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Geschichten rund um die Klub-WM

Exotische Gegner - seit mehr als 100 Jahren

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Es gibt mehrere tausend Exponate im FC Bayern Museum bzw. im Archiv des deutschen Rekordmeisters - jedes einzelne erzählt seine eigene Geschichte. Mit Blick auf die FIFA Klub-WM, der der der FC Bayern als amtierender Champions-League-Sieger um den Titel kämpft, stehen in dieser Woche besondere Ehrengaben im Mittelpunkt.: jene, die die Bayern bei Spielen gegen besonders exotische Gegner erhalten haben.

„Nichts wie heim!“ – das ist das Schlusswort, gedruckt in den Clubnachrichten aus dem Juli 1968. Es wirft vielleicht nicht das beste Licht auf die Reise, die Bayern-Trainer Branko Zebec mit seinem Team in der Sommerpause unternommen hatte, aber der Satz ist doch nachzuvollziehen. Ganze 17 Tage waren Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Co. vor knapp 53 Jahren unterwegs in Südamerika, von Lima ging es über Santiago nach Bogotá. Als der Tross am 25. Juni wieder in München-Riem landete, hatte die Mannschaft nicht nur vier Spiele, sondern auch mehr als 30.000 Flugkilometer in den Beinen. Ja, so ist das, wenn man als Fußballteam die große weite Welt bereist.

Wenn der Triple-Sieger bei der Klub-WM in Katar antritt, kämpft er gegen Gegner aus Asien, Afrika, der Karibik, Amerika, Südamerika und Ozeanien um den Titel der weltbesten Mannschaft. Sie muten – im Vergleich zum Alltag in der Bundesliga – ausgefallen an, der Wettbewerb hat einen besonderen Reiz. Er passt aber auch bestens in die Geschichte unseres Klubs, denn das internationale Kräftemessen hat der FC Bayern schon immer forciert. Bereits aus den ersten Jahren nach der Gründung im Jahr 1900 sind im Archiv des FC Bayern Museums Reisen zu bzw. freundschaftliche Kontakte mit österreichischen, tschechischen, schweizerischen, englischen und französischen Vereinen dokumentiert.

Die Südamerika-Reise: Ein echtes Abenteuer

Die lange Tour durch Südamerika war im Jahr 1968 dennoch Neuland. In den USA war man bereits seit 1960 einige Male länger gewesen, darüber hinaus aber gab es zu den internationalen Spielen nur Kurztrips. Und so sind die zwei Ehrengaben, die heute noch aus Kolumbien erhalten sind, doch etwas Besonderes. Die Bayern hatten sie auf dem Rückflug dabei, der über Panama-City und New York nach München-Riem ging. Außerdem im Gepäck: Eindrücke, die alle Reisenden nicht vergessen sollten.

96.000 D-Mark hatten allein die 22 Flugscheine gekostet, mehr als 400 Kilogramm Gepäck wurden geladen. Und was mit einer Flugzeug-Panne auf dem Hinweg in New York begann, entwickelte sich weiter zum echten Abenteuer. Im Reisetagebuch, das Mitglied – und Lufthansa-Mitarbeiter – Fritz Meusel in den Clubnachrichten führte, zeigte sich das Team „erschüttert über die Armut“. Es war eine andere Welt, in die die Bayern eintauchten. Was aber überraschte: Dass die Stadien sowohl in Peru als auch in Chile und Kolumbien topmodern waren, ein Zeichen der besonderen Stellung des Fußballs in Lateinamerika. Ein Unentschieden und drei Siege gab es vor Ort, obwohl die Akklimatisierung schwerfiel und das Team in der Halbzeit in Bogotá sogar Sauerstoff tanken musste. Fazit: aufreibend, anstrengend – und hochinteressant.

Vernetzt waren die Bayern stets gut, auch Kontakte nach Südamerika gab es schon lange. Bereits in den zwanziger Jahren hatte es Begegnungen in München gegeben. Der heutige deutsche Rekordmeister war zwar von Beginn an in der bayerischen Landeshauptstadt verwurzelt, aber weltoffen – und auf der ganzen Welt geschätzt. Das zeigt nicht nur ein Blick in die „Schatzkammer“ im FC Bayern Museum, in der Pokale, Ehrengaben, Medaillen, Wimpel und Andenken von diversen internationalen Partien ausgestellt sind. Sondern auch einer ins Archiv, in dem es eine ganze Menge an Statistiken, Exponaten und Anekdoten aus Spielen gegen besondere Gegner zu finden gibt.

Auch in Arabien geliebt: Franck Ribéry mit einem Fan im traditionellen Dischdascha.

Nach Katar ging es schon vor mehr als 30 Jahren

Ein weiteres Beispiel: Bahrain und Katar 1987. Damals war die Winterpause – ganz anders als in der aktuellen Saison – ganze 77 Tage lang. Also fast ein Vierteljahr, das man nutzen wollte. Im Trainingslager bei 25 Grad gab es laut Bayern-Magazin „beste Bedingungen und Gastgeber, die unserer Mannschaft jeden Wunsch von den Augen ablasen. Sportlich standen gegen die Auswahl der Golfstaaten in Bahrain (5:1) sowie zwei Tage später gegen den Katar Sportclub (3:3) ein Sieg und ein Remis zu Buche.

Wohl niemand hätte damals daran gedacht, dass man rund 20 Jahre später regelmäßig in Doha gastieren würde. Seit 2011 nutzt der FC Bayern inzwischen im Winter die optimalen Bedingungen auf der „Aspire Academy“ der katarischen Hauptstadt. Vom ersten Trip dieser Art unter Coach Louis van Gaal gibt es nicht nur lustige Fotos – unter anderem von einem Scheich, der Frank Ribéry auf den Kopf küsst –, sondern auch eine Ehrengabe der Partie, die die Bayern gegen den Al-Wakrah SC mit 4:0 gewannen.

Manchmal hat auch das Los exotische Gegner parat

Freundschaftsspiele gab es jeher in aller Herren Länder. In Tunesien waren die Bayern schon 1979 (0:0 gegen die Nationalelf), in Finnland 1989, nach Mexiko (6:5 i.E. gegen Inter de Tijuana) und Kolumbien (0:0 gegen die Nationalelf) ging es 1990 bzw. 1991, also zehn Jahre, bevor man 2001 auf Malta (3:1) gastierte. Auch eine Reise nach Teheran (2006) – gegen dessen Auswahl schon 1972 gespielt worden war – sowie Trips nach Japan (2006/2008) und Indien (2008) standen an, ehe vor einigen Jahren die Audi Sommer Touren in die USA bzw. nach China etabliert wurden. Und manchmal hat auch das Los in den europäischen Pokalwettbewerben Gegner parat, auf die man nicht alle Tage trifft.

So geschehen zum Beispiel im Jahr 1989, als im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister Nentori Tirana aus Albanien wartete. Die Ehrengabe des Rückspiels (3:0) kommt vergleichsweise unscheinbar daher, die Schlagzeilen im Bayern-Magazin waren dafür umso plakativer. „Das Viertelfinale winkt“ stand in großen Lettern über der Vorschau auf das Hinspiel. Man ging optimistisch ins Duell mit Albaniens Meister, wenngleich Trainer Jupp Heynckes seinem Team den Satz „Wehe, wer nicht kämpft…!“ mit auf den Weg gab. Zum ersten Mal überhaupt gastierte Nentori Tirana in Deutschland, zum ersten Mal aber auch die Bayern in Albanien. Neben der obligatorischen Gegnervorstellung gab es im Magazin auch die Rubrik: „Das ist Albanien.“ Und obwohl das Rückspiel bei Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe noch nicht ausgespielt war, schrieb Präsident Fritz Scherer: „Ich bin mir sicher, dass wir den Einzug ins Viertelfinale erreicht haben.“ Er sollte Recht behalten.

Abenteuer im Europacup: 1989 messen sich Klaus Augenthaler und der FCB im Achtelfinale mit Albaniens Meister.

Die Boca Juniors sind gute alte Bekannte

Etwas umkämpfter ging es da stets bei den Spielen um den Weltpokal bzw. seit 2005 der Klub-WM zu. Das bis dato letzte Finale gewann unser Klub 2013 in Marrakesch mit 2:0 gegen Raja Casablanca, 1976 triumphierte das Team von Dettmar Cramer (2:0/0:0) im Weltpokal gegen Cruzeiro Belo Horizonte. Vom zweiten Sieg dieses Wettbewerbs im Jahr 2001 steht die Ehrengabe – eine Statuette eines Gauchos – heute im Museum. Das 1:0 n.V. gegen die Boca Juniors hatten in Tokio 51.360 Zuschauer verfolgt, also 41.360 mehr als im Jahr 1925. Damals duellierte man sich mit den Boca Juniors (1:1) auf dem Platz an der Münchner Lerchenauer Straße, nicht im japanischen Nationalstadion. Wieder so eine schöne Geschichte aus den Tiefen des Archivs.

Ehrengaben rund um den Globus gibt es in der "Schatzkammer" im FC Bayern Museum zu bestaunen.