präsentiert von
Menü
05-Manager Christian Heidel:

'Wir haben bei Robben vielleicht mitgeholfen'

Seit 1991 ist Christian Heidel Manager beim 1. FSV Mainz 05. In dieser Zeit hat sich der rheinhessische Klub von einem in der eigenen Stadt kaum beachteten Zweitligsten zu einem Bundesligisten gemausert, der in dieser Saison sogar lange Zeit Tabellenführer gewesen ist. Vor dem Heimspiel am Samstag gegen den FC Bayern belegen die 05er den fünften Rang. fcbayern.de sprach mit dem 47-jährigen über die Erfolgsgeschichte rund um den Bruchweg, die Partie gegen den FCB und seinen alten Freund Jürgen Klopp.

Das Interview mit Christian Heidel

fcbayern.de: Hallo Herr Heidel, unser Sportdirektor Christian Nerlinger hat dem FSV ein dickes Kompliment für die Arbeit in dieser Saison ausgestellt. Sind Sie mit dem bisherigen Geleistetem auch zufrieden?
Christian Heidel: „Vielen Dank für die Blumen. Wenn es einen Menschen in Mainz gibt, der mit Platz fünf für Mainz 05 am 22.Spieltag der Bundesliga nicht zufrieden ist, mache ich mir wirklich ernsthaft Gedanken um ihn. Ich bin sehr, sehr zufrieden.“

fcbayern.de: Er sagte auch, selbst beim Verpassen der internationalen Plätze hätte Mainz viel Lob verdient. Sehen Sie das genauso?
Heidel: „So blöde das vielleicht momentan klingt: Mainz 05 hat immer ein Lob verdient, wenn es in der Bundesliga spielt. Wir sind uns unserer Rolle und unserer Möglichkeiten weiterhin völlig bewusst.“

fcbayern.de: Nach der Winterpause sind für Ihre Mannschaft nur vier Punkte aus fünf Spielen herausgesprungen, wobei nur die Partie in Köln so richtig danebenging, oder?
Heidel: „Das sehe ich genauso. Von zehn Halbzeiten hatten wir eine richtig schlechte in Köln. In den Spielen gegen Stuttgart, Wolfsburg und Bremen waren wir klar die bessere Mannschaft, nur haben wir unsere Chancen nicht genutzt. Das kann passieren.“

fcbayern.de: In der Hinrunde, als Ihre Mannschaft lange auf Platz eins lag, war der Medienrummel rund um den Bruchweg riesengroß. TV-Teams aus der ganzen Welt haben über den FSV berichtet. Ist das jetzt immer noch so?
Heidel: „Nein, das hat sich schon ein wenig normalisiert, insbesondere was die ausländischen Medien angeht. Mainz 05 war für viele eben der große Unbekannte.“

fcbayern.de: Am Samstag erwartet Mainz den FCB zuhause. Wie groß ist die Vorfreude bei ihnen im Verein und im Umfeld?
Heidel: „Spiele gegen den FC Bayern sind für alle Mannschaften etwas Besonderes, natürlich auch für Mainz 05. Die ganze Region fiebert diesem Spiel entgegen, genauso wie unsere Mannschaft und alle Verantwortlichen. Nach einem Aufstieg merkt man so richtig erst beim Spiel gegen die Bayern, dass man in der Bundesliga angekommen ist.“

fcbayern.de: Beim FC Bayern sprachen nach dem 4:0 gegen Hoffenheim alle über Robbery. Für beide steht am Samstag die Premiere am Bruchweg an. Freuen sie sich auf diese beiden Spieler und was dürfen sie und ihre Mannschaftskollegen in Mainz erwarten?
Heidel: „Es ist überragend, dass zwei solche Weltklassespieler in der Bundesliga spielen. Und bei Robben haben wir ja vielleicht sogar ein bisschen mitgeholfen, denn er wurde nach dem 1:2 der Bayern bei uns in der vergangenen Saison verpflichtet. Erwarten dürfen sie zunächst einmal, dass die Mannschaft des FC Bayern in Mainz mit Applaus und ohne Pfiffe begrüßt wird. Danach allerdings sollten sie sich darauf einstellen, dass 18.000 Mainzer und eine Mannschaft versuchen werden, den FC Bayern niederzuringen.“

fcbayern.de: Mainz ist die einzige Mannschaft, die in der bisherigen Saison in der Allianz Arena gewonnen hat. Die Bayern werden heiß auf die Revanche sein.
Heidel: „Das war sicher ein ganz außergewöhnliches Spiel für uns Mainzer. Und das auch noch während des Oktoberfestes. Sicher hat der FC Bayern dieses Spiel noch im Hinterkopf. Aber eines ist klar: wir auch! Wenn alles passt, kann man den FC Bayern schlagen, auch wenn es sehr schwierig ist.“

fcbayern.de: Mit Andre Schürrle verliert der FSV in der neuen Saison einen seiner besten nach Leverkusen. Können Sie sich vorstellen, irgendwann - auch mit dem neuen Stadion im Rücken - solche Spieler langfristig binden zu können? Kann Mainz langfristig im oberen Tabellendrittel mitspielen?
Heidel: „Wir sind schon heute in der Lage, einen Spieler wie Andre Schürrle zu halten. Es gab keinerlei finanziellen Notwendigkeit, ihn verkaufen zu müssen, sondern nur die wirtschaftliche Vernunft, dem Wechsel zuzustimmen. Die Transferentschädigung wird in die Breite reinvestiert. Ziel wird sein, unsere Mannschaft zu stärken und nicht zu schwächen. Diese Chance sehen wir. Für Mainz 05 kann es kurz- und mittelfristig aber nur darum gehen, in der Bundesliga zu spielen. Wir arbeiten alle hart daran, die Wahrscheinlichkeit auf Bundesliga dramatisch zu erhöhen.“

fcbayern.de: Ihr Ex-Trainer Jürgen Klopp dominiert in dieser Saison mit dem BVB die Liga. Sie sollen ja noch in regem Austausch mit ihm sein. Hat er Ihnen schon viel Glück für das Spiel gegen Bayern gewünscht?
Heidel: „Bitte lassen Sie mich zuvor etwas sagen, was mir sehr wichtig ist. Eine Sportzeitung hat vor unserem Spiel gegen Borussia Dortmund geschrieben, Aki Watzke und mich eint die Antipathie gegen den FC Bayern. Hierüber habe ich mich maßlos geärgert, da es so ein Schwachsinn ist. Ich habe seit vielen Jahren eine sehr große Sympathie und genauso viel Respekt für diesen tollen Verein und seine Verantwortlichen. Ich werde beispielsweise nie vergessen, wie unkompliziert Uli Hoeness früher mit mir Freundschaftsspiele in Mainz vereinbart hat. Jürgen Klopp ist mein Freund und auch Aki Watzke habe ich in den vergangenen Jahren kennen und sehr schätzen gelernt. Sie werden sich sicher auch bei mir melden und uns Glück wünschen, wie wir dies vor Spielen gegenseitig immer tun. Aber auf eines können sich der FC Bayern und die Bayern-Fans verlassen: Die Lust, Borussia Dortmund in drei Wochen zu schlagen, ist ganz genauso groß wie die Lust, am Samstag gegen Bayern München zu punkten.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

Weitere Inhalte