Heynckes' CL-Kreis schließt sich

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Jubeln, hadern, antreiben, dirigieren... Der letzte Auftritt von Jupp Heynckes auf dem großen europäischen Fußballparkett bot noch einmal die ganze Bandbreite des Trainer-Daseins. Inklusive eines dramatischen Endes. Danach rang Jupp Heynckes in den Katakomben des Estadio Santiago Bernabéu um Fassung. „Natürlich ist das jetzt eine Situation, wo ich weiß, es ist endgültig, dass ich nie mehr auf die Trainerbank zurückkehre bei einem Champions-League-Spiel. Und ich finde, das ist auch gut so", sagte der FCB-Chefcoach nach dem bitteren Halbfinal-Aus seiner Mannschaft. „Ich habe da keine Emotionen, dass ich sage, jetzt ist es vorbei. Im Gegenteil: Ich bin nur enttäuscht über das Ergebnis." Seine feucht schimmernden Augen sprachen eine eigene Sprache.

Im September 1997 hatte Don Jupp an selber Stelle sein Champions-League-Debüt als Trainer gefeiert. Die Partie endete mit einem 4:1-Sieg seines Real Madrids gegen Rosenborg BK. 21 Jahre später schloss sich mit dem Halbfinal-Duell gegen seinen Ex-Klub Heynckes' persönlicher CL-Kreis. Leider. Mit dem siebten Remis in seinem 47. Königsklassen-Spiel. Nur sieben Niederlagen stehen für ihn zu Buche. Und 33 Siege!

Drei Mal Finale, zwei Mal Sieger

„Bei mir kommt nie Wehmut auf", meinte der 72-Jährige nach dem Schlusspfiff in Madrid, mit dem auch eine außergewöhnliche Serie endete. Bisher hatte Heynckes immer das Finale erreicht (1998, 2012, 2013), wenn er an der Champions League teilnahm (und den Wettbewerb zweimal gewonnen). Diesmal war im Halbfinale Endstation.

Heynckes erinnerte an den Final-Triumph 2013 mit dem FC Bayern. Danach habe er nie mehr die Absicht gehabt, auf die Trainerbank zurückzukehren, versicherte er. Doch im Oktober letzten Jahres half er doch noch einmal aus -- und führte den FC Bayern in der Champions League bis kurz vors Finale, in der Bundesliga von Platz fünf zur Meisterschaft und im DFB-Pokal ins Endspiel. „Ich denke, nicht viele gehen mit 72 Jahren noch solche Abenteuer ein", meinte er.

Emotionale Ansprache in der Kabine

„Ich glaube, nicht nur Bayern, sondern Deutschland und die ganze Fußballwelt wird unserer Mannschaft und unserem Cheftrainer Jupp Heynckes mit seinem Gespann höchsten Respekt und höchstes Lob zollen", meinte Karl-Heinz Rummenigge nach dem Schlusspfiff in Madrid. Heynckes selbst bedankte sich bei seiner Mannschaft: „Wir haben in den Monaten eine wunderbare Atmosphäre, eine tolle Zusammenarbeit gehabt. Das ist eine Truppe, die Charakter hat. Deswegen ist es schade, dass die Spieler nicht belohnt wurden."

Zuvor in der Kabine hatte Heynckes einige Worte an seine Spieler gerichtet. „Das war sehr emotional", berichtete Rummenigge, „er hat etwas Wichtiges gesagt: Wir haben heute leider nicht das Finale in Kiew erreicht, aber wir haben in knapp zweieinhalb Wochen noch das DFB-Pokalfinale in Berlin!" Und da soll Heynckes mit dem Double ein glanzvoller Abschied bereitet werden.