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Holger Badstuber exklusiv

'Ich hätte mich selber geohrfeigt...'

1. Dezember 2012. Ein Datum, das Holger Badstuber aus seinen Erinnerungen gestrichen hat. Damals, im Heimspiel gegen Dortmund, begann sie, die lange, lange Leidenszeit. Ein Kreuzbandriss, noch ein Kreuzbandriss, und unendlich viele Stunden in der Reha folgten. Doch all das ist nun Vergangenheit. Badstuber ist (fast) zurück! Mit der Mannschaft trainierte er bereits wieder, die ersten Spiele sind nur noch eine Frage der Zeit. Im Interview mit fcbayern.de blickt er auf die schwierigste Zeit seiner Karriere zurück, aber in erster Linie nach vorne.

Das Interview mit Holger Badstuber

fcbayern.de: Holger, deine Haare sind seit ein paar Wochen ab. Ein Zeichen für den Neuanfang?
Badstuber: „Ich wollte meine Mähne schon immer mal abrasieren. Das hat jetzt ganz gut gepasst. Schließlich kommt der Sommer, da soll die Sonne ruhig auf die Birne scheinen. (lacht) Nein, im Ernst: Das mit dem Neuanfang stimmt schon. Für mich beginnt ein neuer Abschnitt, etwas Tolles, worauf ich mich wirklich freuen kann.“

fcbayern.de: Es ist noch nicht so lange her, da hast du zum ersten Mal seit deiner schweren Verletzung wieder gemeinsam mit den Teamkollegen trainiert...
Badstuber: „Es war ein besonderer Tag für mich, ein unbeschreibliches Gefühl. Seitdem bin ich noch heißer, noch motivierter, noch fokussierter. Endlich bin ich wieder ein richtiger Teil der Mannschaft.“

fcbayern.de: Was fehlt derzeit noch zum „alten“ Holger Badstuber?
Badstuber: „Erst einmal bin ich überhaupt froh, schon wieder so weit zu sein. Aber ich spüre natürlich schon, dass ich noch um einige Prozente besser werden muss: Spitzigkeit, Zweikampfverhalten, Drehbewegungen, Ausdauer, Power, Torabschlüsse - in fast allen Bereichen fehlt mir noch ein Tick. Da hilft jede intensive Einheit immens.“

fcbayern.de: Hast du denn noch Hemmungen bei bestimmten Bewegungen?
Badstuber: „Nein, das überhaupt nicht. Im Knie fühlt sich alles super an. Allerdings bin ich beispielsweise noch nicht wieder gegrätscht. Aber das wird sich sicher bald ändern.“ (lacht)

fcbayern.de: Hat dein Körper die ersten Einheiten mit dem Team gut weggesteckt?
Badstuber: „Das musste sich schon erstmal einpendeln. Da hat es mal da gezwickt, mal da. Aber das habe ich gerne in Kauf genommen. Da hatte ich schon ganz andere Schmerzen…“

fcbayern.de: Derzeit trainierst du bei der zweiten Mannschaft mit. Warum?
Badstuber: „Individuelle Einheiten gehören derzeit auch noch dazu, aber jedes Mannschaftstraining ist für mich unersetzlich. So bekomme ich die fußballspezifischen Bewegungen am besten wieder rein, das ist Gold wert.“

fcbayern.de: Ist es möglich, dass du bei den Relegationsspielen der zweiten Mannschaft gegen Fortuna Köln dabei bist?
Badstuber: „Nein, das kommt für mich nicht infrage. Ich bin noch nicht so weit. Schließlich habe ich noch kein einziges Spiel bestritten. Ich möchte bis zum Vorbereitungsstart der Profis eine gute Basis haben und dann voll durchstarten. Nur darauf arbeite ich hin.“

fcbayern.de: Wie sieht dein Fahrplan für die kommenden Wochen aus?
Badstuber: „Ich muss viel trainieren, ich muss dran bleiben. Aber ganz wichtig ist auch, dass ich dem Körper mal Ruhe gebe, da er in den letzten Monaten extrem viel durchgemacht hat. Zwei Wochen Urlaub werde ich mir gönnen. Einfach mal abschalten!“

fcbayern.de: Wie groß ist die Vorfreude, ab nächster Saison endlich wieder aktiv um Titel spielen zu können?
Badstuber: „Riesig! Endlich kann ich das Spiel, das ich am besten kann, was ich am meisten liebe, wieder genießen.“

fcbayern.de: Wirst du zum Saisonstart schon wieder bei 100 Prozent sein?
Badstuber: „Bestimmt brauche ich noch etwas Geduld - ein Spiel ist immer noch etwas anderes als Trainingseinheiten. Ich darf nicht zu verbissen sein. Aber: Ich will nicht zu geduldig sein und monatelang sagen: 'Das kommt schon noch.' Ich weiß, was ich imstande bin zu leisten.“

fcbayern.de: Blicken wir zurück. War es die schwierigste Zeit deiner Karriere?
Badstuber: „Absolut. Als Sportler ist es das Schlimmste, wenn man nicht mitwirken kann. Die Zeit fühlte sich unendlich an. Aber es ist mir nie in den Sinn gekommen zu sagen: 'Ich habe keinen Bock mehr.' Ich wusste immer, dass ich zurückkommen werde.“

fcbayern.de: Auch nach deiner zweiten Kreuzbandverletzung...?
Badstuber: „Die Komplikationen waren natürlich bitter. Aber die Ärzte haben gesagt: 'Es kann zu 100 Prozent wieder werden.' Danach ging es für mich wieder nur in eine Richtung. Klar, es gibt Phasen, in denen es schleppend vorangeht, man bleibt auf einem Level. In diesen Phasen muss man stark sein. Und man muss sich das richtige Umfeld aufbauen. Das ist mir zum Glück gut gelungen.“

fcbayern.de: Wer hat dir besonders geholfen?
Badstuber: „Freunde, Familie, Menschen, von denen ich mir etwas sagen lasse. Auch das Trainerteam, generell der FC Bayern. Da kamen viele Komponenten zusammen. Ich hätte mich selber geohrfeigt, wenn ich bei dieser Rückendeckung - auch vom Verein - gesagt hätte: Ich gebe jetzt auf.“

fcbayern.de: Wie sah diese Rückendeckung aus?
Badstuber: „Der Verein hat mir immer das Gefühl gegeben, dass er sich auf mich freut, und dass ich im Sommer ein gefühlter Neuzugang bin. Es ist toll, wenn man merkt, dass sich auch die Mannschaft über meine Fortschritte freut, das hilft ungemein. Aber am Ende musste ich da natürlich alleine durch.“

fcbayern.de: Hast du zwischendurch noch von der WM in Brasilien geträumt?
Badstuber: „Ganz ehrlich, einen kleinen Funken Hoffnung hatte ich. Es hätte alles perfekt laufen müssen. Irgendwann habe ich dann aber eingesehen, dass es nicht realisierbar ist. Alles, was ich dann wollte, war ein gesundes, stabiles Knie. Und zwar nicht für ein oder zwei Jahre, sondern für zehn.“

fcbayern.de: Wirst du die WM als Fan verfolgen?
Badstuber: „Einige Spiele werde ich mir anschauen, aber sicher nicht alle. Es ist schon ein bisschen Wehmut, ein bisschen Schmerz dabei, nicht in Brasilien auf dem Platz stehen zu können. Eine WM ist das Größte für einen Fußballer. Zum Glück bin ich noch jung und werde hoffentlich noch ein paar große Turniere miterleben.“

Das Interview führten: Marco Donato und Nikolai Kube.

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