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'Sehr positive Entwicklung'

Schweinsteiger macht den nächsten Schritt

Wenn jemand am Dienstagabend Statistik geführt hätte, dann wäre Bastian Schweinsteiger in der Kategorie „Torschüsse“ sicherlich ganz weit vorne aufgetaucht. Mehr als eine halbes Dutzend Mal hatte es der 24-Jährige versucht, Oliver Kahn in seinem Abschiedsspiel zu überwinden. „Er wollte mir unbedingt und mit allen Mitteln einen reinhauen: Einmal ins kurze Eck, einmal als Flatterball - er hat alles versucht, aber ich war einfach zu fit“, sagte Kahn später, und musste dabei selber lachen.

Kahn und Schweinsteiger - so unterschiedlich die beiden als Mensch auch waren, verband sie trotzdem mehr als nur gemeinsam in einer Mannschaft Fußball zu spielen. Kahn hat die Entwicklung des 15 Jahre jüngeren Teenie-Schwarms immer ganz genau beobachtet und auch kritisch hinterfragt. Was er sagte, fand bei Schweinsteiger oft Gehör.

Reifeprozess durch 'Achterbahn-EM'

Umso mehr Gewicht haben die Worte, die der „Titan“ nach seinem Abschiedsspiel über Schweinsteiger gesagt hat. „Er ist ehrgeizig und hat für mich in der letzten Zeit mit den größten Schritt gemacht“, lobte der scheidendende FCB-Schlussmann das bayrische Eigengewächs: „Er ist sehr spielbestimmend und reift so langsam zu einem echten Spielmacher heran.“

Kahns Einschätzung decken sich mit dem Urteil, das sich Jürgen Klinsmann in den letzten Wochen über Schweinsteiger gebildet hat. „Ich beurteile seine Entwicklung sehr positiv. Bastian wächst immer mehr in seiner Spielanlage“, sagte der Bayern-Coach, der Schweinsteiger bereits aus seiner Zeit als Bundestrainer kennt. Durch seine Erfahrungen bei der „Achterbahn-EM ist er noch Mal ein Stück reifer geworden.“ Zur Erinnerung: Schweinsteiger begann das Turnier gegen Polen als Reservist, handelte sich dann im zweiten Spiel gegen Kroatien eine unnötige Rote Karte ein und war ab dem Achtelfinale einer der besten im deutschen Team.

„Er hat bei der EM erst Downs und dann Ups durchgemacht. Wie er sich engagiert und aus der schwierigen Situation rausgekämpft hat, Moral und Initiative gezeigt und angegriffen hat, das zeigt, dass er bereit ist, mehr Verantwortung zu übernehmen", lobte Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff am Mittwoch und ergänzte: „Seine Leistung in den letzten Spielen macht uns Freude. Auch die Art, wie er Dinge angeht - positiv, mit Elan und Begeisterung - lässt uns hoffen, dass er mal in eine Führungsposition hineinwachsen kann." Bei Kahns Abschiedsspiel war er sogar Kapitän der Nationalmannschaft.

„Spaß-Fußballer“ Schweinsteiger, der zu Beginn seiner Karriere in so manches Fettnäpfchen trat, scheint also den nächsten Schritt gemacht zu haben und übernimmt mehr und mehr Verantwortung für sich und für die Mannschaft. „Bastian kennt unsere Anforderung, dass wir nicht zwischen Training und Spiel unterscheiden. Da wird nicht lockergelassen, sondern richtig Gas gegeben. Das hat er aufgenommen, das will er auch“, betonte Klinsmann und hob hervor: „Er hat im Training sehr konzentriert gearbeitet.“

Klinsmann sieht Schweinsteiger aber noch längst nicht am Ende der Entwicklung angekommen: „Da kann noch viel mehr kommen.“ Das sieht der Mittelfeldmann, der bereits zwei Saisontore für den FCB erzielte und damit jetzt schon so viele wie letztes Jahr auf seinem Konto hat, übrigens genauso: „Ich weiß, dass ich noch besser werden kann. Das geht nicht mit Worten, sondern nur mit Taten." Seinen Humor darf er dabei allerdings gerne behalten. Auf die Frage im Bayern-Jahrbuch, warum er Oliver Kahn in der nächsten Saison vermissen werde, antwortete er: „Weil jetzt keiner mehr am Morgen nach dem Spiel mit den gleichen Klamotten wie am Spieltag in die Kabine zum Training kommt.“

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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