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Geschichten aus dem FC Bayern Museum

Stille Nacht? Von wegen!

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Es gibt mehrere tausend Exponate im FC Bayern Museum bzw. im Archiv des deutschen Rekordmeisters - jedes einzelne erzählt seine eigene Geschichte. Auch wenn in diesem Jahr leider alles anders ist, lohnt ein Blick zurück: Legendäre Auftritte, großartige Tombolas und glückselige Bayern - die Geschichte der Weihnachtsfeiern beim deutschen Rekordmeister.

Das Fazit des ersten Males fiel eindeutig aus. Der Vergnügungsausschuss – ja, so etwas gab es damals beim FC Bayern – informierte in den Klubnachrichten höchstpersönlich über den Erfolg der ersten großen Weihnachtsfeier des heutigen Rekordmeisters. Was alle Mitglieder wissen sollten: „Wir stehen nicht nur auf dem Spielfeld unseren Mann, sondern können auch in gesellschaftlicher Beziehung selbst verwöhnten Ansprüchen genügen.“ Das hatte die Veranstaltung im „Hotel Union“ mehr als bewiesen.

1925, die Bayern erholten sich gerade von den schweren Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg, war die Zeit reif gewesen. Einladungen zu geselligen Abenden, auch zu einem großen Stiftungsfest waren bis dahin erfolgt, dennoch hatte die Vereinsführung eine „Zurückhaltung einer Anzahl unserer Mitglieder bei gesellschaftlichen Veranstaltungen“ registriert. Die Klubobersten wagten es trotzdem: Sie reservierten einen großen Saal, und hatten Glück, dass das Zusammenkommen just an jenem Tag angesetzt war, an dem der Gewinn der Bezirksmeisterschaft feststand. Die Stimmung konnte ausgelassener kaum sein, das Programm kam bestens an – und eine lange Tradition beim FC Bayern nahm ihren Ursprung. Seit 95 Jahren wird in unserem Club ausgelassen Weihnachten gefeiert. In unterschiedlichsten Ausprägungen.

Größer, pompöser, überlaufener: Das Prinzip der Bayern-Familie

Die Anfangsjahre waren besonders spannend, denn was als gemütliches Zusammenkommen begann, wurde von Jahr zu Jahr größer, pompöser und überlaufener. Ein Blick ins Archiv des FC Bayern Museums zeigt: Schon 1926 zog man vom „Hotel Union“ in den „Bayerischen Hof“ um, wo eine „angstvoll-fürchterliche Enge“ herrschte. Weil zahlreiche Firmenmannschaften unter dem Dach des FC Bayern organisiert wurden, waren die Mitgliederzahlen rasant gestiegen. Aber es blieb dabei: Jeder war eingeladen, jeder sollte dabei sein. Das Prinzip der großen Bayern-Familie galt schon damals.

„AUF ZUR WEIHNACHTSFEIER DES FC BAYERN! AUF ZUM BAYERISCHEN HOF!“ – so lautete Jahr für Jahr die Aufforderung, der so gut wie jeder Bayer folgte, obwohl die Feiern meist an den Feiertagen stattfanden. Der 25. Dezember war in den Anfangsjahren ein beliebter Termin, erst viel später, im Jahr 1957, wurde die jährliche Feier in die Adventszeit vorverlegt. Die Begründung der damals Verantwortlichen: „Wir sind der Meinung, dass an den Feiertagen selber mancher in der Familie weilen will.“

Ruhige Festtage hatte man bei den Bayern-Feiern wahrlich nicht erlebt. Große Showacts waren ebenso Tradition wie der „Glückshafen“, für den jeweils vorab Geld- und vor allem Sachspenden der Mitglieder gesammelt wurden. „Auch die bescheidenste Gabe“ war willkommen und wurde persönlich abgeholt. Die Lose waren schon 1926 im Festsaal binnen zehn Minuten ausverkauft. Jeder wollte sich und seine Liebsten beschenken mit einem Stückchen FC Bayern – und die Preise konnten sich sehen lassen.

Die Jugendfeiern waren in den dreißiger Jahren legendär

Noch besser ging es den Jugendspielern, die sogar eine eigene Feier hatten – und was für eine! Gab es Anfang der zwanziger Jahre noch Veranstaltungen unter dem Namen „Kinderweihnachten“, die vor allem für die Mütter der jungen Kicker eine Gegenleistung dafür sein sollten, „dass Männer durch Sitzungen und Versammlungen oft von ihrer Familie ferngehalten wurden“, wurden ab 1927 echte Jugend-Weihnachtsfeiern organisiert. Im großen Saale des „Kreuzbräu“ fanden sich schon zur Premiere 900 Personen ein. Vor Ort: Spieler mit Eltern und Angehörigen, denen der FC Bayern beweisen wollte, „dass unser Verein in hohem Maße die Voraussetzungen besitzt, die an einen Sportverein mit Jugendpflege gestellt werden können“.  Davon überzeugt verließen Mamas und Papas den Saal.

Die Vorfreude auf beide Feiern war Jahr für Jahr groß, allerdings ließ die politische Lage die Feierstimmung nach und nach verschwinden. Bis zur Saison 1932/33 fanden die Weihnachtsfeiern statt, ehe sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbelebt werden konnten. Das Jahr 1950 ging hier in die Klubgeschichte ein, ab da kannte die adventliche Feierlaune keine Grenzen mehr. Die Jugendspieler trafen sich im Beisein von Präsident Kurt Landauer wieder im „Kreuzbräu“ („manchmal gingen die Wogen der jugendlichen Begeisterung so hoch, dass die Betreuer Mühe hatten, ihre Schäflein zusammenzuhalten“), während die Feiern für alle Mitglieder ab sofort für mehrere Jahrzehnte im „Löwenbräukeller“ ausgerichtet wurden. Bei der ersten Ausgabe betrug der Eintritt eine runde D-Mark, 8.800 Tombola-Lose waren in einer Viertelstunde ausverkauft – und in den Klubnachrichten stand das Fazit: „Blau ist keine Farbe, sondern ein Zustand.“

Kaiser, Jürgens, Marshall, Fendrich: Alle sangen für die Bayern

Bis 1992 fanden die Weihnachtsfeiern in den Räumlichkeiten am Stiglmaierplatz statt – und die Darbietungen konnten sich im Laufe der Jahre sehen lassen. Schon 1956 wurde von einem Programm geschrieben, „wie es schwerlich ein anderer Club auf die Beine stellen kann.“ Später gaben sich unter anderem Roland Kaiser, Peter Alexander, Udo Jürgens, Tony Marshall, Reinhard Fendrich, Otto Waalkes, Peter Kraus, Nicki und viele weitere bekannte Künstler die Ehre. Die Weihnachtsfeiern der Bayern wurden zu gefragten Großevents, die auch die Prominenz anzogen. Politiker – Stadträte wie Bundestagsabgeordnete – wurden ebenso begrüßt wie Stars und Sternchen der Münchner Szene. Ein weiterer Beleg für die steigenden Dimensionen: In den sechziger Jahren war der Tombola-Hauptgewinn ein Opel Kadett.

Dass sich die Terminierung der Feiern 1957 geändert hatte, war nur gut. Denn eine echte Winterpause gab es lange nicht. Verbands- und Freundschaftsspiele an Weihnachten waren früher keine Seltenheit. So lief man zwischen 1907 und 1973 zu 29 Spielen am sogenannten Boxing Day, dem 26. Dezember, auf. Am 25. Dezember trat man immerhin auch noch zu neun Begegnungen an. Die adventliche Party musste allerdings trotzdem einmal ganz ausfallen. Die Mitglieder staunten 1970 nicht schlecht, als sie in dem Klubnachrichten die Überschrift „Statt Weihnachtsfeier ein Frühlingsfest“ lasen. Ein Pokalspiel der Lizenzspieler in Kassel kam dazwischen, und weil die Erfahrung gelehrt hatte, dass „Weihnachtsfeiern ohne unsere erste Mannschaft nur eine halbe Sache sind“, freute man sich halt auf die wärmere Jahreszeit.

Nahbare Profis: Auf dem Rathausbalkon wie bei den Fanclubs

Jede Feier hatte ihre eigene Geschichte zu erzählen. Sie handelte in den fünfziger Jahren mal von Spielerfrauen, die ganze Maßkrüge Sekt in einem Zug leerten – und 1984 von Profis mit Gesangstalent. Gemeinsam mit dem Nymphenburger Kinderchor hatte die von Udo Lattek trainierte Mannschaft eine Schallplatte mit Weihnachtsliedern aufgenommen, die sie zunächst im „Löwenbräukeller“ und später, weil Karl-Heinz Rummenigge Wettschulden von „Wetten, dass…?“ einlösen musste, auf dem Rathausbalkon zum Besten gaben. Damals kostete die CD „Die schönste Zeit des Jahres – bekannte und neue Weihnachtslieder“ 19,- D-Mark, heute ist sie ein echter Klassiker – und das Cover eines der beliebtesten Weihnachtsexponate im FC Bayern Museum.

Nahbare Profis kommen immer gut an, das wissen auch die Fanclubs, die ab 1988 in den Weihnachtsplanungen eine große Rolle spielten. Niemand Geringerer als der heutige Triple-Trainer Hansi Flick kündigte damals im Bayern-Magazin an: „Jeder Spieler, der Präsident, die Trainer und der Manager werden jeweils eine Weihnachtsfeier eines Fanclubs besuchen. Egal wo der Fanclub ist: Wir freuen uns schon alle riesig darauf.“ 260 Fanclubs gab es damals, 150 bewarben sich. Das Los musste entscheiden.  „Von Südtirol bis in die Pfalz“, hieß es in dem Artikel, wurden die Bayern erwartet. Diese Tradition ist geblieben: In den vergangenen 32 Jahren haben die Profis und das Team ums Team hunderte Fanclubs mit ihren Besuchen glücklich gemacht.

Leider muss diese schöne Tradition in diesem Jahr ausfallen, der FC Bayern hofft, dass die Situation 2021 die Fanclubbesuche wieder zulässt.

Der Aschenbecher aus dem Jahr 1947 steht heute im Museum

„Ein Fest des Schenkens und Gebens“ ist Weihnachten, so stand es vor knapp 100 Jahren in den Klubnachrichten. Liebevolle Präsente gab es in all den Jahren, eines der ältesten erhaltenen ist heute noch im FC Bayern Museum zu sehen. Es stammt aus dem Jahr 1947 und ist vergleichsweise unscheinbar. Ein kleiner Aschenbecher, der heute in der Ausstellung im original aufgebauten Präsidiumszimmer steht. Einem Ort, an dem viel geraucht wurde – auch bei den Planungen der legendären Weihnachtsfeiern.

Das Team des FC Bayern Museums wünscht allen ein FROHES FEST!