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Interview

Sauer: „Darauf können wir stolz sein“

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Auf eine hervorragende Hinserie kann die Jugendabteilung des FC Bayern zurückblicken. Seit dem 1. August ist der Nachwuchs des Rekordmeisters am neuen FC Bayern Campus beheimatet. Die Mannschaften spielten eine starke erste Saisonhälfte, die Amateure feierten nach zwischenzeitlichen Schwierigkeiten den Derbysieg gegen die erste Mannschaft des TSV 1860 München und sind seither ungeschlagen. Die U19 und U17 sind in ihren Nachwuchs-Bundesligen ganz vorne mit dabei, der A-Jugend gelang erstmals der Sprung ins Achtelfinale der UEFA Youth League und auch die jüngeren Teams fuhren hervorragende Ergebnisse ein. Im Interview mit fcbayern.com spricht Jochen Sauer, Leiter des FC Bayern Campus, über die ersten Monate am neuen Nachwuchsleistungszentrum, die starken Leistungen der Jugendteams und das oberste Ziel, Spieler für den Profikader auszubilden.

Das Interview mit Jochen Sauer

fcbayern.com: Herr Sauer, Sie sind seit einem halben Jahr Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Bayern. Wie haben Sie sich beim Rekordmeister eingelebt?
Sauer: „Ich wurde von allen Seiten sehr gut und herzlich aufgenommen. Auch die Übergabe von meinem Vorgänger Wolfgang Dremmler, der mich in den ersten Wochen in meinen Aufgaben noch unterstützt und mir die Abläufe dargestellt hat, verlief hervorragend. Vom ersten Tag an bereitet mir die Arbeit im Nachwuchs des FCB sehr viel Freude.“

fcbayern.com: Hermann Gerland ist seit Saisonbeginn ihr Pendant für die sportliche Leitung, fungiert jetzt aber auch als Co-Trainer von Jupp Heynckes bei den Profis. Inwieweit beeinflusst das ihre Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich?
Sauer:
„In der Regel ist Hermann mindestens zwei halbe Tage in der Woche am Campus. Wenn die Profis nicht trainieren, ist er für uns unterwegs. Entweder er ist am Campus oder er kümmert sich an der Säbener Straße um die Amateure. Sein Fehlen ist im Moment kein Problem, weil wir uns in den ersten Wochen und Monaten bereits über viele Themen intensiv ausgetauscht haben und auf einer gemeinsamen Linie sind. Wir sind in ständigem Kontakt, ob persönlich oder über Telefon und E-Mail. Die Zusammenarbeit läuft sehr gut.“

fcbayern.com: Im August hat der FC Bayern Campus den Betrieb aufgenommen. Wie haben Sie die ersten Monate im neuen Nachwuchsleistungszentrum erlebt?
Sauer:
„Wir befinden uns auf einem sehr guten Weg! Haben aber natürlich auch noch viel Arbeit vor uns. Der Umzug von der kompakten Infrastruktur an der Säbener Straße auf das viermal so große Gelände am Campus verlief reibungslos. In den ersten Monaten haben alle Beteiligten super Arbeit geleistet. Die Grundlage auf diesem fantastischen Gelände ist gelegt. Inhaltlich wollen wir in der kommenden Zeit nun darauf aufbauen und uns weiterentwickeln.“

fcbayern.com: Wie schätzen Sie die Bedingungen am Campus ein?
Sauer:
„Infrastrukturell sind wir mit dem Campus bestens aufgestellt. In jedem Bereich können wir hier unter top Bedingungen trainieren und arbeiten. Sowohl für die mannschaftliche und individuelle Entwicklung als auch im Reha- und Athletikbereich haben wir ideale Möglichkeiten. Darüber hinaus sind wir auch personell hervorragend aufgestellt. Unsere Nachwuchsspieler haben die Rahmenbedingungen, sich bestmöglich zu entwickeln.“

fcbayern.com: Wo sehen Sie noch Verbesserungspotential?
Sauer:
„Infrastrukturell ist, wie gesagt, alles da und nun gilt alle Konzentration der konzeptionellen Arbeit. Wir wollen gemeinsam mit den Trainern alle Spieler besser machen. Hierfür entwickeln wir jetzt die Trainings- und Ausbildungskonzepte weiter und stellen sie allen Spielern in den täglichen Trainingseinheiten zur Verfügung.“

fcbayern.com: Würden Sie sagen, dass der Umzug auf den Campus nochmal für einen großen Schub in der Nachwuchsabteilung gesorgt hat?
Sauer:
„Auf jeden Fall! Wir haben hier einfach viel mehr Möglichkeiten als zuvor an der Säbener Straße. Neben der besonderen Motivation, für den FC Bayern spielen zu dürfen, ist der Campus mit seinen herausragenden Bedingungen nochmal ein zusätzlicher Ansporn für unsere Nachwuchsspieler. Das spiegelt sich nicht zuletzt auch in den bisher hervorragenden Ergebnissen wider. Darüber hinaus ist das Gelände auch ein sehr wichtiger Faktor, um weitere talentierte Spieler für unseren Verein zu begeistern.“

fcbayern.com: Sie sprechen die starken bisherigen Ergebnisse an. Gerade in den Heimspielen wissen die Nachwuchsteams in dieser Saison zu überzeugen. So wurden 17 von 18 Spielen der U19 und U17 im Campus-Stadion gewonnen, kurz vor der Winterpause gab‘s das einzige Remis. Was macht die „Campus-Festung“ aus?
Sauer: „Unser kleines Stadion ist ein echtes Schmuckkästchen. Mit den Tribünen, den tollen Kabinen und dem hervorragenden Rasen herrscht insgesamt eine super Atmosphäre bei den Spielen. Die Jungs fühlen sich sehr wohl und werden in dieser Umgebung nochmals mehr angespornt. Dass wir die bisherigen Heimspiele bis auf eines allesamt gewinnen konnten, spricht für sich.“

fcbayern.com: Wie fällt ihr generelles sportliches Zwischenfazit aus?
Sauer: „Wir können sehr zufrieden sein! Unsere Mannschaften haben in der Hinrunde hervorragende Leistungen gebracht und gute Ergebnisse eingefahren. In ihren Ligen sind die Teams allesamt vorne mit dabei und haben sich weiter gut entwickelt. In den Nachwuchs-Bundesligen ist die U17 Tabellenführer, die U19 in unmittelbarer Schlagdistanz zur Spitze. Dank der starken Auftritten in der Youth League ist der A-Jugend erstmals der Sprung ins Achtelfinale gelungen. Darauf können wir stolz sein. Zumal in den Teams einige Spieler zum Einsatz gekommen sind, die auch noch in der jeweils jüngeren Altersklasse spielen können. Dieser Fakt verdeutlicht, dass sich unsere Spieler auch individuell gut entwickeln. Des Weiteren freut mich besonders, dass im Laufe der Hinrunde zahlreiche Spieler aus unseren Jugendmannschaften bei den Profis mittrainieren und einen guten Eindruck hinterlassen konnten. Auch die Profidebüts von Otschi Wriedt und im speziellen von Eigengewächs Marco Friedl sind eine tolle Auszeichnung für die Arbeit unseres Nachwuchses.“

fcbayern.com: Die Amateure konnten nach zwischenzeitlichen Schwierigkeiten viermal in Folge gewinnen, sind seit acht Spielen ungeschlagen…
Sauer: „Das Team hat im Verlauf der Hinrunde auch eine tolle Entwicklung genommen. Teilweise hatten wir zu Saisonbeginn, auch bedingt durch zahlreiche Ausfälle, noch mit Problemen zu kämpfen. Mit dem Derby im Visier haben die Jungs dann Fahrt aufgenommen. Mit dem Derbysieg gegen die erste Mannschaft des TSV 1860 konnte die Mannschaft ein dickes Ausrufezeichen setzen. An den starken Leistungen der letzten Wochen gilt es im neuen Jahr anzuknüpfen und die individuelle Entwicklung der Spieler weiter voranzutreiben.“

fcbayern.com: Gab es für Sie ein besonderes sportliches Highlight?
Sauer: „Das Youth-League-Spiel gegen Paris in dem wir den ersten Platz in der Gruppe sichern konnten war ein wirklich hervorragendes Spiel. Ich habe schon sehr viele Spiele in diesem Wettbewerb gesehen, aber die Leistung in diesem Match war von beiden Mannschaften auf einem unglaublich hohen Niveau. Sowohl fußballerisch als auch von der gesamten läuferischen und athletischen Intensität über 90 Minuten war das schon klasse. In beiden Mannschaften hat man einige Spieler mit Entwicklungspotential gesehen. Auch der Derbysieg der Amateure gegen den TSV 1860 München war natürlich ein Highlight.“

fcbayern.com: In den jüngeren Teams fällt auf, dass zahlreiche Talente bereits in einer höheren Altersklasse spielen. Inwieweit fördert das die Entwicklung der Spieler?
Sauer: „Bei diesen Maßnahmen berücksichtigen wir, wie bei allen unseren Entscheidungen, in erster Linie die Individualität der einzelnen Spieler. Wenn einer der Jungs in seinem Jahrgang spielerisch herausragt, vielleicht sogar eine Art Unterforderung droht, und er auch körperlich die Voraussetzungen mitbringt, ist es aus unserer Sicht notwendig, ihn hochzuziehen. Damit wollen wir ständig neue Reize setzen, Entwicklungsstillstand vorbeugen und somit die ideale individuelle Förderung ermöglichen.“

fcbayern.com: Aus dem U15-Jahrgang 2003 spielen sieben Spieler bereits in der U16. Nichtsdestotrotz ist die U15 souveräner Tabellenführer in der Regionalliga. Sehen Sie hier einen besonders vielversprechenden Jahrgang?
Sauer:
„In diesem Jahrgang haben wir in der Tat einige hochtalentierte Spieler in unseren Reihen. So waren im Verlauf der Hinrunde auch insgesamt neun unserer Jungs bei Lehrgängen der deutschen U15-Nationalmannschaft. Diese Entwicklung gilt es voranzutreiben. Insgesamt sehe ich uns aber, nicht nur in diesem Jahrgang, hervorragend aufgestellt.“

fcbayern.com: Das oberste Ziel ist es, Spieler für die Profimannschaft des FC Bayern auszubilden. Welche Fähigkeiten muss ein Nachwuchsspieler mitbringen, um diesen höchsten Ansprüchen gerecht zu werden?
Sauer: „Das gesamte Leistungsniveau ist bei den Profis des FCB natürlich weltklasse. Deshalb müssen wir auch in allen Bereichen noch eine Schippe drauflegen. Technisch und taktisch werden unsere Spieler schon hervorragend entwickelt. Aber die Trainings- und Spielintensität, die Athletik und natürlich die mentalen Anforderungen sind bei den Profis enorm hoch. In diesen Bereichen müssen wir in jeder Altersklasse die Spieler noch besser auf die Profianforderungen vorbereiten. Wenn die Jungs die Chance bekommen oben mit zu trainieren, dann müssen sie vom ersten Training an bereit sein! “

fcbayern.com: Mit welchen Schwierigkeiten ist die Umsetzung dieses Ziels verbunden?
Sauer: „Ausbildung im Nachwuchs braucht Zeit und man muss diese erhöhten Anforderungen schon in den jüngeren Mannschaften im Fokus behalten. Es ist natürlich auch nicht leicht, das „Profiniveau“ in jedem Training und in jedem Spiel zu simulieren. Darüber hinaus haben die Jungs gerade ab der U16 auch einen vollgepackten Tagesablauf. Sie müssen ja nicht nur trainieren und am Wochenende spielen. Die Schule und die Vorbereitung auf einen höchstmöglichen Schulabschluss kosten viel Zeit, Kraft und Konzentration. Die Gesamtbelastung für die Spieler ist nicht zu unterschätzen.“

fcbayern.com: Welche Zielsetzungen haben Sie für das kommende Jahr?
Sauer: „Dass wir unsere Spieler weiter Stück für Stück besser machen und möglichst viele Talente für den Profikader anbieten können; wenn wir dann auch noch mannschaftlich erfolgreich sind, dann haben wir vieles richtig gemacht. “

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