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30 Jahre Leidenschaft

Uli Hoeneß - Manager, Visionär, Macher

Wie kein Zweiter hat Uli Hoeneß in den letzten 30 Jahren die Entwicklung des FC Bayern geprägt, unter seiner Regie ist der Klub zur Weltmarke aufgestiegen. Und auch wenn er künftig als Vereinspräsident und Vorsitzender des Aufsichtsrates nicht mehr an vorderster Front wirken wird, ist eines sicher: „Uli Hoeneß wird nicht mehr ganz so aktiv sein wie bisher, aber er wird weitaus aktiver sein als ich es war“, sagte Vorgänger Beckenbauer und fügte an: „Ich glaube auch, das ist gut so für den FC Bayern.“ fcbayern.de hat Hoeneß' Karriere nachgezeichnet.

Als Uli Hoeneß im Mai 1979 Manager des FC Bayern München wurde, stellten sich den meisten nur zwei Fragen: Kann ein 27-Jähriger, der wenige Wochen zuvor seine Laufbahn als Profi wegen einer Knieverletzung beenden musste, Manager sein? Und vor allem: Kann er Manager des FC Bayern sein, des Vereins, den er selbst mit Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller und Paul Breitner mit drei Siegen im Europapokal der Landesmeister in die europäische Elite geführt hatte?

Uli Hoeneß hat diese Fragen damals so eindeutig beantwortet, wie das heute jeder von ihm kennt: Nicht das Alter entscheide, sondern die Leistung. Ihm stellten sich andere Fragen zu zwei großen Problemen. Die Bayern waren seit fünf Jahren nicht mehr Deutscher Meister geworden und die Klubkasse war mit sechs Millionen Mark belastet. Um wirtschaftlich erfolgreich arbeiten zu können, musste der FC Bayern eine Marke werden: der beste deutsche Verein.

Glücklicherweise hatte Uli Hoeneß ein Jahr zuvor, noch als Spieler des FC Bayern, die Rückkehr des langjährigen Freundes Paul Breitner durch die Vermittlung des Ulmer Lastwagenherstellers Magirus Deutz gemanagt. Mit Breitner, dem jungen Karl-Heinz Rummenigge und auch mit Klaus Augenthaler besaß das Team wieder Qualität. Die in Serie erzielten Meisterschaften der achtziger Jahre legten das Fundament für den wirtschaftlichen Aufschwung. Sechs gewannen die Bayern im ersten Jahrzehnt, das Uli Hoeneß als Manager gestaltete, zehn weitere folgten, dazu kamen neun Pokalsiege, 1996 der Erfolg im UEFA Cup und 2001 der Triumph in der Champions League sowie im Weltpokal.

In der Nacht von Mailand, als die von Ottmar Hitzfeld als Trainer geführte Bayern-Elf um Stefan Effenberg und Oliver Kahn Valencia im Elfmeterschießen bezwang, erfüllte sich der größte Wunsch des Managers. Von Anfang an hatte Uli Hoeneß einen FC Bayern von dauerhafter internationaler Bedeutung im Blick, auf Augenhöhe mit Real Madrid oder Juventus Turin, später mit dem FC Barcelona oder dem AC Mailand.

Doch während die Konkurrenten aus Italien, Spanien und England mit abenteuerlichen Kreditgeschäften, phantastischen TV-Rechte-Einnahmen und dank einer für den Profisport gnädigen Steuerpolitik das Transfergeschäft und damit - wenn auch nicht immer - die Wettbewerbe beherrschten, handelte Uli Hoeneß nach dem einfachen, aber nachhaltigen Prinzip kaufmännischer Sorgfalt. Kompromisslos hat er sich an seine Regel gehalten, nicht mehr auszugeben als eingenommen wurde bzw. auf dem über die vielen Jahre gewachsenen Festgeldkonto zur Verfügung steht.

Drei verlorene europäische Endspiele, zwei noch im Landesmeistercup gegen den FC Porto und Aston Villa, eines in der Champions League gegen Manchester United, haben ihn nie verführt, den Verein finanziell zu schwächen, um den sportlichen Erfolg mit Gewalt zu erzwingen. So konnte er der dienstälteste Manager der Bundesliga werden: seit 30 Jahren im Amt.

Als Ende der achtziger Jahre Merchandising das Zauberwort für Geldvermehrung in der Bundesliga wurde, war der FC Bayern schnell am Markt. Uli Hoeneß erkannte als Erster diesen Trend und schuf hierfür schnell die Strukturen. Es gab Bayern-Bettwäsche, Bayern-Handtücher, Bayern-Mode, Bayern-Parfum, etc. Heute führt die Merchandising Abteilung des FC Bayern mehr als 600 Artikel.

Als Verein machten die Bayern 1979 ca. zwölf Millionen Mark Umsatz, der größte Teil davon floss aus dem Verkauf der Eintrittskarten dazu. Mit dem Verkauf von Karl-Heinz Rummenigge an Inter Mailand 1984 für unglaubliche 10,5 Millionen Mark war der Verein schuldenfrei. Heute setzt das auch von Karl-Heinz Rummenigge geführte Fußball-Unternehmen FC Bayern München über 250 Millionen Euro um.

Von Anfang an hat Uli Hoeneß Fußball an den üblichen Wirtschaftsverkehr binden wollen, was vor allem eine kaufmännische Haltung zum Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben verlangte. Seine Philosophie von Markenbildung und Partnerschaft zahlt sich bis heute beim Sponsoring aus. Verträge sollen nachhaltig, also langfristig geschlossen werden – und die Bayern sind treue Vertragspartner. Uli Hoeneß hat vor allen anderen begriffen, dass Fußball auch ein Dienstleistungsgeschäft ist, in dem nicht nur der eine sein Geld gibt, sondern der Klub und die Mannschaft zurückzahlt: mit großer Unterhaltung, mit Einzigartigkeit, mit Erfolg.

Dass Uli Hoeneß Ziele offensiv formuliert, entspricht seinem selbstbewussten Naturell. Für die eine oder andere seiner Visionen ist er zunächst entweder bekämpft oder belächelt worden. So auch bei der Einschätzung des Fernsehmarktes. Um 1990 äußert er sich noch begeistert darüber, dass die Fernsehrechte der Bundesliga auf 100 Millionen Mark steigen würden, ein paar Jahre später formuliert er den gewaltigen Satz, er sehe die Erlöse aus der Zentralvermarktung der TV-Rechte des deutschen Profifußballs bei einer Milliarde Mark, also 500 Millionen Euro – jährlich. Er sollte Recht behalten. Der bislang letzte TV-Rechte-Abschluss der Deutschen Fußball Liga (DFL) erbrachte 2008 ca. 420 Millionen Euro pro Jahr.

Inzwischen muss Uli Hoeneß regelmäßig vor Führungskräften der deutschen Wirtschaft erklären, wie das Geschäftsmodell FC Bayern München AG funktioniert, wie aus der Emotion und der Unberechenbarkeit des Spiels finanzielle Planungssicherheit und Gewinn entstehen können. Die Kunst ist, wie so oft, die Balance zu halten. Uli Hoeneß hat sehr früh erkannt und ausgesprochen, was in München, der olympischen Stadt mit der weltberühmten Stadionarchitektur, über Jahrzehnte ein Politikum war: Die Bayern, formulierte er 1989, brauchen ein eigenes Fußballstadion.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, die auch dem Einsatz des Bayern-Präsidenten Franz Beckenbauer als OK-Chef der WM zu verdanken war, hat bei der Durchsetzung der Stadionpläne eine große Rolle gespielt. Mit der 2005 eingeweihten Allianz Arena lässt sich alles in Verbindung bringen, was das moderne Fußballmanagement, wie Uli Hoeneß es in Deutschland etabliert hat, prägt. Sie ist die angemessene Dienstleistung für den Zuschauer, die Sponsoren, das Fernsehen und auch für die Mannschaft.

Die Stadionfinanzierung ist die vielleicht größte Herausforderung für den Manager Uli Hoeneß gewesen. Von ihm stammte die Idee, adidas als Minderheitsgesellschafter am Verein zu beteiligen. Doch auch Uli Hoeneß kennt die Grenzen der Vermarktung genau. Als sich beispielsweise Eintracht Braunschweig vor 25 Jahren in Jägermeister Braunschweig umbenennen wollte, schwang sich der Bayern-Manager zum größten Kritiker des Braunschweiger Sponsors auf. Eine solche Umbenennung hätte den Markenkern des gesamten Fußballs beschädigt.

Es gibt beim FC Bayern eine Regel, die Neuankömmlinge sehr schnell lernen. Die Regel lautet: Bei Problemen den Manager anrufen. Manche Spieler haben sich daran erinnert, nachdem sie ihren Wagen nachts in einen Graben gesteuert hatten. Andere suchten finanziellen Rat, und Uli Hoeneß hat regelmäßig geholfen, sodass sich auch in Not geratene Profis entschulden konnten.

Jeder, der beim FC Bayern arbeitet, schätzt seine menschliche Seite und niemand, der den FC Bayern verließ, hat schlecht über den Manager gesprochen. Wie kein anderer deutscher Verein hat der FC Bayern angeschlagene Klubs bei der Bewältigung finanzieller Schwierigkeiten und auch ganz allgemein karitative Ziele unterstützt. Der FC St. Pauli, der in der zweiten Bundesliga jetzt wieder so stark auftritt wie Jahre nicht mehr, hat von der Benefizspielbereitschaft der Bayern genauso profitiert wie der Mainzer Dom, für dessen Restaurierung die Bayern in Mainz antraten.

Uli Hoeneß hat die sportliche und wirtschaftliche Stärke immer auch als Verpflichtung verstanden. Er vertritt eine Art soziale Marktwirtschaft des Fußballs, die den Erfolg und die Entwicklung des eigenen Vereins in den Mittelpunkt stellt, die aber auch Rücksicht auf Schwächere nimmt, auf Menschen ganz allgemein, denen es nicht so gut ergangen ist im Leben.

Sein Einsatz für verletzte Bayern-Profis ist Legende. Uli Hoeneß saß in ihren Krankenzimmern, wenn sie nach schwerster Kreuzbandoperation erwachten, er verlängerte Verträge von Spielern, die sich gerade das Bein gebrochen hatten. Einige ließen sich bei der Suche nach einem neuen Verein helfen und Uli Hoeneß handelte ihre Verträge aus. Er saß jeden Morgen am Bett von Gerd Müller, als dieser wochenlang schwer krank war und kümmerte sich um die Therapie eines von Krebs befallenen Angestellten der Bayern-Geschäftsstelle.

Uli Hoeneß möchte nicht, dass man davon zu viel Aufhebens macht. Seine Spendenbereitschaft ist inzwischen bekannt, sie soll nicht berühmt sein. Als ein Tsunami 2004 im Indischen Ozean eine Katastrophe auslöste, gab der FC Bayern fast eine halbe Million Euro für den Wiederaufbau zerstörter Gebiete und gründete 2005 auf Initiative des Vorstandes um Karl-Heinz Rummenigge den FC Bayern Hilfe e.V. Darin bündelt der Klub sein soziales Engagement, das auch die Förderung von Bildung und Erziehung umfasst.

Als in München ein Mann von Jugendlichen auf einem S-Bahnhof zu Tode getreten wurde, weil er Kinder schützen wollte, die sich bedroht fühlten, hielt Uli Hoeneß beim nächsten Heimspiel in der Allianz Arena eine kurze Rede. Er fand wenige, aber die richtigen Worte: Der Tote, Dominik Brunner, sei ein „Vorbild für Zivilcourage und praktizierte Nächstenliebe. Wir alle können in derartige Situationen kommen, und dann wären wir froh, wenn jemand wie er uns helfen würde.“ Als Reaktion auf den S-Bahn-Mord hat Hoeneß nun zusammen mit Politik, Polizei und Kirche die Initiative „Münchner Courage“ gegründet. Das Projekt will Bürger ermutigen, bei Gewalt nicht wegzusehen, sondern gemeinsam mit anderen Solidarität und Zivilcourage zu zeigen. Uli Hoeneß hat auf seinem Weg nach oben die meisten hinter sich gelassen, weggeschaut hat er deshalb nie.

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