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Interview

Boateng: 'Wir müssen jetzt Vollgas geben'

Keine 24 Stunden nach dem 2:0-Sieg gegen Hannover 96 ist Jérôme Boateng entspannt. Nach einer regenerativen Einheit im Leistungszentrum setzte sich der Innenverteidiger am Sonntagmittag mit fcbayern.de zusammen, um in aller Ruhe über die aktuelle Situation beim Rekordmeister zu sprechen. Wie beurteilt er den Erfolg gegen Hannover? Wie groß ist seine Vorfreude auf den Champions-League-Start? Und was sagt er zum bevorstehenden Bruderduell auf Schalke am kommenden Wochenende?

Das Interview mit Jérôme Boateng:

fcbayern.de: Jérôme, gegen Hannover bist du Mitte der zweiten Halbzeit ausgewechselt worden und die ganze Allianz Arena hat applaudiert. Wie oft passiert das einem Abwehrspieler?
Boateng: „Nicht so oft. Wir Abwehrspieler sind ja nicht für die spektakulären Dinge auf dem Platz zuständig. Umso schöner ist es, wenn das Publikum auch eine Abwehrleistung anerkennt. Das hat mich gefreut.“

fcbayern.de: Das Spiel habt ihr gewonnen - du als Abwehrspieler wirst dich vor allem auch darüber gefreut haben, dass ihr zu null gespielt habt.
Boateng: „Ja, das ist sehr wichtig für mich, meine Mitspieler in der Abwehr und die ganze Mannschaft. Besonders für Manu (Manuel Neuer, d. Red.) ist es auch immer schön, zu null zu spielen.“

fcbayern.de: Trainer Pep Guardiola arbeitet unter anderem daran, der Mannschaft noch mehr defensive Stabilität zu verleihen. Wie geht es in diesem Punkt voran?
Boateng: „Wir machen Fortschritte, auch wenn es vor der Länderspielpause schon besser funktioniert hat als gegen Hannover. Wir hatten zu viele Kontersituationen, in denen Hannover zum Torschuss kam.“

fcbayern.de: Dass nicht alles 100-prozentig geklappt hat, hängt sicher auch mit der Länderspielpause zusammen.
Boateng: „Ja, aber das ist keine Entschuldigung. Klar fehlt nach Länderspielen vielleicht ein bisschen die Frische, aber trotzdem müssen wir mit unserem Kader dann eine gute Leistung zeigen. Mit der ersten Halbzeit gegen Hannover können wir gar nicht zufrieden sein, nach der Pause war es dann besser.“

fcbayern.de: Matthias Sammer hat nach dem Spiel bemängelt, es sei ihm etwas zu wenig Emotion auf dem Platz. Wie hast du seine Worte aufgenommen?
Boateng: „Dass er Recht hat, darüber brauchen wir nicht zu reden. Matthias Sammer sagt auch nichts, wenn es nichts zu sagen gibt. Ich denke, die Mannschaft wird das annehmen. Wir haben jetzt ein straffes Programm und müssen Vollgas geben.“

fcbayern.de: Sprechen wir kurz über dich. Du bist Stammspieler beim FC Bayern, spielst inzwischen auch in der Nationalmannschaft auf deiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung. Hat sich für dich seit deinem Wechsel nach München vor zwei Jahren alles so entwickelt wie erhofft?
Boateng: „Ich fühle mich superwohl hier beim FC Bayern, dem für mich besten Verein der Welt. Bayern hat mich in einer Phase geholt, in der ich am Knie verletzt war - das zeigt schon, welch Vertrauen der Verein in mich gesetzt hat. Ich denke, dass ich von Jahr zu Jahr Schritte nach vorne gemacht habe.“

fcbayern.de: Eine solche Entwicklung basiert ja nicht nur auf dem normalen Mannschaftstraining. Wie hast du darüber hinaus noch gearbeitet?
Boateng: „Wie meine Mitspieler auch trainiere ich regelmäßig nebenher: Kopfball, Passspiel, im Kraftraum. Und durch die vielen Spiele, besonders in der Champions League, bin ich einfach ruhiger am Ball geworden. Ich vertraue mehr meinen Fähigkeiten und setze mich selbst nicht mehr so unter Druck. Ich war oft zu verkrampft und wollte zu viel. Ich wollte immer zu schnell den Ball wiedergewinnen - und dann sind mir dumme Fouls passiert. Das hat sich geändert.“

fcbayern.de: Jetzt steht der Champions-League-Auftakt vor der Tür. Wie groß ist deine Vorfreude auf Dienstag?
Boateng: „Supergroß! Endlich geht es wieder los! Wir wollen wieder so weit wie möglich kommen. Dafür müssen wir von Anfang an auf dem Posten sein.“

fcbayern.de: In der Champions-League-Geschichte hat der amtierende Sieger seinen Titel noch nie verteidigen können.
Boateng: „Klar wollen wir das am liebsten als Erste schaffen. Aber wir stehen ganz am Anfang und beschäftigen uns damit nicht. Wir denken von Spiel zu Spiel. Aktuell geht es darum, gut in die Gruppe zu starten.“

fcbayern.de: Auftaktgegner ist ZSKA Moskau. Wie ist der russische Meister einzuschätzen?
Boateng: „Spiele von Moskau sind bei uns kaum zu sehen, deswegen kann ich im Moment noch nicht so viel über sie sagen. Wir werden uns erst noch Videos ansehen und ich informiere mich auch selbst im Internet über die gegnerischen Stürmer. Aber ich weiß schon, dass es eine sehr unangenehme Mannschaft ist. Sie haben gute Fußballer in ihren Reihen. Moskau ist nicht zu unterschätzen. Wir müssen aufpassen.“

fcbayern.de: Nur vier Tage nach Moskau steht das nächste Highlight auf dem Programm, gerade für dich. Auf Schalke triffst du auf deinen Halbbruder Kevin-Prince. Gibt es schon erste Frotzeleien zwischen euch?
Boateng: „Nach dem Champions-League-Spieltag - Kevin ist da ja auch mit Schalke im Einsatz - wird es sicherlich den einen oder anderen Spruch geben. Wir werden uns bestimmt ein paar SMS schreiben.“

fcbayern.de: Habt ihr schon häufiger gegeneinander gespielt?
Boateng: „Hauptsächlich in der Jugend, als wir noch ganz klein waren. Bei Hertha BSC haben wir dann zusammengespielt. Später sind wir einmal in der Bundesliga aufeinandergetroffen, aber nur kurz: Er ist bei Dortmund reingekommen, 20 Minuten später bin ich bei Hamburg runter vom Platz. Das einzige richtige Duell gab es bei der WM (WM 2010, Deutschland - Ghana, 1:0, d. Red.) - und da habe ich gewonnen! Bei den wichtigen Spielen liege ich also vorn.“

fcbayern.de: Wie ist das für dich, wenn du auf dem Platz in einen Zweikampf gegen deinen Bruder musst?
Boateng: „Es ist einerseits ein normaler Zweikampf, andererseits aber auch nicht. Denn natürlich will jeder von uns beiden zeigen, dass er der Bessere ist. Wir freuen uns schon beide auf das Spiel.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

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