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Münchner Medaillenjäger

Münchner bei den Olympischen Spielen

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Seit 1908 haben zahlreiche Mitglieder des FC Bayern unseren Verein erfolgreich bei den Olympischen Spielen vertreten – und das weit über den Fußball hinaus.

Einen Pfundskerl, im wahrsten Sinne des Wortes, konnte man beim FC Bayern in den fünfziger Jahren bei jedem Heimspiel sehen. Ganze 248 Pfund – oder anders: 124 Kilogramm – brachte der begeisterte Sportsmann Lorenz Nieberl auf die Waage. Er füllte freilich ein wenig mehr Raum als geplant im Stadion an der Grünwalder Straße aus, aber der FC Bayern wollte da nicht so sein. „Obwohl ,Lenz‘ in Folge seiner Konstitution zwei Plätze benötigt, gibt sich der Verein entgegenkommenderweise mit der Bezahlung von nur einer Tribünen-Jahreskarte zufrieden“, steht in den „Clubnachrichten“ aus dem Jahr 1951 geschrieben. Man wollte diesen Mann doch gerne dabeihaben. Man war stolz auf ihn.

Nieberl († 1968) hatte vielleicht nicht die klassische Statur eines Vollblut-Sportlers, vor allem wenn man die grazilen Fußballer auf dem Feld mit ihm verglich, aber: „Er wiegt 248 Pfund und ist dabei nicht mal ungelenkig“, hieß es. Zunächst Radfahrer, dazu Freizeit-Fußballer und später dann, in den „fetten Jahren“, Bobfahrer. Weltmeister im Zweier und Vierer wurde das Bayern-Mitglied – er trat dem Verein, seiner heimlichen Liebe, direkt nach Ende des Zweiten Weltkrieges bei – schon 1951. Bei den Olympischen Spielen in Oslo ein Jahr später dann saß die Bayern-Familie gebannt vor dem Radio. Mit der Startnummer 11 und auf dem Schlitten namens „Cognac“ lenkte Pilot Anderl Ostler sowohl den großen als auch den kleinen Schlitten mit Bremser Nieberl als Schnellster durch die Bahn. Die erste deutsche Goldmedaille im Eiskanal nach 16 Jahren erfreute eine ganze Nation – und den FC Bayern ganz besonders.

Nieberl ging zwar nie für unseren Verein an den Ball, aber man war sich sicher: „Wenn er leichtfüßig den Schlitten anschiebt und hier schon wertvolle Bruchteile von Sekunden herausholt, dann merkt man, dass Lenze einmal hinter dem Ball herjagte.“ So wie zahlreiche andere Mitglieder, die olympische Geschichte geschrieben haben. Und somit die Farben des FC Bayern in gewisser Weise weit über den Fußball hinaus beim größten Sportfest der Welt vertreten haben.

Pilot Anderl Ostler und sein Anschieber Lorenz Nieberl mit ihrem Bob „Cognac“ am Start in Oslo.

Bis heute ein Begriff: Ehrenmitglied Hanns Braun

Da wäre zum Beispiel Hanns Braun († 1918), ehemals Leichtathlet und Bildhauer, dazu Ehrenmitglied des FC Bayern. Weil sein Vater ein Faible für Sport hatte, war er schon im Jahr 1902 Mitglied beim MSC, stürmte als Rechtsaußen und trat im Jahr 1906 der „F.A. Bayern im Münchner SC“ bei. Er war ein Bayer der ersten Stunde, er war pfeilschnell, und er war – wie in den „Clubnachrichten“ stand – „einer der größten Sportmänner unseres Clubs und unserer lieben Stadt München“. Kein Wunder also, dass es Braun, der zwischen 1907 und 1912 einen Weltrekord und 15 Deutsche Rekorde erzielte, zu den Olympischen Spielen zog. Als 22-Jähriger gewann er 1908 in London im Mittelstreckenlauf über die 800 Meter die Bronzemedaille, vier Jahre später holte er in Stockholm Silber über die halbe Distanz.

Braun hatte hohes Ansehen in München, als Sportler wie Künstler, er passte zum FC Bayern, der in den Anfangsjahren als „Künstlerklub“ galt. Sein Tod im Ersten Weltkrieg kam viel zu früh, das Andenken im Sport jedoch wird ihm bis heute bewahrt. Im Olympiapark wurde eine Brücke nach ihm benannt, diverse Straßen und Plätze tragen zudem seinen Namen. In der Zeit von 1941 bis 1945 kannte man sogar das heutige Städtische Stadion an der Grünwalder Straße in München unter der Bezeichnung „Städtische Hanns-Braun-Kampfbahn“. Auch einige Preise und Wettbewerbe heißen „Hanns Braun“.

Dr. Nußbaum holt das erste Gold

Braun war der erste Medaillengewinner des FC Bayern, die erste goldene Plakette jedoch brachte Dr. Moritz Nußbaum 20 Jahre später mit nach München. Seit 1925 war der Wassersportler Vereinsmitglied, 1927 wurde er als Sportreferent im Schwimmverband auch Leiter der Wasserballnationalmannschaft. Im Gegensatz zu den vier Fußballern Pöttinger, Hofmann, Kutterer und Naglschmitz – sie schieden mit der Nationalelf bereits im Viertelfinale gegen den späteren Turniersieger Uruguay aus – kehrte Nußbaum als Olympiasieger von den Spielen 1928 zurück. Nach dem Finalsieg gegen den großen Favoriten Ungarn wurde er, der Trainer, als Vater des Olympiaerfolgs gefeiert, seine Ruhe, Besonnenheit und Unerschütterlichkeit als Schlüssel genannt. Der Arzt jüdischer Herkunft praktizierte in München und prägte den Deutschen Schwimmverband, fungierte als Generalsekretär des Weltschwimmverbands FINA, bis die Machtübernahme der Nationalsozialisten zu tragischen Zäsuren in seinem Leben führte. Als Arzt wurde ihm die Zulassung entzogen, im Sport musste er von seinen Funktionärsposten zurücktreten. Er starb 1935 unter ungeklärten Umständen im Sanatorium in Konstanz, in der Wasserball-Szene ist er heute weitgehend vergessen: Der galvanisierte Endspiel-Ball von 1928 jedoch wird bis heute als Wanderpokal jährlich an den Deutschen Wasserballmeister übergeben. Auf dem Marmorsockel der Trophäe steht auch der Name des FC Bayern-Mitglieds „Dr. Moritz Nußbaum“.

Kreisel und Wild: Die Bayern auf dem Eis

Dass ein guter Sportler auf jedem Terrain funktioniert, hat Bayern-Mitglied Franz Kreisel († 1960) bewiesen. Denn der Mann, der das Tor unseres Vereins ab 1911 hütete und zwischen 1915 und 1916 sogar Kapitän war, wechselte nach seiner erfolgreichen Zeit im Fußball die Sportart. Im Alter von 33 Jahren war er Mitbegründer der Eishockey-Abteilung vom SC Riessersee, 1927 gewann er die Deutsche Meisterschaft, 1928 ging er in St. Moritz für die Nationalmannschaft an den Start, 1930 holte er WM-Silber. Im selben Jahr kam Karl Wild († 1975) vom MEV München nach Riessersee. Das nächste Bayern-Mitglied mit olympischer Geschichte.

Sechs Deutsche Meisterschaften, mehr als 500 Tore, Olympiateilnehmer 1952. Und als Wild später Trainer der Nationalmannschaft bei den Spielen 1960 in Squaw Valley war, trat er diesen Job als ehemaliger Präsident des FC Bayern an. Denn weil auf der Generalversammlung am 21. März 1955 kein Nachfolger bei der Neuwahl des Vorstands gefunden worden war, hatte der Tausendsassa kommissarisch als Vorstand übernommen. Einen knappen Monat lang stand die Eishockey-Ikone in der wohl schwierigsten Zeit der FC Bayern-Historie an der Spitze unseres Klubs.

Simmelbauer, Nguyen und Dauser: Die Bayern-Turner

Nicht ganz so wild und dynamisch, sondern anmutig und grazil vertraten die Turner den FC Bayern bei den Olympischen Spielen. Der Mühldorfer Bernhard Simmelbauer nahm 1984 und 1988 teil, Marcel Nguyen, der für den FC Bayern einst in der Bundesliga antrat, konnte das noch toppen. Die fünfte Olympiateilnahme ist dem gebürtigen Münchner und zweifachen Silbermedaillen-Gewinner von London 2012 heuer nur verwehrt geblieben, weil er sich in der Vorbereitung das Kreuzband riss. Ein ehemaliger Bayer ist dennoch in Tokio am Start: Lukas Dauser führt das Aufgebot des Deutschen Turner-Bundes (DTB) an.

Ein Pfundskerl übrigens ist er nicht. Im Gegenteil. Er wiegt in etwa die Hälfte von Lorenz Nieberl.