präsentiert von
Menü
'Bitterer als Barcelona'

FCB geschockt: 'Alle Zeichen standen auf Sieg'

An Schlaf war nicht zu denken. „Hab kein Auge zugemacht“, schrieb Thomas Müller am Sonntagmorgen auf seiner Facebook-Seite, „ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben. Soooooooooooo bitter! Fußball kann grausam sein!“ Auch von den übrigen Bayern dürfte kaum einer Ruhe gefunden haben - und wer doch, der erlebte ein bitteres Erwachen. Denn am Morgen war der Schock des Vorabends gewichen - und übrig blieb nur: Schmerz.

„Ich habe das 1999 erlebt, als wir in Barcelona so dramatisch 1:2 verloren haben. Das war damals auch unglaublich brutal, aber heute Abend ist das irgendwie noch bitterer, noch brutaler und eigentlich auch überflüssiger. Und das tut unglaublich weh“, sprach Karl-Heinz Rummenigge um kurz nach zwei Uhr nachts beim Bankett vielen FCB-Fans aus dem Herzen. „Das ist ein absoluter Albtraum, wie ein schlechter Film“, meinte Christian Nerlinger.

'Chelsea hat doch keine Torchance gehabt'

Entsprechen gedrückt war auch die Stimmung im Münchner Postpalast, wo der FC Bayern mit vielen Freunden des Vereins anstoßen wollte. Es gab Lachs-Carpaccio, Rinderfilet und Flusskrebse, doch nach der dramatischen 4:5 (1:1)-Niederlage nach Elfmeterschießen im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea war niemandem nach Feiern zumute. „Chelsea hat doch keine Torchance gehabt. Die wissen ja bis jetzt noch nicht, wie sie das gemacht haben“, rang Uli Hoeneß um eine Erklärung für das bittere Ende eines ansonsten so traumhaften Finales dahoam.

Kaiserwetter, ganz München Rot-Weiß, eine prächtige Choreographie der FCB-Fans („Unsere Stadt. Unser Stadion. Unser Pokal.“) und ein titelwürdiger Auftritt der Bayern, die Chelsea fast über 120 Minuten in der eigenen Hälfte einschnürten. 43:9 Torschüsse und 20:1 Ecken wurden am Ende für die Roten gezählt, den Henkelpott hielten aber die Gäste in den Händen. „Jeder hat gesehen, dass wir den Sieg verdient hätten“, meinte Nerlinger. Rummenigge sagte: „Man fragt sich: Wie kommt dieses Ergebnis zustande?“

Drei Matchbälle

Denn die Bayern hatten es in der eigenen Hand gehabt. „Wir hatten drei Matchbälle“, erinnerte der FCB-Vorstandschef an die 1:0-Führung durch Thomas Müller (83.), Arjen Robbens verschossenen Elfmeter (95.) und die Führung im Elfmeterschießen. „Trotzdem haben wir es nicht geschafft.“ Didier Drogba köpfte zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit nach dem einzigen Eckball Chelseas den Ausgleich (88.), später verwandelte der Ivorer den entscheidenden Elfmeter. Ivica Olic und Bastian Schweinsteiger waren zuvor vom Elferpunkt gescheitert.

„Alle Zeichen standen auf Sieg von uns, wir waren immer vorne gewesen. Wir hätten einfach zupacken müssen“, meinte Manuel Neuer, der selbst einen Elfmeter pariert und einen verwandelt hatte. „Wir haben schon eine Hand am Pokal gehabt, deshalb tut es so weh.“ Trainer Jupp Heynckes analysierte: „Wir haben einfach zu viele Chancen liegen lassen.“ Und: „Wenn man in der 83. Minute in Führung geht, muss man das 1:0 nach Hause bringen.“

'Moment der Leere'

Mit leeren Blicken und versteinerten Mienen lagen die Bayern am Ende auf dem Rasen der Allianz Arena, mit gesenkten Häuptern lauschten sie auf dem Bankett Rummenigges Rede. „Es tut mir leid für die Mannschaft, die eigentlich eine großartige Champions-League-Saison gespielt hat“, sagte der FCB-Vorstandschef. Nach der Final-Niederlage sei das Team jetzt „völlig am Boden“, berichtete Hoeneß. Neuer sprach von einem „Moment der Leere“.

Gegen 5 Uhr morgens verabschiedeten sich die letzten Spieler vom Postpalast in eine schlaflose Nacht. „Es wird nicht mit dem heutigen Abend abgetan sein, dass man diese Niederlage verdaut“, meinte Nerlinger, „das wird dauern, weil sie in einer Art und Weise passiert ist, die schwer zu verkraften ist.“ Heynckes sagte: „Es wird sicherlich einige Tage dauern. Aber das gehört einfach zum Fußballerleben dazu: Siege, große Titel und auch Enttäuschungen.“

Weitere Inhalte