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Klartext

Klinsmann: 'Ich akzeptiere das nicht'

Die Nacht war „unruhig“, berichtete Jürgen Klinsmann am Tag nach dem bitteren 3:3 gegen den VfL Bochum. Im Interview bei FCB.tv sprach der Chefcoach des FC Bayern Klartext. Wie enttäuscht ist er? Wie fällt seine Analyse aus? Und welche Reaktionen wird es geben?



Jürgen Klinsmann über…

…das 3:3 gegen den VfL Bochum: „Die Enttäuschung sitzt tief, auch eine gewisse Wut. Mit dem 3:1 hatten wir das Spiel eigentlich im Sack, aber wir haben den Sieg leichtsinnig und fahrlässig verschenkt. Da brodelt es in einem, es war eine unruhige Nacht. Es tut weh, aber ich bin von Natur aus ein Kämpfer. Ich weiß, wo im Moment die Probleme stecken. Ich werde sie ansprechen und Schritt für Schritt werden wir sie ausbessern. Noch heute werden wir mit der Mannschaft über die Dinge sprechen. Da werden wir einiges klarstellen.“

…seine Einwechslungen gegen Bochum: „Gegen Bochum steht es 3:1, das Spiel ist durch und man nimmt Zé Roberto runter, um ihm den Applaus des Publikums zu geben - er hat ein phantastisches Spiel gemacht. Aber die Leute, die reinkommen, legen nicht die gleiche Einstellung an den Tag wie ein 34-Jähriger, der sich 80 Minuten lang für die Mannschaft abrackert. Das kann ich nicht akzeptieren. Jeder Spieler muss uns zeigen, dass er für den FC Bayern mit 100 Prozent Herz da ist, dass er alles von sich abverlangt, dass er im Mittelfeld abräumt, dass er vorne das Tor mit letzter Konsequenz erzwingen will - so ist es in allen Mannschaftsteilen.“

…die Reaktion der Fans: „Wir haben Verständnis dafür, wenn der Fan sauer und enttäuscht ist. Er hat alle Rechte dazu. Das bisherige Abschneiden nach sieben Bundesligaspieltagen ist für den FC Bayern einfach nicht zu akzeptieren, ich akzeptiere das auch nicht. Wir sind es den Fans schuldig, dass wir uns in der Bundesliga so schnell wie möglich nach oben arbeiten. Die Verärgerung, die in uns und auch in den Fans steckt, werden wir der Mannschaft dementsprechend rüberbringen. Einzelne Spieler werden angesprochen, mit Fernsehbildern können wir jeden Fehler problemlos aufzeigen. Diese Kritik haben sie anzunehmen, ohne wenn und aber. Es wird mit Sicherheit ein bisschen Leben reinkommen. Wir werden dafür sorgen, dass es in der Bundesliga nach oben geht. Letztendlich muss aber der Trainer seinen Kopf dafür hinhalten, wenn die Dinge nicht genau so umgesetzt werden, wie man sie den Spielern aufgibt.“

…das Potenzial der Mannschaft: „Das Potenzial ist da. Die Spieler haben gegen Lyon und auch in Bukarest gezeigt, dass sie sich aufopfern können, dass sie lange Wege gehen, dass sie mit viel Engagement Pressing spielen können. Da hat die Mannschaft das gezeigt, was sie kann, und das, was wir uns im Training erarbeiten: mit ein, zwei Kontakten schnell durchs Mittelfeld kommen, die Stürmer suchen, klatschen lassen, viel Spiel ohne Ball. In dem einen oder anderen Bundesligaspiel konnte sie das aber nicht bestätigen. Letztendlich waren in jedem Bundesligaspiel, selbst gegen Bremen, Hannover und Bochum, genügend Chancen da, um das Spiel klar für sich zu entscheiden. Gegen Bochum hat jeder gedacht, jetzt schießen wir das vierte, fünfte, sechste Tor - und in diesem Schuss Überheblichkeit haben wir nicht mit der nötigen Konsequenz verteidigt. Bumm, stand’s 2:3 - bumm, stand’s 3:3. Dagegen werde ich relativ strikt vorgehen und dafür sorgen, dass Konstanz kommt.“

…die Saisonziele: „Alle Ziele sind erreichbar. Im DFB-Pokal sind wir weiter, in der Champions League stehen wir als Tabellenerster sehr gut da und in der Bundesliga haben wir Gott sei Dank noch genügend Spiele, um die Dinge Schritt für Schritt zu korrigieren - aber natürlich mit einer ganz anderen Entschlossenheit, mit einer direkten Erwartungshaltung gegenüber den Spielern. Wir haben jetzt viel Arbeit vor uns.“

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