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Franck Ribery

Der mit den Wölfen tanzt

Eigentlich konnte das gar nicht gut gehen. Vier Mann hatten sich vor Franck Ribery aufgebaut und dem Franzosen den Weg in den Strafraum zugestellt. Doch Ribery entschied sich trotzdem, es entgegen jeglicher Logik auf eigene Faust zu probieren und setzte zum Tempodribbling an. Nicht überraschend blieb er beim vierten Mann, Linksverteidiger Peter van der Hayden, hängen. Dieser aber ließ den Ball zu weit von Fuß springen, Ribery spritze dazwischen und spielte dann im Strafraum quer auf Miroslav Klose, der zum 1:0 verwandelte.

Beim zweiten Bayern-Tor an diesem Nachmittag war Ribery Vorbereiter und Vollstrecker zugleich. 25 Meter vor dem eigenen Tor stahl er Marcelinho den Ball, ließ dann Krzynowek mit einem Hackentrick ins Leere laufen und leitete selbst den Konter ein. Nach zwei schnellen Pässen mit Hamit Altintop durchs Mittelfeld stand er frei vor Jentzsch und schob dem Wolfsburger Keeper zur Krönung dieses Musterkonters den Ball auch noch durch die Beine ins Tor.

Riberys Rekordablöse zahlt sich aus

Kein Zweifel: der Sieg des FC Bayern am 14. Spieltag gegen den VfL Wolfsburg muss man ganz eng mit dem Namen Franck Ribery in Verbindung bringen. „Franck ist schon Weltklasse. Er hat sensationell gespielt und uns mit zwei Einzelaktionen geholfen, drei Punkte zu holen“, lobte Trainer Ottmar Hitzfeld den Matchwinner an diesem Nachmittag. „Was Ribery kann, hat man heute wieder gesehen. Das war schon toll“, dürfte sich Manager Uli Hoeneß wieder einmal bestätigt gefühlt haben, eine Rekordablöse für den pfeilschnellen Mittelfelddribbler nach Marseille überwiesen zu haben.

Denn Ribery ist kein Spieler, der in ein bestimmtes Muster zu pressen ist, dem man wohl aber auch nur schwer ein taktisches Konzept aufzwingen kann. Meist auf der linken Mittelfeldseite anfangend, findet man ihn im Laufe der Partie in nahezu allen Bereichen des Spielfelds wieder. Sein Markenzeichen sind diese unwiderstehlichen Sololäufe im TGV-Tempo durchs Mittelfeld und in den gegnerischen Strafraum hinein. „Es wäre ein Fehler, ihm diese Leichtigkeit wegzunehmen. Er lebt von seiner Schnelligkeit und seinem Spielwitz, davon profitieren wir alle“, betonte Klose. Altintop ergänzte: „Man kann sich nur gut verstehen mit ihm, weil er eine unheimliche Spielfreude hat.“

Standing Ovations für Ribery

Chefcoach Hitzfeld weiß jedenfalls nur zu gut, was er an seiner Nummer sieben hat. Vor dem Spiel gegen Wolfsburg hatte er sich extra noch mal mit Ribery zu einem Einzelgespräch zusammengesetzt. Und ihm dabei wohl ermuntert, seiner Spielweise weiter treu zu bleiben. „Seine Sololäufe sind einmalig in der Bundesliga“, sagte Hitzfeld, der bis zum Samstagmorgen um den Einsatz des 24-Jährigen hatte zittern müssen. Ribery war angeschlagen vom Länderspiel mit Frankreich in der Ukraine zurückgekehrt. „Müller-Wohlfahrt hat alles getan, damit er spielen konnte“, berichtete Hitzfeld.

Der Einsatz des Bayern-Docs hat sich jedenfalls gelohnt. „Franck ist ein wichtiger Mann für uns. Ich bin froh, dass er spielen konnte und dann so aufdrehte“, sagte Hitzfeld. Als er ihn in der 86. Minute für Toni Kroos auswechselte, erhob sich das ganze Stadion und begleitete Ribery mit donnerndem Applaus zur Seitenauslinie. Auch während des Spiels erntete der Franzose für seine Aktionen immer wieder „Standing Ovations“ der 69.000. Ribery war der Mann, der mit den Wölfen tanzte.

Erstes Tor in der Allianz Arena

„Dieser Sieg war wichtig für den Klub und die Spieler, um das Selbstvertrauen zurück zu gewinnen. Wir sind sehr glücklich, dass wir diese drei Punkte geholt haben“, sagte er selbst später in den Katakomben der Allianz Arena. In der war Ribery bis dahin als Torschütze stets leer ausgegangen. „Ich bin glücklich, dass ich jetzt mein erstes Tor in der Allianz Arena machen konnte“, sagte er. Es wird bestimmt nicht sein letztes gewesen sein.

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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