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Krafts Profidebüt

'Es hat mir großen Spaß gemacht, aber…'

Offiziell dauert ein Fußballspiel 90 Minuten, zählt man die Nachspielzeit hinzu sind es sogar 92, 93 oder vielleicht 95 Minuten. Spielentscheidend sind aber oft Bruchteile einer Sekunde - so wie in der 83. Minute beim Spiel des FC Bayern in Rom am Dienstagabend, als ein langer Ball aus dem Mittelfeld in den FCB-Strafraum gespielt wurde.

„Der Ball war schwierig einzuschätzen“, blickte Thomas Kraft auf die Szene zurück, „ich habe mich einen Tick zu spät entschieden rauszugehen.“ Und das hatte Folgen. Der Bayern-Keeper hechtete zum Ball, kam aber diesen einen Tick zu spät und traf nicht das Leder, sondern die Beine von Roma-Stürmer Marco Borriello - Elfmeter! Und den verwandelte Francesco Totti zum 3:2-Siegtreffer für den AS Rom. „Ich war einfach zu spät“, ärgerte sich Kraft, „entweder muss ich früher rausgehen oder stehen bleiben.“ Der Bruchteil einer Sekunde, den Kraft zögerte, war entscheidend für den Ausgang der Partie.

Einen Vorwurf machte dem 22-Jährigen aber keiner. „Der Elfmeter war eine unglückliche Situation, die immer wieder mal vorkommen kann“, sagte Christian Nerlinger. Doch die Szene wurmte Kraft natürlich nach dem Schlusspfiff. Er hatte im Stadio Olimpico zum ersten Mal bei einem Pflichtspiel - wenn man von seinem Einsatz im Supercup-Finale vor drei Monaten absieht - im Tor des FC Bayern gestanden, er hatte klasse Paraden gezeigt, und dann das. „Für mich war es natürlich schön, dass ich endlich mal spielen konnte“, meint er, „aber es ärgert mich sehr, dass der Elfmeter noch passiert ist.“

'Das stellt mich nicht zufrieden'

Dennoch kann der 22-Jährige stolz auf seine Leistung sein. Seine Qualitäten als Torwart stellte er in Rom mehrfach unter Beweis. In der ersten Halbzeit insbesondere bei einem Distanzschuss von Leandro Greco (23. Minute), im zweiten Durchgang bei einer Doppelchance der Roma (61.), als er erst einen Kopfball von Simplicio von der Torlinie boxte und auch den Nachschuss von Matteo Brighi aus kurzer Distanz reaktionsschnell parierte. „Die Szene war Wahnsinn“, sagte Thomas Müller.

„Natürlich habe ich ein paar Bälle ganz gut gehalten. Aber das stellt mich im Nachhinein nicht zufrieden“, meinte Kraft, der abgesehen von der Elfmeterszene auch mit „zwei, drei Situationen im Aufbau“ nicht zufrieden war. Insgesamt fand er seine Leistung „okay. Alles in allem hat es mir großen Spaß gemacht. Ich war froh, dass ich spielen konnte. Das hat mir der Trainer ermöglicht und ich habe mich sehr darauf gefreut.“ Schon letzte Woche habe ihm Louis van Gaal den Einsatz in Rom angekündigt, berichtete er.

103 Mal für den FCB II

Van Gaal bezeichnete Kraft als „großes Talent“. Damit er dies bestätigen kann, müsse man ihn „in großen Spielen aufstellen“. Das tat Van Gaal in Rom und Kraft nutzte seine Chance. „Er macht seine Sache gut“, lobte ihn Christian Nerlinger in der Halbzeitpause, „es ist wichtig für uns, dass wir einen zweiten Mann mit Spielpraxis hinten dran haben, wenn Jörg Butt einmal ausfällt.“

Zum Einsatz wird Kraft, der 2004 ins junior team des FC Bayern kam und aktuell seine erste Saison als Nummer zwei des deutschen Rekordmeisters spielt, aber weiterhin vor allem in der zweiten Mannschaft kommen, bei der er bislang schon 103 Mal im Kasten stand. Aber natürlich träumt er davon, einmal die Nummer eins beim FC Bayern zu sein. „Ich versuche, mich im Training und in den Spielen, wo ich zum Einsatz komme, zu zeigen“, sagte er.

Ein, zwei Zentimeter

Talent, Wille und Fleiß bescheinigte dem 22-Jährigen Jörg Butt. „Thomas bringt sehr viel mit, hat eine sehr gute Dynamik und großes Entwicklungspotenzial. Er nimmt aber auch Dinge von älteren Spielern und Trainern an“, berichtete die aktuelle Nummer eins des FC Bayern. Sicherlich wird Kraft zusammen mit Torwarttrainer Frans Hoek auch aus dem Spiel in Rom die richtigen Schlüsse ziehen.

Mit etwas Glück hätte er dort auch als Held vom Platz gehen können. Bei Tottis Elfmeter machte Kraft alles richtig, war zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Ecke. Der Ball schlüpfte unter seiner Hand hindurch über die Torlinie. Nur ein, zwei Zentimeter fehlten - Winzigkeiten, die am Ende entscheiden.

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