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Amüsanter Rückblick: So liefen US-Reisen früher…

Schon 1966 ging es für Bayern in die USA

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Der Countdown läuft: Am 18. Juli bricht der FC Bayern zu seiner siebten Audi Summer Tour auf. Endlich wieder „On the road“, endlich wieder nah- und greifbar. Zum inzwischen fünften Mal geht es für den deutschen Rekordmeister in die USA, unter anderem in die Hauptstadt Washington. Es warten zwei Testspiele und ein straffes Programm – aber: Im Vergleich zu früheren Reisen über den großen Teich ist es noch sehr human.

Der moderne Fußball denkt international, der FC Bayern hat Fans auf der ganzen Welt – und die großen Trips samt ihrer teils hochkarätigen Testspiele sind heute bestens eingebettet in den Trainingsplan. Ein Blick in die Geschichtsbücher und das Archiv des FC Bayern Museums zeigt, dass das früher anders war. Ein passendes Beispiel bietet der USA-Trip, den die Bayern im Jahr 1966 antraten. Kurz zusammengefasst: 22 Tage, neun Spiele.

Im Flugzeug hieß es: Erstmal richtig ausschlafen

Die Reise startete am 6. Juni, gerade mal zwei Tage nach dem Pokalsieg gegen den Meiderischer SV (4:2). Urlaub? Gab es erst später. Es ging gleich weiter. Am Flughafen in München-Riem verabschiedeten sich die Bayern-Stars von ihren Familien. „Töchterchen Karin genoss noch die Minuten auf dem Arm von Papi Rainer Ohlhauser“, stand in einer Münchner Zeitung geschrieben. Jede Minute war kostbar – denn die Bayern blieben ganze drei Wochen in den USA. Der Wunsch, den die Spieler mit ins Flugzeug nahmen: „Erst mal richtig ausschlafen.“

Stilecht mit Cowboy-Hut: Trainer Zlatko „Tschik“ Cajkovski bei Kofferausgabe kurz nach der Landung in den USA.

Das war nötig, denn die Pokalfeierlichkeiten hatten sich gezogen – und in Amerika wartete ein Mammut-Programm. Von Kalifornien über die Großen Seen, einem kurzen Abstecher nach Kanada bis nach New York führte die Sommertour mit Trainer Tschick Cajkovski . Für das Team, das ohne die beiden Nationalspieler Sepp Maier und Franz Beckenbauer unterwegs war, standen drei Wochen ohne Ruhe an. Zum Start spielte man 2:2 gegen Celtic Glasgow – aber eine Massenschlägerei überschattete die Premieren-Partie. „USA-Start mit Riesenkrawall“, „raue Luft in San Franciso“ – die Schlagzeilen drehten sich am Tag darauf nicht um rein sportliche Belange.

Nächste Station: 3:3 gegen Orange County in Los Angeles. Ein munteres Spielchen mit einer Kuriosität: Trainer Cajkovski schnürte die Schuhe, wechselte sich selbst ein und schoss prompt ein Tor. In der Zeitung hieß es am Tag danach: „Der Jubel war verfrüht. 100 Sekunden später fiel nämlich schon das 3:3.“ Und für den Coach gab es ein Nachspiel. Da der Jugoslawe in Vereinsbegegnungen nicht spielberechtigt war, schaltete sich der DFB ein. Später wurde er von der FIFA gesperrt.

„A wunderbarer Urlaub“? Wie man’s nimmt

Für die Bayern ging es weiter, unter anderem mit Spielen gegen Atlas Guadalajara, Tottenham Hotspur, den AC Turin (beide gleich zwei Mal), St. Louis White Star und die Amateur-Auswahl Milwaukee. 9:0 endete die Partie gegen das Team, das sich „Bavarian Blue Ribbons“ nannte.

Am 1. Juli schließlich, nach mehr als drei Wochen, kamen die Bayern wieder in Riem ein. Sie zückten ihre Texanerhüte, als sie mit 45 Minuten Verspätung landeten. Sogar Cajkovski schwärmte: „Amerika war schön, Amerika war interessant.“ Und er gab zu, dass der Markt in den USA ernst zu nehmen sei: „Mir wurde als Trainer ein 100.000-Dollar-Angebot gemacht.“ Er hatte es natürlich abgelehnt.

Für die Spieler ging es nach dem strapaziösen Trip übrigens direkt in den Urlaub. 19 Tage lang, dann begann die Vorbereitung auf die nächste Saison. Wobei Peter Kupferschmidt über den US-Trip sowieso gesagt hatte: „A wunderbarer Urlaub war des.“ Wie man’s nimmt…

Alle Informationen zur Audi Summer Tour 2022 gibt es hier: 

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