und Anerkennung“ waren der damaligen Betreuerin in den Klubnachrichten von Beginn an zuteil. Sie hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der Start der Damen-Abteilung derart gut gelang. Zwischen 1972 und 1990 nämlich wurden die Frauen des FC Bayern 19 Mal in Folge Bayerischer Meister. Und 1976 gelang durch ein 4:2 nach Verlängerung gegen Tennis Borussia Berlin auch der erste Deutsche Meistertitel. Damals allerdings noch ohne Feier auf dem Rathausbalkon…

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