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Rummenigges Bankettrede

'Es ist ein außergewöhnlich guter Tag'

Auf Bankettreden des FC Bayern in Lyon lastet eine ganz besondere Geschichte. Am 6. März 2001 hatte Franz Beckenbauer hier nach einer 0:3-Niederlage gegen Olympique das Mikrofon ergriffen und deutliche Worte gefunden („Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball!“). Neun Jahre später war der „Kaiser“ erneut mit dem FC Bayern in Lyon, erlebt aber eine der Sternstunden in der Vereinsgeschichte. Die Bankettrede nach dem 3:0-Erfolg, mit dem der deutsche Rekordmeister den Einzug ins Champions-League-Finale perfekt machte, hielt diesmal aber nicht Beckenbauer, sondern Karl-Heinz Rummenigge. Und der hatte allen Grund, eine mehr als achtminütige Lobeshymne anzustimmen. fcbayern.de war dabei.

Rummenigges Bankettrede:

„Liebe Gäste,

ich darf Sie im Namen des FC Bayern zu mitternächtlicher Stunde in Lyon begrüßen. Es ist ein außergewöhnlich guter Tag, es ist etwas passiert, was sicherlich nicht viele dem FC Bayern vor der Saison zugetraut haben. Gestern vor der Abreise habe ich gesagt: Diese Mannschaft verdient es, ins Finale einzuziehen. Ich glaube, das hat sie sich heute auch verdient. (Applaus) Ich darf der Mannschaft, unserem Cheftrainer Louis van Gaal, unserem Trainerteam sehr herzlich zum Erreichen des Finals den Glückwunsch des gesamten FC Bayern ausdrücken. (Applaus) Und ich sage heute, nachdem wir das Finale erreicht haben: Diese Mannschaft verdient es, auch die Champions League zu gewinnen! (Applaus)

Was den FC Bayern seit Monaten auszeichnet, ist eine große Familie, die sehr eng zusammengerückt ist in einer Zeit - wenn ich an den Herbst erinnere -, in der es uns noch nicht so gut ging, die Geduld gezeigt hat und die durch den Erfolg der Mannschaft in die Spur zurückgekehrt ist. Wir stehen heute, vier Spiele vor Ende der Saison, mit blütenweißer Weste da. Wir haben alle Möglichkeiten, alles zu gewinnen. Es ist eine Saison, die historisch werden kann. Wir haben es noch nie erlebt, dass alles möglich ist. Am 22. Mai stehen wir im Champions-League-Finale, eine Woche vorher im DFB-Pokal-Finale und wir haben auch noch zwei Finalspiele in der Bundesliga gegen Bochum und Hertha BSC.

Ich kann der Mannschaft nur eines sagen: Wir alle beim FC Bayern, egal ob Uli Hoeneß, Karl Hopfner, Franz Beckenbauer, das gesamte Präsidium mit Bernd Rauch und Fritz Scherer, wir alle sind sehr stolz, Mitglied dieser Familie zu sein und diesen Abend heute mit Euch feiern zu dürfen - leider viel zu kurz, weil wir uns schon wieder auf das Spiel am Samstag vorbereiten müssen. Das ist das Einzige, was ich heute an Wasser in den Wein kippen muss, lieber Louis. Aber Du bis ja der Erste und hast schon in der Kabine gesagt: Bitte an Samstag denken.

Ich glaube, wir müssen jetzt nur die Konzentration hoch halten. Wir haben eine ganz tolle Mannschaft, die heute Abend bewiesen hat, welche Qualitäten sie hat. (Applaus) Wir haben eine Mannschaft, die großen Willen, große Qualitäten und vor allem eine unglaubliche Leidenschaft hat, das hat man heute Abend auch gesehen. Das Spiel ist 3:0 ausgegangen, weil sie in der Abwehr total organisiert war, weil sie die Chance nach vorne gesucht hat. Am Ende des Tages war es das verdiente Ergebnis, dass wir ins Finale eingezogen sind.

Als angenehme Nebenprodukte fallen oft Dinge an, über die wir uns auch freuen. Mit dem heutigen Tag haben wir die Italiener im UEFA-Ranking verdrängt. (Applaus) Und ich glaube, das steht der Bundesliga gut zu Gesicht.

Ich möchte mich sehr herzlich bei allen bedanken, die heute dazu beigetragen haben, dass wir diesen Erfolg feiern konnten. Ich kann mich noch erinnern, als wir letzten Samstag in Mönchengladbach etwas sorgenvoll in der Kabine gesessen sind nach der schweren Schlacht, als wir angeschlagene Spieler hatten mit Daniel van Buyten, Martin Demichelis, Miro (Klose, d. Red.) hat sich hier noch mit einem grippalen Infekt gemeldet. Ich möchte mich ausdrücklich bei der medizinischen Abteilung mit Dr. Müller-Wohlfahrt an der Spitze bedanken. (Applaus) Ich glaube, er ist in den letzten 72 Stunden vom Doktor zum Professor geworden. Lieber Doktor, wir wissen, was wir an Dir haben.

Ich möchte auch noch eins sagen: Es wird ja oft behauptet, der FC Bayern sei ein Klub, der immer nur dank seiner finanziellen Lage über die Spielerqualität verfügt. Das ist auch ein Märchen, mit dem es heute Abend ein bisschen aufzuräumen gilt. Wir hatten heute, liebe Freunde, sechs Spieler auf dem Platz, die aus unserer Nachwuchsabteilung kommen. Das macht uns sehr stolz. Wir haben Spieler, die wir für teures Geld verpflichtet haben und über die wir sehr glücklich sind. Aber wir haben eben auch eine zweite Säule, über die wir sehr stolz und glücklich sind, und das ist die Nachwuchsabteilung. Viele Spieler heute, von Philipp (Lahm, d. Red.) über Bastian (Schweinsteiger, d. Red.), Diego Contento, David Alaba, Thomas Müller und Holger Badstuber, wurden alle vom FC Bayern ausgebildet und haben in der ersten Mannschaft Fuß gefasst. Darüber freuen wir uns sehr.

Am Ende möchte ich noch eines sagen: Wir haben zwei Spieler heute Abend leider nicht bei uns aus verschiedensten Gründen. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich auch im Namen von Anatoliy Tymoshchuk und Franck Ribéry spreche. Wir sind sehr glücklich, dass sie beim FC Bayern sind und dass auch sie - und das haben mir eben beide am Telefon versichert - sehr glücklich sind, dass der FC Bayern ins Finale eingezogen ist.

Ich darf mich sehr herzlich bei Ihnen für die Unterstützung bedanken. Dies ist der inner circle, in München wird groß gefeiert. Karl Hopfner hat mir eben noch zugeflüstert, die Leopold- und Ludwigstraße sind gesperrt, unsere Fans feiern verdientermaßen diese Mannschaft. (Applaus)

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend im Kreise des FC Bayern und habe die angenehme Ehre, jetzt das Buffet zu eröffnen und wünschen Ihnen einen guten Appetit. Vielen Dank! (Applaus)

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