„Es fühlt sich gut für uns an“

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Die Bayern hätten diesen einen Zähler auch einfach mitnehmen und sich gedanklich auf das Champions-League-Achtelfinale gegen Besiktas einstellen können. Doch wer diese Bayern kennt, der weiß: Sie hören einfach nicht auf! „Es macht uns einfach viel zu viel Spaß, zu gewinnen, anstatt zu sagen, dass wir am Dienstag ein wichtiges Spiel haben", meinte Thomas Müller nach dem 2:1-Last-Minute-Sieg beim VfL Wolfsburg. Und fasste zusammen, was wohl alle Bayern-Fans dachten: „Die Mannschaft ist einfach geil."

Beinahe runderneuert ging sie in Niedersachsen auf dem Platz, Jupp Heynckes schenkte gleich acht neuen Akteuren das Vertrauen -- und somit auch die Möglichkeit, auf Einsatzzeiten zu kommen, im Rhythmus zu bleiben. Oder wieder hineinzufinden, wie Thiago, der nach 87 Tagen Zwangspause wieder auf dem Platz stand. Nach so vielen Wechseln ist es „nie einfach", wie Hasan Salihamidzic sagte, aber „wir haben es sehr gut gemacht", war der Sportdirektor zufrieden.

„Die Mannschaft hat ein bisschen gebraucht, um sich aneinander zu gewöhnen", beobachtete Müller, der von draußen sah, wie die Bayern das Spielgerät „ganz gut" haben laufen lassen. Chancen blieben im ersten Abschnitt allerdings Mangelware. „In der ersten Halbzeit waren wir mit zu vielen Spielern hinter dem Ball", analysierte derweil Arjen Robben, „deswegen haben vorne die Anspielpunkte gefehlt." Dem frühen Führungstreffer von Wolfsburgs Daniel Didavi (8. Minuten) liefen die Münchner dementsprechend erst mal hinterher.

Robbens gute Statistik

„Deutlich aggressiver" ging der Spitzenreiter in den zweiten Abschnitt, wie Müller konstatierte, „da haben wir die Zwischenräume besser besetzt." Ausgleichschancen ließen nicht lange auf sich warten: Die dickste hatte Arjen Robben (55.), der mit seinem Elfmeter an Wolfsburg-Keeper Koen Casteels scheiterte. „Einmal in sechs Jahren zu verschießen, das kann passieren", konnte Robben hinterher fast darüber schmunzeln. „Das ist immer noch eine gute Statistik."

Der Niederländer selbst arbeitete kräftig mit, dass die Bayern doch noch ihren 13. Pflichtspiel-Sieg in Serie feiern sollten. Den Ausgleich bereitete Robben mustergültig vor (64.), Sandro Wagner („Er hat eine sehr, sehr gute Mentalität", Hasan Salihamidzic) vollstreckte wuchtig per Kopf. Und kurz vor Schluss tankte sich der Flügelstürmer einmal mehr in den Strafraum vor, wo er nur regelwidrig gestoppt werden konnte. Den fälligen Elfer trat diesmal Robert Lewandowski (90.+1) -- und der ließ sich die Chance auf seinen 20. Saisontreffer nicht nehmen. Jubel, Jubel, Jubel!

Besiktas? Auf keinen Fall unterschätzen!

„Auch wenn wir hinten sind oder es 1:1 steht: Wir gehen bis zur letzten Minute", lobte Robben die Mentalität der Mannschaft. „Man kann sagen: Es ist ein bisschen Glück. Aber man kann auch sagen: Es ist eine Qualität." Müller stimmte mit ein: „Wenn man in die Gesichter der Gegner schaut und die sich wieder fragen, warum es wieder ganz knapp gegen die Bayern nicht geklappt hat, dann ist das zwar ein bisschen unfair, aber fühlt sich für uns gut an." Das gilt auch für den Blick auf die Tabelle -- der Vorsprung an der Spitze wird nach dem Montagsspiel zwischen Frankfurt und Leipzig mindestens 18 Punkte betragen.

Ab Sonntag aber sind die Bayern mit ihren Köpfen ohnehin woanders. Bereits am Dienstag startet der deutsche Rekordmeister ins Champions-League-Jahr 2018, das Achtelfinal-Hinspiel gegen den türkischen Vertreter Besiktas steht auf dem Programm. „Man hat schon in ihren Spielen gegen Leipzig gesehen, dass man sie auf keinen Fall unterschätzen darf", warnte Müller, der gegen die Türken an die zweite Halbzeit aus dem Wolfsburg-Spiel anknüpfen will, „mit diesem Anspruch und dieser Gier". Der Stürmer weiß: „Wir sind absolut bereit."


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