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Der Titelhamster

Mehmet Scholl

15 Jahre lang verzückte Mehmet Scholl in München die Massen, war der absolute Superstar und Publikumsliebling. Er bestritt 469 Pflichtspiele und erzielte dabei 117 Tore. Doch auch die Ära Scholl geht einmal zu Ende. Nach 17-jähriger Profi-Laufbahn gab der 36-Jährige am 15. August 2007 seinen letzten Auftritt auf der großen Fußball-Bühne.

Sein Abschiedsspiel gegen den FC Barcelona in der Allianz Arena war noch mal ein letztes Highlight seiner aktiven Karriere. Viele der 69.000 Zuschauer hielten Dankes-Plakate in die Höhe. „Es war uns eine Ehre, Mehmet“, stand auf einem riesigen Spruchband geschrieben. Selbst Ronaldinho, der Kapitän des FC Barcelona, hatte ein kleines Geschenk dabei. „Es ist nicht selbstverständlich, dass ich mein letztes Spiel mache und Barcelona taucht hier auf. Da muss ich mich beim FC Bayern bedanken“, sagte Scholl.

Ein Freund des Vereins

Bedanken wollte sich aber vor allem der Verein bei seinem Ausnahmespieler.  Uli Hoeneß war voll des Lobes für seinen Schützling, der sich außerhalb des Fußballplatzes meist im Hintergrund hielt. „Mehmet war immer ein Freund des Vereins. Er hat immer alles gegeben und bei Vertragsverhandlungen gab es nie ein Gefeilsche. Er war schon ein ungewöhnlicher Profi und ein unglaublicher Sympathieträger für Bayern München.“

Der Sympathieträger war zugleich auch Titelhamster: Insgesamt 21 Titel holte er beim Rekordmeister: Acht Mal wurde er Deutscher Meister (Rekord! / 1994, 1997, 1999, 2000, 2001, 2003, 2005, 2006), fünf Mal Pokalsieger (1998, 2000, 2003, 2005, 2006), ebenfalls fünf Mal gewann er den Ligapokal (1997, 1998, 1999, 2000, 2004), einmal den Uefa-Cup (1996), je einmal die Champions League (2001) und den Weltpokal (2001).

Überleben im Haifischbecken

Der sportlich bedeutendste Titel war der Triumph in der Champions League (2001). Im selben Jahr setzte Scholl mit dem Sieg beim Weltpokal seiner erfolgreichsten Saison die Krone auf. Welcher Titel der Schönste war, da will sich der Mittelfeldspieler aber nicht festlegen. „Mein größter Erfolg war Bayern. Dass ich es 15 Jahre geschafft habe, in diesem Zirkus Fußball zu spielen und nicht in diesem Haifisch-Becken gefressen zu werden“, sagt er.

An einen Wechsel ins Ausland hat Scholl nie gedacht. Vielleicht auch ein Grund, warum ihn die Bayern-Fans vergöttern. Selbst einem lukrativen Angebot des FC Barcelona konnte er 1996 widerstehen. „Ich habe das Land Bayern und seine Menschen lieben gelernt. Es wäre töricht gewesen, wegen ein bisschen mehr Geld oder ein bisschen Ruhm woanders hinzugehen. Ich bin glücklich, dass ich das hier so lange durchgezogen habe“, sagt Scholl, dessen Stern einst 1989 beim Karlsruher SC aufgegangen war.

Von Verletzungen gestoppt

Die große Karriere in der Nationalmannschaft blieb dem begnadeten Techniker allerdings verwehrt. Zwar wurde er 1996 Europameister, an einer Weltmeisterschaft nahm er jedoch nie teil. Immer wieder kamen im letzten Moment Verletzungen dazwischen. „Die Tiefen waren tiefer, als die Höhen hoch“, sagt Scholl heute mit Blick auf sein Krankenblatt. Wehmütig ist er nicht. „Wenn ich die 15 Jahre Revue passieren lasse, dann sind da so viele positive Dinge, so viele Sachen, die ich lernen durfte. Dinge, die einen fürs Leben stärken. Alles in allem möchte ich nichts missen.“