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Bayern zwischen Frust und Stolz

„Eine tolle Mannschaft mit tollem Charakter“

Der Applaus wollte nicht enden, vielleicht hallte er sogar länger nach als an Abenden, die für den FC Bayern erfolgreicher verlaufen waren als dieser letztlich doch so bittere in Madrid. Die Gäste im Saal „Cúpula“ des The Westin Palace-Hotels waren stolz auf ihre Mannschaft, das Team (und das Team dahinter) hatte trotz des Viertelfinal-Ausscheidens in der Champions League beim amtierenden Titelträger Real Madrid Großartiges geleistet – darüber waren sich zu später Stunde alle einig.

„Wir waren Zeugen eines unglaublichen Fußballspiels“, sagte Karl-Heinz Rummenigge in seiner traditionellen Ansprache. „Nach 90 Minuten haben wir in Madrid 2:1 gewonnen. Wenn man diese 120 Minuten Revue passieren lässt, kann ich nur den Hut vor dieser Mannschaft ziehen.“ Thomas Müller sagte: „Wenn es in Madrid nach 90 Minuten 2:1 für dich steht, dann hast Du auf jeden Fall irgendwas richtig gemacht, auch wenn es kein perfektes Spiel von uns war.“

„Haben unser Herz auf den Platz gelegt“

In der Tat hatten die Münchner alles (und noch mehr) für einen erfolgreichen Abend getan. „Wir haben  unser Herz auf den Platz gelegt“, sagte ein enttäuschter Mats Hummels, der am Dienstagabend „ein bisschen über die Schmerzgrenze gehen“ musste – genau wie Jérôme Boateng, Hummels‘ Partner in der Innenverteidigung. „Wir haben alles ausgeblendet und alles probiert, was nötig ist, um so ein Spiel zu gewinnen.“ Diese Bereitschaft, dieser Wille war einer von vielen Faktoren, die Vorstandschef Rummenigge in seinem Urteil bestätigten: „Wir haben eine tolle Mannschaft mit einem tollen Charakter.“

„Man hat gesehen, dass die Mannschaft Mut hatte und unbedingt eine Runde weiterkommen wollte“, wusste auch Philipp Lahm, der seinen letzten Europapokal-Auftritt am liebsten erst Anfang Juni in Cardiff bestritten hätte. Nach dem Elfmetertor von Robert Lewandowski (53.) und dem Eigentor von Sergio Ramos (77.) waren die Bayern auch auf einem guten Weg – dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Cristiano Ronaldo (76.) zum Trotz.

Bayern trotzen Widerständen

„Wir können uns nichts vorwerfen“, so Boateng, „wir haben alles versucht, aber es ist klar, dass wir in Unterzahl die Tore kriegen.“ Arturo Vidal (84.) hatte noch vor der Verlängerung die Gelb-Rote Karte gesehen, dabei war die Aktion des Chilenen „nicht mal ein Foul“, ärgerte sich Rummenigge. „Wir haben Arturo gesagt, dass er in den Zweikämpfen aufpassen soll“, erklärte Robben im Anschluss, „aber er spielt klar den Ball.“ Es half nichts, der Mittelfeldmann musste runter, und Rummenigge hielt fest: „In Unterzahl gegen ein Team wie Real Madrid spielen zu müssen, ist natürlich ein Handicap.“

Auch diesen Rückschlag steckten die Münchner zunächst glänzend weg. Fast die gesamte erste Hälfte der Verlängerung hielten sich die Bayern schadlos, leiteten den einen oder anderen Konter ein, hätten mit einem präziseren Abschluss von Costa (98.) auch das dritte Tor erzielen können. Stattdessen stach Cristiano Ronaldo (104.) kurz vor dem Pausenpfiff ins bayerische Herz. „Klares Abseits“, ärgerte sich Rummenigge, der eine „wahnsinnige Wut“ verspürte. Philipp Lahm hielt fest: „In Sachen Schiedsrichterentscheidungen hatten wir Pech.“ Auch Ronaldos 3:2 (109.) fiel aus einer knappen Abseitsposition, der Treffer von Marco Asensio (112.) besiegelte das Aus.

Das Double als neues Ziel

„Wir haben Männerfußball gespielt und gezeigt, dass wir den FC Bayern würdig vertreten“, war Müller trotzdem stolz auf die Leistung seiner Mannschaft. „Für ein Ausscheiden war es schon respektabel, aber wenn Du ausscheidest, hilft Dir das auch nichts.“ Auch Arjen Robben strich das Positive heraus: „Die Mannschaft verdient ein großes Kompliment, wir haben ein sehr gute Spiel abgeliefert.“ Gleichwohl konnte der Niederländer auch nicht verbergen, dass „Frust und Enttäuschung groß“ waren. „Ich hatte das Gefühl, es ist mehr drin, wir können das schaffen.“ Als wäre die Niederlage nicht schlimm genug, verletzte sich auch noch Manuel Neuer am Fuß – eine Untersuchung in München soll endgültig Aufschluss über die Schwere geben.

Den Frust müssen die Bayern jetzt konservieren; vielleicht lässt er sich umwandeln in positive Energie, im Saisonendspurt warten noch wichtige Aufgaben. „Die Niederlage war bitter, aber ich glaube, aus Niederlagen haben wir oft Kraft gezogen. Dafür ist der FC Bayern bekannt“, so Rummenigge. „Jetzt ist wieder der Moment, wo wir aus dieser Niederlage Kraft ziehen müssen.“ Ancelotti sieht es genauso: „Wir müssen jetzt in die Zukunft schauen, auf die Bundesliga und den DFB-Pokal. Und dann greifen wir in der nächsten Saison auch in der Champions League wieder an.“ Und Alaba sagte: „Das Double ist unser nächstes Ziel. Wir wollen am Ende ganz oben stehen!“

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