präsentiert von
Menü
Nerlinger im Interview

'Wir sind sehr gut gerüstet'

Vier Spiele, fünf Punkte, Tabellenplatz acht – der Saisonauftakt des FC Bayern war sicherlich nicht optimal. Umso wichtiger war der klare 3:0-Erfolg des Rekordmeisters gegen Titelverteidiger Wolfsburg vor der Länderspielpause, ehe es dann Mitte September in die Englischen Wochen mit Spielen in drei Wettbewerben geht. Sportdirektor Christian Nerlinger nach den ersten vier Saisonwochen eine kleine Zwischenbilanz gezogen. Im Interview mit fcbayern.de sprach Nerlinger über den Saisonstart, die Verpflichtung von Arjen Robben und seine ersten zwei Monate im Job des Sportdirektors.

Das Interview mit Christian Nerlinger

fcbayern.de: Herr Nerlinger, wie froh sind Sie, dass der 31. August und damit das Ende der Transferperiode endlich vorbei ist?
Christian Nerlinger: „Man muss immer unterscheiden, was medial spekuliert wird und was wir intern für Pläne hatten. Wir sind natürlich sehr, sehr froh, dass wir den Transfer von Arjen Robben noch rechtzeitig unter Dach und Fach bekommen haben. Das war ein bisschen stressig, da er bis Freitag um 12 Uhr auf die Transferliste musste, um am Samstag spielen zu können. Wir haben alle gesehen, dass wir da wirklich einen herausragenden Spieler für Bayern München gewinnen konnten. Ansonsten war uns klar, dass nicht mehr viel passieren würde. Wir haben jetzt einen Kader, der uns sehr viele Optionen und Alternativen bietet. Ich glaube, wir sind sehr gut gerüstet.“

fcbayern.de: Die Verpflichtung von Robben war für Außenstehende ein schnelle Sache. Wie kam der Transfer aus Sicht des Vorstands zustande?
Nerlinger: „Wir haben den Saisonstart analysiert, auch die Freundschaftsspiele, aber auch die letzte Saison. Uns ist einfach klargeworden, dass in dem Moment, in dem Franck Ribéry fehlt, wir ein sehr wichtiges Element vermissen lassen; gerade gegen kompakte und defensiv ausgerichtete Mannschaften. Und deswegen haben wir uns entschlossen, noch einen Spieler zu verpflichten, der dieses kreative Element in unser Spiel reinbringt. Wir haben uns sehr um ihn bemüht, er hat keine Sekunde gezögert, als die Anfrage kam; das ging alles sehr schnell über die Bühne.“

fcbayern.de: Also war das eine ganz bewusste Stärkung der Offensive?
Nerlinger: „Ja, weil ich persönlich auch nicht die Kritik an unserer Defensivabteilung nachvollziehen kann. Wir haben festgestellt, dass die Durchschlagskraft in der Offensive nicht so gegeben war, wie wir uns das gewünscht haben. Es ist immer leicht, auf Spieler wie Holger Badstuber oder Daniel van Buyten rumzuhauen, nur weil sie vielleicht nicht den Namen eines Lucios haben, der Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft ist. Wir wussten, was wir an Lucio haben: Einen herausragenden Spieler, einen herausragenden Charakter. Aber auch er war auf dem Platz, als wir gegen Wolfsburg 1:5 oder gegen Bremen 2:5 zuhause verloren haben. Ich finde, dass unsere Defensivspieler ihre Aufgaben sehr, sehr gut gelöst haben, ich bin da sehr zufrieden.“

fcbayern.de: Zurück zu Robben, der ja sensationell eingeschlagen hat. Ändert dieser Transfer etwas an den ausgegebenen Saisonzielen?
Nerlinger: „Die deutsche Meisterschaft war ja vorher schon das ausgesprochene Ziel, jetzt natürlich umso mehr. Uns zeigt es einfach, dass wir uns an Transfers dieser Güteklasse ran trauen sollten. Das hat der Transfer von Franck Ribéry bewiesen, und auch der von Robben. Er hat vorher eine Trainingseinheit mit der Mannschaft absolviert, kommt dann in der zweiten Halbzeit ins Spiel und liefert 45 Minuten einen absoluten Traumfußball ab. Wenn man dann auch die Atmosphäre im Stadion gesehen hat, dann glaube ich, war das ein sehr, sehr gelungener Einstand. Wir sollten auch in Zukunft versuchen, diese qualitativ hochwertigen Spieler für den FC Bayern zu gewinnen.“

fcbayern.de: Auffällig war, wie gut Robben mit Ribéry zusammengespielt hat, obwohl sie nur einmal miteinander trainiert haben.
Nerlinger: „Das ist natürlich schon eine Ausnahmeklasse, die die beiden haben. Franck hat von Anfang an sehr positiv reagiert, ist im Training auf Arjen zugegangen. Im Spiel haben sich die beiden gesucht und hatten Spaß, miteinander zu spielen. Ich glaube, an dieser an Achse werden wir noch viel Freude haben.“

fcbayern.de: Wie wichtig war der Sieg gegen Wolfsburg, um mit etwas Ruhe in die Länderspielpause gehen zu können?
Nerlinger: „Sehr wichtig. Wir sind nach der Niederlage in Mainz sehr in der Kritik gestanden. Wenn man so startet als FC Bayern, dann macht sich das auch innerhalb der Mannschaft bemerkbar. Louis van Gaal hat ein klares Konzept, eine klare Richtung. Und wenn etwas neu ist, dann lässt sich das immer leichter umsetzen, wenn es von Siegen begleitet wird. Und das war ja nicht irgendein Sieg sondern einer gegen den letztjährigen deutschen Meister. Wenn man da 3:0 gewinnt trägt das schon dazu bei, dass etwas Ruhe eintritt.“

fcbayern.de: Sie sind jetzt genau seit zwei Monaten Sportdirektor, wie lautet Ihr erstes Fazit?
Nerlinger: „Es ist ein sehr interessantes Arbeiten, ich habe die volle Unterstützung vom Vorstand, was es mir leicht macht. Der Vorstand schenkt mir großes Vertrauen, das ist eine große Ehre für mich und ich hoffe, dass ich das zurückzahlen kann. Sportdirektor wird man nicht innerhalb von wenigen Wochen, das ist eine Aufgabe, in die man hineinwachsen muss. Ich glaube, dass mir die Zeit gegeben wird, mich zu entwickeln, es macht mir wahnsinnig viel Spaß.“

Das Interview führte Herbert Steffe

Das vollständige Interview sehen Sie bei FCB.tv

Weitere Inhalte