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Rotwild

Philipp, Du bist der Größte!

Man muss kein Hüne sein, um ein Riesenfußballer zu werden! Das hat Philipp Lahm als einer der größten, besten und erfolgreichsten Spieler in der Geschichte des FC Bayern jahrelang bewiesen. Wobei Größe ohnehin relativ ist. Wir haben Philipp mit neun stattlichen Münchner Bauwerken mit einer Gesamthöhe von 661,89 Meter verglichen. Ergebnis: Unser Kapitän kann mit der imposanten Konkurrenz locker mithalten, und übertrifft Bavaria, Dom oder Siegestor in vielerlei Hinsicht. Fazit vorab: Philipp, Du bist der Größte!​

Bavaria (18,52 Meter): Die Bronzestatue über der Theresienwiese ist die Patronin Bayerns, also quasi unsere Mannschaftskapitänin – und somit eine Amtskollegin von Philipp. Aber mit dem Material fangen ihre Schwächen bereits an. Mit Bronze, also mit Platz drei, hat sich ein Philipp Lahm nie zufriedengegeben. Die Trophäen, die er in die Luft gestemmt hat, waren mindestens aus Silber, wenn nicht sogar aus Gold. Apropos „gestemmt“: Die Pokale, die ein Lahm hochgehoben hat, waren dermaßen schwer, dass er dafür immer zwei Hände gebraucht hat. Ein Eichenkranzerl mit links hochzuheben, wie die Bavaria, hätte ihm nie gereicht. Auch sonst ist Philipp der Bavaria deutlich überlegen: Sie besteht aus vier Güssen, während unser Weltmeister immer wie aus einem Guss gespielt hat. Der Bau der 1850 eingeweihten Bavaria kostete 286.346 Gulden – heute umgerechnet 15,9 Millionen Euro. Da kam der junge Philipp 1995 für drastisch weniger Geld von der FT Gern zum FC Bayern. Er war im Gegensatz zur Bavaria ein Schnäppchen. Einen entscheidenden Vorteil hat die Bavaria: Sie wurde 2002 komplett saniert, und steht seitdem wieder da wie neu. Das funktioniert bei einem Fußballer leider nicht. Ihre größte Schwäche wurde damals aber nicht behoben: Was bitteschön, soll ein Löwe zu Füßen einer so erstklassigen Statue?

Olympiaturm (291 Meter): Der lange Spargel, der auf unser gutes altes Olympiastadion runterschaut, ist zwar beeindruckend groß. Er wirkt dennoch unbeweglich und statisch, im Gegensatz zu Philipp Lahm. Kein Wunder: Der Olympiaturm besteht aus Beton – ein Material, das bei Philipps hochmoderner Defensivarbeit nie zum Einsatz kam. Bei Wind schwankt der Turm um mehrere Meter. Unsere Nummer 21 hat nie geschwankt. Bis sich das Restaurant auf 181 Metern Höhe einmal um die eigene Achse gedreht hat, dauert es ewig lange 53 Minuten, also länger als eine Halbzeit in der Allianz Arena – gar kein Vergleich mit Philipps blitzschnellen Drehungen auf dem Spielfeld. Parallelen zwischen Olympiaturm und Philipp Lahm gibt es auch: Beide haben ganz feine Antennen. Und für beide gilt: Spitze rot-weiß!

Friedensengel (29 Meter inklusive Säule): Der Friedensengel am Ende der Münchner Prinzregentenstraße ist genau genommen gar kein Engel. Und er steht auch nicht für den Frieden, sondern zeigt die griechische Siegesgöttin Nike, was beim FC Bayern als langjährigem Adidas-Partner nicht besonders gut ankommt. Aber das ist ein anderes Thema. Beim Namen „Friedensengel“ handelt es sich jedenfalls um massiven Etikettenschwindel. Der wahre Pazifist, quasi unser Friedens(b)engel, ist Philipp Lahm. 385 Bundesligaspiele (die heutige Partie gegen Freiburg mit eingerechnet), 112 Champions-League-Spiele – und dabei keine einzige gelb-rote oder rote Karte – friedlicher geht’s nicht!

Dom (98,57 Meter): Die Größenangabe der Münchner Frauenkirche stimmt nur zur Hälfte. Während es der Nordturm auf besagte 98,57 Meter bringt, ist der Südturm nur 98,45 Meter hoch. Hier bemerkt man den ersten großen Unterschied zu Philipp Lahm: Sein Fußballspiel war immer gleichbleibend groß. Der Dom bietet 20.000 Menschen Platz – nicht schlecht, aber vor so wenigen Zuschauern hat Philipp nur selten Fußball gespielt. Jörg Ganghofer, der Baumeister des Doms, hat es übrigens zu einer eigenen Straße gebracht. Und auch das hat unser Kapitän längst geschafft: Die Lahmstraße liegt in Michelau in Oberfranken, München zieht garantiert irgendwann nach.

Christbaum auf dem Marienplatz (26 Meter): Der traditionelle Münchner Christbaum leuchtet nur einmal im Jahr, während Philipp Lahm ganzjährig geglänzt hat. Auch in Sachen Verpflegung gibt es wichtige Unterschiede: Wenn der Christbaum auf den Marienplatz runterschaut, müssen sich frierende Menschen mit pappsüßem Glühwein aufwärmen. Wenn Philipp Lahm auf den Marienplatz runterschaut, alljährlich vom Rathausbalkon aus, lassen es die Bayern-Fans mit Paulaner krachen, ihnen ist warm, und sie haben eine Riesengaudi. Meistens schaut der Münchner Christbaum außerdem so zerrupft aus wie der HSV nach einem Spiel gegen den FC Bayern. So windschief und mitgenommen kam ein Lahm nie daher. Er war immer ein ganzer Kerl, und stand gerade wie ein Baum.

Wiesn-Riesenrad (50 Meter): Das Riesenrad auf dem Oktoberfest ist das größte transportable Riesenrad der Welt, hat aber gegenüber Philipp Lahm einen entscheidenden Nachteil. Denn kaum ist man oben, geht es auch schon wieder abwärts. Das ist Philipp nie passiert. Außerdem wird das „Wiesnrad“ traditionell von der Münchner Firma Willenborg betrieben. Ein Lahm musste sich seinen eisernen Willen nie borgen, den hatte er von Anfang an. Gemeinsamkeit von Philipp und dem Riesenrad: eine rundum runde Sache!

Siegestor (24 Meter): Hier müssen wir einen wunden Punkt unseres Kapitäns ansprechen. Denn Siegestore hat Philipp Lahm recht wenige geschossen. 14 Tore waren es in der Bundesliga, null Tore in der Champions League. Jeder Bayern-Fan in der Südkurve kann mit Fug und Recht behaupten: „Oida, ich hab in der Champions League genauso viele Tore geschossen wie Philipp Lahm.“ Das Dach des Siegestors in München ziert übrigens eine Quadriga. Hier hat Philipp wieder mal die Nase vorn. Denn ihm ist so gut wie nie jemand aufs Dach gestiegen.

Chinesischer Turm (25 Meter): Münchens berühmteste chinesische Pagode steht seit 1792 im Englischen Garten und hält keinen Pokal hoch. Philipp Lahm stand 2013 in einem englischen Stadion und hielt einen Pokal hoch – das hat uns noch wesentlich besser gefallen. Außerdem handelt es beim Chinesischen Turm um eine Kopie, die nach dem Krieg komplett neu gebaut wurde (immer diese Chinesen!). Ein Lahm dagegen war immer ein Original. Und noch ein Unterschied: Die Aussicht vom Chinaturm ist schlecht, weil die umgebenden Bäume seit der ersten Errichtung im 18. Jahrhundert dramatisch gewachsen sind. Seine ursprüngliche Aufgabe als Aussichtsplattform hat der Chinesische Turm damit dramatisch verfehlt. Bei einem klugen Kopf wie Philipp Lahm sind die Aussichten, ob als Unternehmer oder irgendwann doch beim FC Bayern, dagegen prächtig. Eine Parallele gibt es auch: Der chinesische Turm ist – genau wie Philipp Lahm auf dem Spielfeld – immer mit der Zeit gegangen, und dient bereits seit 2002 als einer der ersten Münchner WLAN-Hotspots.

Fröttmaninger Windrad (99,80 Meter): Das Windradl gegenüber der Arena, auf der anderen Seite der A9, ist im Gegensatz zu Philipp Lahm eine absolute Diva. Wenn der Wind zu stark bläst, dreht sich’s nicht. Wenn Eisbildung droht oder der Lärm durch die Rotoren zu viel wird, dreht sich’s nicht. Und wenn bei einem bestimmten Sonnenstand Schatten auf die Autobahn fallen würden, dreht sich’s auch nicht. Deshalb beträgt die Auslastung insgesamt nur 17,5 Prozent. Der Philipp ist da unkomplizierter, er war immer zu 100 Prozent ausgelastet. Und man stelle sich vor, er hätte nicht gespielt, wenn die Sonne blöd steht, wenn der Wind zu fest weht, oder wenn es zapfig kalt ist. Undenkbar. Deshalb gilt: Lieber Philipp Lahm als das Windradl! Zumal Wind machen eh nie die Sache unseres Kapitäns war.

Fotos: Privat (2), 123rf (1), Wikipedia (6)