Applaus, Applaus für Jupp Heynckes

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Alles war bereitet für den ganz großen Abschied. Das Berliner Olympiastadion brodelte. Der „Pott" glänzte golden. Selbst das Wetter spielte mit. Nur das Spiel leider nicht. „Der Einzige, der mir heute Abend leidtut, das ist Jupp", sagte Karl-Heinz Rummenigge zu mitternächtlicher Stunde in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom. Man habe alles darangesetzt, Jupp Heynckes mit dem Double aus seiner großen Karriere zu verabschieden. „Aber das Leben ist manchmal kein Wunschkonzert." Und so wanderte der DFB-Pokal nicht in Heynckes' Hände, sondern nach Frankfurt.

Dennoch feierten die geladenen Gäste auf dem Pokal-Bankett des FC Bayern den scheidenden Chefcoach mit donnerndem Applaus. „Es steht dem FC Bayern sehr gut zu Gesicht, ‚Danke' zu sagen", erinnerte Rummenigge an Heynckes' Verdienste in den vergangene acht Monaten. Aus fünf Punkten Rückstand wurden in der Bundesliga am Ende 21 Punkte Vorsprung, in der Champions League führte er die Mannschaft ins Halbfinale, im DFB-Pokal ins Endspiel. „Das verdient größten Respekt."

„Das Beste ist seine Menschlichkeit, seine Wärme. Er hat den Spaß und den Zusammenhalt in die Mannschaft zurückgebracht.“

Jérôme Boateng

Heynckes selbst war nach dem Spiel noch voll im Trainermodus. Gewohnt nüchtern analysierte er das bittere 1:3 gegen die Eintracht, er gratulierte dem Gegner und suchte angesichts von Aluminiumtreffern und umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen auch keine Ausflüchte. „Es hat heute nicht sollen sein. Ich mache meinen Spielern überhaupt keinen Vorwurf. Ich weiß, dass es solche Tage im Fußball gibt."

Den Applaus der Gäste gab er an seine Mannschaft weiter. „Die Jungs haben über das ganze Jahr überragend gearbeitet", betonte der 73-Jährige, „es war für mich relativ leicht. Die Spieler haben mir so viel Respekt entgegengebracht. Wir haben harmonisch zusammengearbeitet. Alle haben super mitgezogen." Die Deutsche Meisterschaft war der verdiente Lohn.

„Wir alle wollten ihm zum Abschied ein anderes Spiel und den Titel schenken. Er ist der größte Trainer, den Deutschland gesehen hat.“

Sven Ulreich

Jetzt verabschiedet sich Heynckes zum zweiten Mal in seiner Karriere in den Ruhestand. Konkrete Pläne für die kommenden Tage und Wochen hat der Fußballlehrer nicht. „Ich muss jetzt erst einmal ein bisschen Abstand gewinnen, die letzten Wochen waren sehr stressig", meinte er nur, „ich muss wieder auf Normaltemperatur herunterkommen und wieder im eigenen Bett schlafen und dann mache ich, worauf ich Lust habe."

Den Abschied vollzieht Heynckes offensichtlich ohne Wehmut. „Ich bin nicht 45 oder 50 Jahre, ich weiß meine Kräfte richtig einzuschätzen", sagte er, „mit 73 Jahren weiß man nicht, wie lange man noch zu leben hat. Ab nächster Woche möchte ich mein Leben wieder genießen." Auf seinem Bauernhof in Schwalmtal. Bei seiner Frau und seinem Hund Cando. „Ich wünsche dir alles Gute, Jupp", gab ihm Rummenigge mit auf den Weg, „du hast Großartiges geleistet für Bayern München." Danke, Jupp!


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