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Rummenigge im Interview

'Müssen nicht im großen Stil aufrüsten'

Die Winterpause ist vorbei. Der FC Bayern hat im DFB-Pokal und in der Bundesliga den Spielbetrieb wieder aufgenommen und auch erste Personalentscheidungen sind gefallen - Zeit für ein Interview mit Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters sprach mit fcbayern.de ausführlich über den Rückrundenstart, den Transfer von Anatolij Timoschtschuk, weitere Personalplanungen, zum Beispiel im Fall von Mats Hummels, sowie die Verteilung der TV-Gelder.

Das Interview mit Karl-Heinz Rummenigge:

fcbayern.de: Herr Rummenigge, die Rückrunde hat begonnen. Nach dem 5:1 in Stuttgart musste sich der FC Bayern in Hamburg 0:1 geschlagen geben. Haben Sie diese Niederlage schon verdaut?
Rummenigge: „Diese Niederlage war sehr unglücklich. Entscheidend ist aber, dass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit gezeigt hat, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Da hat sie den Gegner praktisch an die Wand gespielt und sich wahnsinnig viele Chancen erspielt, die sie aber leider nicht genutzt hat. Dies ist der eine Vorwurf, den wir uns machen müssen. Der zweite ist, dass wir das Spiel zu locker angegangen sind. Vielleicht weil wir nach dem grandiosen Sieg in Stuttgart geglaubt haben, wir könnten mit halber Kraft gewinnen. Deswegen haben wir in der ersten halben Stunde nicht so gut ausgesehen.“

fcbayern.de: Jetzt kommt am Sonntag Borussia Dortmund in die Allianz Arena, eine Woche darauf geht es nach Berlin - beides keine leichten Aufgaben. Steht der FC Bayern jetzt schon unter Druck?
Rummenigge: „Wir werden in der ganzen Rückrunde unter Druck stehen. Wir wollen ja deutscher Meister werden und momentan stehen drei Mannschaften vor uns. Es war uns von vornherein klar, dass wir mit Stuttgart, Hamburg, Dortmund und Berlin keinen einfachen Start in die Rückrunde haben. Trotzdem sind wir optimistisch. Wir arbeiten daran, zügig Tabellenführer zu werden.“

fcbayern.de: Betrachtet man die einzelnen Ergebnisse dieser Saison, fällt auf, dass die Mannschaft nur selten zu Null spielt. Ist das ein Grund zur Besorgnis?
Rummenigge: „Das beunruhigt mich nicht. Unser Spiel ist sehr offensiv angelegt. Da passiert es schon mal, dass man hinten einen reinkriegt. Und bisher waren wir immer in der Lage, Rückstände aufzuholen, denn die Mannschaft ist absolut topfit. Während bei den anderen oft nach 70 Minuten die Kräfte nachlassen, können wir in der Schlussphase immer zulegen. Und ich bin auch überzeugt: Es wird uns nicht mehr passieren, dass wir so viele Torchancen auslassen wie in Hamburg.“

fcbayern.de: Nicht nur die offensivere Spielweise ist neu unter Jürgen Klinsmann. Wie weit ist er inzwischen mit seinem Reformprozess?
Rummenigge: „Jürgen Klinsmann und die Mannschaft bilden eine sehr fruchtbare Einheit. Wir sind mit den Entwicklungen der letzten Monate sehr zufrieden und haben allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Jürgen macht einen super Job, die Mannschaft ist topfit und spielt einen sehr attraktiven Fußball. Es gibt keinen Anlass, das Haar in der Suppe zu suchen.“

fcbayern.de: Sprechen wir über Personalien. Uli Hoeneß hat Anfang der Woche verkündet, dass der Transfer von Anatolij Timoschtschuk zum FC Bayern so gut wie perfekt ist.
Rummenigge: „Ich kann klar und deutlich sagen: Timoschtschuk wird kommen. Wir haben uns mit dem Spieler geeinigt und dies Zenit mitgeteilt. Die einzige Problematik ist, dass die Klausel in seinem Vertrag besagt, dass er Zenit St. Petersburg zum 1. März für eine feste Ablösesumme verlassen kann. Jetzt müssen wir eine Lösung für den Zeitraum vom 1. März bis zum 30. Juni finden. Eine Möglichkeit wäre, dass er bis zum 30. Juni in St. Petersburg bleibt.“

fcbayern.de: Timoschtschuk kommt, Toni Kroos hingegen hat den Verein verlassen. Bedeutet dies, dass der FC Bayern das falsche Pflaster ist für Nachwuchstalente?
Rummenigge: „Nein. Mit Rensing, Lahm, Schweinsteiger, Lell, Ottl stehen viele Spieler aus unserer eigenen Jugend im aktuellen Kader. Wir haben aber den Eindruck, dass der eine oder andere junge Spieler den Weg von Philipp Lahm oder Markus Babbel gehen sollte, d.h. er wird ausgeliehen. Wir hoffen, dass er bei einem anderen Verein seinen Weg macht und dann als Spieler zurückkommt, dem wir es zutrauen, beim FC Bayern Akzente zu setzen. Diesen Weg gehen wir mit Toni Kroos. An unserer 2-Säulen-Philosophie hat sich dadurch nichts geändert. Die eine Säule sind die Ribérys und Tonis, die wir brauchen, um stabil Erfolg zu haben. Die zweite Säule sind Spieler, die bei uns erstklassig ausgebildet wurden. Davon haben wir jetzt schon viele im Kader, die zum Teil Stammspieler sind. Und es kommen noch viele nach: ein Toni Kroos, ein Georg Niedermeier, ein Holger Badstuber und viele mehr. Das sind hoffnungsvolle Talente, die nur zum Spielen kommen müssen. Wenn man ihnen das beim FC Bayern nicht ermöglichen kann, muss man sie eben ausleihen.“

fcbayern.de: Im Sommer kommt mit Alexander Baumjohann ein weiteres Talent zum FC Bayern. Trauen Sie ihm zu, genügend Einsätze zu bekommen?
Rummenigge: „Das wird man sehen, wir geben ihm jedenfalls die Chance. Alexander hat zwar noch nicht viele Bundesligaspiele auf dem Buckel, ist aber ein Spieler mit Perspektive. Außerdem ist er ablösefrei.“

fcbayern.de: Timoschtschuk, Olic und Baumjohann stehen bisher als Neuzugänge fest. Wie weit sind die Planungen für die nächste Saison insgesamt fortgeschritten?
Rummenigge: „Grundsätzlich möchte ich sagen: Wir haben eine klasse Mannschaft, die sehr stabil ist. Wir haben jetzt drei Spieler verpflichtet, ob wir darüber hinaus etwas tun werden oder müssen, kann man heute noch nicht sagen. Wir sind aber alle der Meinung, dass wir unsere Mannschaft nicht im großen Stil aufrüsten müssen. Sie ist in den letzten anderthalb Jahren sehr gewachsen. Hinzu kommt: In Zeiten der Finanzkrise muss man sein Pulver, sprich sein Geld, trocken halten, um nachlegen zu können, wenn sich sinnvolle Gelegenheiten ergeben.“

fcbayern.de: Wie geht es mit Mats Hummels und Andreas Görlitz weiter, die noch bis Saisonende ausgeliehen sind?
Rummenigge: „Im Fall Görlitz ist noch keine Entscheidung gefallen. Er ist ja in der Hinrunde leider durch eine schwere Verletzung monatelang ausgefallen. Jetzt ist er zurück. Da muss man die nächsten Wochen und Monate abwarten. Bei Hummels gibt es eine Tendenz. Der Spieler hat uns mitgeteilt, dass er gerne in Dortmund bleiben möchte. Er ist dort Stammspieler. Außerdem haben wir mit Demichelis, Lucio, Van Buyten und Breno vier erstklassige Innenverteidiger. Uns liegt ein Angebot von Borussia Dortmund vor. Damit werden wir uns nun beschäftigen.“

fcbayern.de: Wie sieht die Tendenz bei Martin Demichelis aus, der seinen Vertrag verlängern möchte?
Rummenigge: „Die Gespräche laufen. Wir sind mit seiner Entwicklung sehr zufrieden. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir eine Lösung finden.“

fcbayern.de: Wie gefällt Ihnen bislang das Auftreten von Landon Donovan?
Rummenigge: „Er ist die Option mehr, die sich Jürgen gewünscht hat. Wir werden in den nächsten Wochen entscheiden müssen, wie es mit ihm weitergeht. Jetzt kommen wichtige Spiele, in denen man sieht, ob er uns weiterhilft. Das ist das entscheidende Kriterium.“

fcbayern.de: Können Sie sich vorstellen, dass L.A. Galaxy sowohl Donovan zum FC Bayern als auch David Beckham zum AC Milan ziehen lässt?
Rummenigge: „Das weiß ich nicht. Gestern habe ich einen Anruf vom AC Milan bekommen mit der selben Frage. Sie sind offensichtlich skeptisch, dass Galaxy beide Spieler abgibt. Aber wie ich die Amerikaner kenne, ist alles eine Frage des Preises.“

fcbayern.de: Um Geld ging es auch bei der DFL. Da wurde vor wenigen Tagen die Verteilung der TV-Einnahmen neu beschlossen. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Rummenigge: „Grundsätzlich schon. Ein Problem gibt es nur im Jahr eins, in dem 20 Millionen Euro weniger eingenommen werden als in der aktuellen Saison. Deswegen waren es keine einfachen Gespräche innerhalb des DFL-Vorstands. Aber ich glaube, der Verteilungsschlüssel, den wir gefunden haben, ist sehr fair - gegenüber der zweiten Liga, gegenüber dem unteren Drittel der Bundesliga und auch gegenüber den Spitzenklubs.“

fcbayern.de: Würden Sie das genauso beurteilen, wenn Sie Vorstand von Eintracht Frankfurt wären?
Rummenigge: „Mein Kollege Bruchhagen und ich, wir haben eine unterschiedliche Interessenslage. Er hat ein Interesse an der Wettbewerbsfähigkeit in der Bundesliga, wir müssen auch an die Champions League denken. Ich habe ihm immer gesagt: Es gibt aktuell auch erfolgreiche Klubs ohne hohes Budget, im Moment zum Beispiel Hoffenheim. Ich glaube nicht, dass Hoffenheim mehr Geld ausgibt für Gehälter als Eintracht Frankfurt - und trotzdem sind sie Tabellenführer. Erfolg kann man also auch mit kluger Philosophie und klugen Investments haben. Deswegen sage ich: Mit Klagen kommt kein Mensch weiter. Man muss optimistisch und positiv voranschreiten.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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